Mit gedämpftem Optimismus in die Zukunft

Ein Gespräch mit Klaus-Harald Sifft, Geschäftsführer der Saxonia Stiftung Rosenau

Donnerstag, 12. Februar 2015

Saxonia-Geschäftsführer Klaus-Harald Sifft während des Gesprächs

Das Hotel der Saxonia Stiftung in Rosenau.
Fotos: Hans Butmaloiu

Die 1990 in Hermannstadt gegründete und im sozialen und wirtschaftlichen Bereich tätige Stiftung Saxonia hat seit etwa einem Jahr einen neuen Geschäftsführer, nachdem Karl-Arthur Ehrmann in Rente gegangen ist. Klaus-Harald Sifft, selbständiger Unternehmer mit mehr als 15 Jahren Erfahrung Marktwirtschaft, 45 Jahre alt und Maschinenbauingenieur, entschloss sich, sich für die Leitungsstelle zu bewerben und belegt diese nun in Rosenau, dort, wohin die Stiftung aus Kronstadt übersiedelte.

Die 25 Jahre Tätigkeit der Stiftung umfassen einen sozial/humanitären Bereich, welcher nach 1992  erweitert wurde, als damit begonnen wurde, Projekte im mittelständischen Wirtschaftsbereich zu fördern. Die Neufassung des rumänischen gesetzlichen Rahmens für Banken und Kreditinstitute erforderte 2008 eine Anpassung der Stiftungssatzung, welche durch eine Neugründung gelöst wurde. Die Bezeichnungen „alte“ und „neue“ Stiftung sind geblieben, wobei „die alte Stiftung“ ihre sozial/humanitäre Tätigkeit fortsetzt und „die neue Stiftung“, Projekte von klein- und mittelständischen Unternehmern entgegennimmt, prüft, fördert und betreut (Fachbezeichnung: nichtbänkisches Finanzinstitut). Zwei getrennte und doch gebündelte Bereiche unter dem Namen Saxonia.        

Was hat Sie gereizt, sich für die Stelle des Geschäftsführers der Saxonia-Stiftung zu bewerben?

Selbst habe ich ja, in Partnerschaft, eine eigene Firma und das schon seit 15 Jahren. Ich habe es aber für nötig empfunden, irgendwie auch Leute aus der Politik kennenzulernen. Zuerst dachte ich daran, im Rahmen des Forums tätig zu werden - dort war ja auch eine Stelle als Geschäftsführer ausgeschrieben - habe mich aber doch für die Saxonia Stiftung entschieden, da mir diese eher zusagte. Ich kannte ja schon, und zwar sehr gut, die Tätigkeit der Saxonia, ihrer Projekte usw. Die Überlegung war einfach: Kennenlernen von anderen Kleinunternehmern, Meinungs- und Erfahrungsaustausch, Geschäftsleben landesweit, und dazu Politiker kennenlernen, um diese auf die Problematik der Kleinunternehmer, also der Haupt-Steuerzahler aufmerksam zu machen. Mit anderen Worten, ihnen nahelegen: Ihr Lieben, ihr müsst auch etwas für die Kleinunternehmer machen! Das war der Hauptgrund, denn Geschäftsführer bin ich selbst in meiner eigenen Firma. Um es kurz zu fassen, es folgten die Gespräche mit den Mitgliedern des Direktoriums und mit der Leitung der „alten“ Stiftung in Hermannstadt, welche dazugehört. Noch einige Einzelheiten und dann die Übernahme...

Was können Sie uns über die Abläufe sagen, die Ihnen jetzt unterstehen: Entwicklungen, Änderungen oder Anpassungen an die zeitlichen Geschehnisse?

Was den sozialen Bereich betrifft, den wickeln wir weiterhin mit unserem Partner, dem Sozialwerk München, ab. Dieser Bereich besteht praktisch aus der Verteilung von Hilfsgütern vor Ort und materieller oder finanzieller Unterstützung für sozial schwächere oder schwache Familien und Personen. Dazu gibt es immer aktuelle Listen, anhand deren Zuschüsse für Holz, Medikamente, Kleidung oder Pakete mit Lebensmitteln verteilt werden. Die Verwaltung unseres Hotels in Rosenau erfolgt auch durch diesen Teil der Stiftung. Dieses ist mittlerweile bekannt, genießt einen guten Namen und finanziert sich selbst. Doch dieser Teil könnte nicht ohne unsere Geldgeber, den Spendern leben, bei denen ich mich auch an dieser Stelle bedanken möchte: der Neuen Kronstädter Zeitung, den Familien Däuwel, Kraus, der Gemeinde Sankt Engelmar/Bayern. Wir dienen als Drehscheibe und leiten diese Leistungen, sehr oft Sachleistungen, Schulausrüstungen oder Krankenbetten an Empfänger vor Ort weiter, sehr oft, aber nicht nur Schulen und Krankenhäuser. Häufigkeit und regionale Abdeckung sind unterschiedlich, je nach Natur der Sendungen, welche nach Absprachen, aber nicht unbedingt, erfolgen.

