Mit dem Heißluftballon den amerikanischen Traum verfolgen

Zum neuen rumänischen Spielfilm „Hawaii“ in der Regie von Jesús del Cerro

Dienstag, 28. November 2017

Rumänien, 1988. Das Leben der Rumänen ist rationiert: Lebensmittel, Wärme, Licht und vor allem Freiheit werden den Menschen nur in Häppchen serviert. Das alles wird auch im neuen rumänischen Spielfilm „Hawaii“ widergespiegelt. Für viele Zuschauer ist die Produktion eine Zeitreise in den Kommunismus, für jüngere aber wird eine unvorstellbare Zeit präsentiert, eine Zeit mit geschlossenen Grenzen und verletzten Menschenrechten, in der „echte Coca-Cola“ und „echter Kaffee“ als Luxus gelten und vieles noch mit einer „Fa“-Seife und einer „Kent“-Zigarettenstange als Wechselmünze gekauft werden konnte. Davon handelt der Film „Hawaii“, der seit dem 17. November in den rumänischen Kinos läuft.

Die Produktion bringt Action, Liebe und Geld ins Spiel. Die Handlung des Filmes spielt bloß ein Jahr vor dem Fall des Kommunismus in Rumänien und zeigt die bedrückende Atmosphäre im rumänischen Alltag, wenn viele der Bürger keine Geduld mehr mit der Unterdrückungspolitik im Land haben. In den Vordergrund all dieser Gegebenheiten rückt Andrei Florescu, ein Taxifahrer aus Bukarest, der erfährt, dass ein verstorbener Onkel ihm und seiner Familie ein Drei-Millionen-Dollar-Erbe auf Hawaii überlassen hat. Seine Freude verblasst aber schnell, als er sich mit der tristen kommunistischen Realität in Rumänien konfrontieren muss.

In einer Zeit, in der die Freiheit eines einzelnen Bürgers bloß einen Dollar kosten würde, sind drei Millionen Dollar eine schwere Last. Dass es unmöglich ist, die Summe in Rumänien zu kassieren, und dass dabei der rumänische Staat die gesamte Summe beschlagnahmen würde, das kann die Hauptfigur des Filmes nicht zulassen. So entscheidet sich Andrei recht schnell, alles Mögliche zu versuchen, um das Land zu verlassen und das Erbe aus egal welchem anderen Land der Welt zu beantragen. Doch ihm bleiben allein drei Monate Zeit, den Nachlas zu beanspruchen, sonst würde alles bei den Amerikanern bleiben. Das Drei-Millionen-Dollar-Erbe löst schnell den amerikanischen Traum in Andrei Florescu aus. Verkörpert vom rumänischen Schauspieler Dragoş Bucur, beginnt nun für den Bukarester Taxifahrer ein wahres Abenteuer, mit der rumänischen Geheimpolizei „Securitate“ auf seinen Spuren, einer entflammten Liebesgeschichte sowie einer ehrgeizigen Fluchtlösung mit einem selbst gebauten Heißluftballon.

In der Regie von Jesús del Cerro zeigt der Film das Drama des Fluchtversuchs zur Zeit des rumänischen Kommunismus und die ständige Angst vor der Securitate sowie die vielen Mängel im Alltag. Zur Besetzung gehören neben Dragoş Bucur auch Constantin Cojocaru, Rodica Lazăr, Cristina Flutur, Gheorghe Ifrim und Andi Vasluianu.

Das Thema des Kommunismus regt immer wieder auf, löst Nostalgien und Empörung aus. Seit der Wende wurden immer wieder Filme über Rumänien zur Zeit des Kommunismus gedreht: Mal mit einem ernsten Dreh wie „Cum mi-am petrecut sfârşitul lumii“ (deutsch „Wie ich den Weltuntergang verbracht habe“ aus dem Jahr 2006), „4 luni, 3 săptămâni şi 2 zile“ („4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage; 2007) und „Nuntă mută“ („Stumme Hochzeit“; 2008) oder Filme, die das Thema des Kommunismus humorvoll behandeln, wie „Amintiri din Epoca de Aur“ (deutsch „Erinnerungen aus der goldenen Zeit“). Bei „Hawaii“ ist ein bisschen von allem dabei. Das ernste Thema kriegt gegen Filmende auch etwas Humor und Phantasie dazu. Wie man sich den amerikanischen Traum mit einem Heißluftballon verwirklichen kann – das können Sie derzeit in den rumänischen Kinos erfahren.

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