Mit dem Ziel der Resozialisierung für Straßenhunde und Gefängnisinsassen

Versuchsprojekt in Rumänien: eine tiergestützte Therapie für Inhaftierte

Freitag, 07. Juni 2013

Die Verbindung zwischen Mensch und Hund hat eine positive Wirkung für beide Seiten.Foto: Ringstar Club

Flauschig und großäugig: Ein Hundekumpel ist verlässlich, bietet bedingungslose Affektion und erweckt im Menschen ein Gefühl der Verantwortung. Dank der beruhigenden Kraft haben Vierbeiner therapeutische Wirkung und können Menschen helfen: Der Umgang mit Tieren trägt zur Verbesserung des Selbstvertrauens bei. Darauf basiert die unkonventionelle, tiergestützte Therapie, die seit einigen Jahren in Ländern wie den USA, Norwegen oder Deutschland von verschiedenen Institutionen genutzt wird.

Der Startschuss wurde heuer auch in Rumänien gegeben: „Ein erzogener Hund, ein wunderbarer Freund” heißt der zweimonatige Pilotversuch, der der tiergestützten Therapie für Häftlinge gewidmet wurde. Im Norden Bukarests, nicht weit entfernt vom Băneasa-See, befindet sich der Ort, an dem, zum ersten Mal hierzulande, drei Insassen Hunde zu therapeutischen Zwecken trainiert haben. „Die zu trainierenden Straßenhunde stammen aus dem Bukarester Tierheim „Dogtown“, die Inhaftierten aus dem Gefängnis Jilava”, erklärt Robert Caraman, der Leiter des Hundeklubs „Ringstar“, in welchem das einzigartige Training abgehalten wurde.

Sechs Häftlinge wurden ausgewählt, die sich daran beteiligen durften. Das Projekt wurde im Februar begonnen, kam im April zum guten Ende und wurde in Bukarest und Sathmar/Satu Mare durchgeführt. Der Zweck war die Rehabilitierung auf beiden Seiten: Die Tiere konnten den Gefangenen bei der Resozialisierung helfen und umgekehrt. Lernen sollten die Häftlinge Zuneigung, Fürsorglichkeit, Mitleid und den respektvollen Umgang mit Tieren, auf der anderen Seite sind die ehemaligen Straßenhunde jetzt imstande, behinderte Menschen zu unterstützen.

Die Insassen Ionuţ (29), Alex (27) und Iulian (28) kamen dreimal in der Woche zum Training in den Hundeklub. Neben praktischen Übungen fanden auch theoretische Kurse statt, die den Gefangenen die Regeln des Berufs vermittelten. Sowohl den Vierbeinern als auch den Häftlingen wurde eine neue Chance gegeben: Die „erzogenen” Hunde des Tierheims wurden bereits adoptiert und die Häftlinge haben jetzt ein in ganz Europa anerkanntes Zeugnis in der Tasche, das beweist, dass sie als Hundetrainer-Assistenten arbeiten können. Alex ist beispielsweise seit vier Jahren im Gefängnis.

Die Erfahrung, die er gemacht hat, sei die positivste Sache, die er in den letzten Jahren erleben durfte. „Ich habe gelernt, geduldig zu sein, mich mehr zu lieben und zu respektieren und die Menschen mit guten Absichten zu achten”, erklärt er.

Die energische Sascha, die aufgeregte Bubba und die liebevolle Emi sind die Hündinnen, die von den jungen Männern des Gefängnisses Jilava trainiert wurden. Auf diese Weise konnten die Häftlinge ein paar Stunden des ansonsten eher tristen Gefängnisalltags genießen. Dabei haben sie von Spezialisten gelernt, wie man einen Hund trainiert und was man machen muss, um zusammen mit dem Hund ein Team zu bilden. Dabei ging es um Disziplin und Basis-Training, das für die Hunde die Adoptionschancen erhöht. Am Projekt mitgewirkt haben die Nationale Gefängnisverwaltung, der Verein „Angel Dog“ aus Sathmar, das Tierheim „Dogtown“ und der Klub für Hundetraining „Ringstar“ aus Bukarest. Das Ziel der Organisatoren war, einen Präzedenzfall zu schaffen. Der Wunsch ist, das Projekt zu wiederholen, aber in einer anderen Form. Geplant wird, dass Straßenhunde gesammelt und direkt in Gefängnissen von Häftlingen trainiert werden. Das soll einen doppelten Vorteil für die Gesellschaft bedeuten: Die Häftlinge können sich auf diese Weise professionell neu orientieren. Wenn sie wieder frei sind, werden sowohl Menschen als auch Hunde die Gesellschaft unterstützen.

Robert Caraman betont, dass es wichtig ist, dass Menschen erzogen werden: „Menschen sollen wissen, wie ihre Hunde zu erziehen sind. Niemand hat sich bisher darum gekümmert, dabei sind mehr als 30 Prozent der Bukarester Hundebesitzer“, sagt Caraman. „Alle Lokalbehörden wollen Geldstrafen auferlegen. Niemand hat sich aber darum gekümmert, die Menschen zu erziehen“, fügt er hinzu.

Das Versuchsprojekt, das die tiergestützte Therapie für Häftlinge einsetzt, gehört eigentlich zu einem umfangreicheren Programm. Im Rahmen dieses Programms wurden unter anderem Seminare für ungefähr 4000 Schüler abgehalten, in denen sie lernen, wie Hunde behandelt werden sollten. Daran haben auch die drei Hündinnen Bubba, Sascha und Emi teilgenommen, die von den Häftlingen erzogen wurden. „Es gibt eine Einstellung gegenüber Hunden, in der sich die Menschen über das schlechte Benehmen der Hunde beklagen, selber aber nicht wissen, dass das Benehmen eine direkte Reaktion auf die Art und Weise ist, wie die Hunde von Menschen behandelt werden. Die Hundebesitzer selbst sollten zivilisierter sein“, meint der Hundeklubleiter.

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