Als Besonderheit kommt dieses Jahr die finanzielle Unterstützung für Deutschlehrer hinzu, zu der es Fragen hagelt, auf welche ich allerdings keine Antworten habe. Noch keine. Die Bearbeitung solcher Abläufe benötigt eben ihre Zeit und es geht nicht schneller: Klarheit herrscht nur darin, dass die Unterstützung für die Lehrer bestimmt ist, welche Deutsch als Muttersprache unterrichten. Die, welche Deutsch als Fremdsprache unterrichten, sind nicht in diesem Programm erfasst, dafür gibt es andere Finanzierungen. Die Abdeckung wird landesweit semesterweise für das Schuljahr 2014/15 erfolgen, doch mehr und genaueres an Informationen gibt es zurzeit nicht.

Gehen wir zu der Förderung der Kleinunternehmer über: entsprechen die mit und in der Geschäftswelt hergestellten Kontakte den Erwartungen aus dem Vorfeld?

Vielleicht nicht ganz den Erwartungen, aber sicher den Erfahrungen! (lacht bitter) Mein vorheriger Eindruck wurde hier, in der Stiftung, nur aufs Neue bestätigt: die Leute haben heutzutage wenig Mut, etwas anzufangen. Der Grund? Weil die Gesetze in diesem Land keine kurzfristige Planung ermöglichen, von einer langfristigen wollen wir gar nicht sprechen. Es ist unmöglich, etwas für fünf Jahre zu planen, wenn Gesetze manchmal monatlich geändert werden: du rechnest dir etwas aus, nimmst einen Kredit auf und siehst nach sechs Monaten mit Steueränderungen und Erhöhungen, dass du unfähig bist, deinen Kredit abzuzahlen. Kreditnehmer sind vorsichtiger geworden oder haben erkannt, dass es einfach nicht funktioniert.

Was hat das für Folgen für die Unterstützungsprogramme der Saxonia?

Höchst unangenehme! Nachfragen haben wir, eingereichte Projekte keine oder sehr wenige. Wir bemühen uns deshalb um mehr Bekanntheit auf allen verfügbaren Wegen: durch Rundschreiben an alle in Deutschen Foren, mit der Aufforderung, wenn Kredite notwendig sind, diese über uns zu beantragen, mit direkten Gesprächen und Kontaktpflege. Die Leute sind aber sehr, sehr vorsichtig geworden was Investitionen betrifft und da ihnen niemand sagen kann, was in fünf Jahren sein wird, da wollen sie eben keine Risiken eingehen. Die wenigen Bereiche, die noch Anziehungskraft haben, sind Landwirtschaft, Tourismus und vielleicht Medizin, ärztliche Praxen. Keine Produktion, keine Dienstleistung, wobei eben solche Projekte gefördert werden, wo Arbeitsplätze geschaffen werden.

Sind es mit Sicherheit nicht die Bedingungen der Kreditvergabe, die Antragsteller abschrecken?

Wohl kaum, denn bessere als bei uns gibt es nicht! Wir können bis zu 35.000 Euro gehen, aus den jährlich einfließenden Frischgeldern, welche uns von dem deutschen Bundesministerium des Inneren überwiesen werden. Das ist ein sehr hoher Betrag für ein Kleinunternehmen, auch für ein mittelständisches. Andererseits habe ich von Problemen erfahren, bei welchen die Politiker die Lösung bringen müssten, wie z.B. die Abnahme der Produkte, Kartoffeln, Weizen u.a. Die Ursache des Rückgangs ist die Vorsicht, welche nach der Finanzkrise vor einigen Jahren eingesetzt hat und der wechselhafte gesetzliche Rahmen. Irgendwann werden die Leute jedoch wieder Mut fassen.

Vielen Dank für die Ausführungen!

Die Fragen stellte
Hans Butmaloiu

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