Mit Köpfchen trainieren

Das Phänomen „Crossfit“ hält auch in rumänischen Fitnessstudios Einzug

Samstag, 28. März 2015

Fitness - 24 Stunden lang: Immer mehr Menschen wollen etwas für ihre Gesundheit tun und schreiben sich dafür ins Fitnessstudio ein. Viele geben aber auch nach nur wenigen Tagen wieder auf.

Greg Glassman hatte 1996 eine Idee: Ein Fitness-Trainingsprogramm das Turnen,  Gewichtheben, Eigengewichtsübungen und Sprinten miteinander verbindet. Im Jahr 2000 gründete Glassman zusammen mit seiner damaligen Frau Lauren Jenai das Unternehmen CrossFit Inc. Fünfzehn Jahre später steht der Name für die von Glassman konzipierte Trainingsmethode und wird weltweit in über 16.000 Trainingseinrichtungen angeboten. Polizei-, Feuerwehr und militärische Organisationen setzen Crossfit als Teil ihres Fitnessprogramms ein. Crossfit ist zu einem Phänomen geworden und seine Popularität wächst.

Auch in Temeswar/Timişoara wird die Trainingsmethode seit über zwei Jahren angeboten. In den Trainingseinrichtungen von Smartfit werden mehrmals die Woche Crossfit-Kurse für Einsteiger und Fortgeschrittene durchgeführt. Der Ansturm ist gewaltig: Ob Männer oder Frauen, ob jung oder alt, ob sportlich fit oder völlig aus der Form geraten, jeder probiert mindestens einmal einenKurs. Für Anfänger sind die einstündigen Sessions eine Qual: Um mitzuhalten, muss man nicht nur Kraft mitbringen, sondern auch Ausdauer. Jede Trainingseinheit fängt mit einem Warm-up, das heißt mit Aufwärmübungen, an. Wie in der Schule im Sportunterricht werden Körperübungen wie Kniebeugen, Hampelmann und auf der Stelle Laufen ausgeführt. Danach folgt Fertigkeitstraining, verbunden mit Kraftübungen.

Der Trainer erklärt, wie man die Langhantel heben muss. Die Haltung ist besonders wichtig, weil die Übungen auf vielen kurzen Einheiten aufgebaut sind, statt wie beim Krafttraining auf wenigen. Es geht auch hier darum, so wie bei allen Crossfit-Übungen, Kraft und Ausdauer zu trainieren. Der Haken: Wer die Technik nicht beherrscht und die Übungen nicht ordentlich durchführt, kann sich Verletzungen zuziehen. Das werfen auch Kritiker der Trainingsmethode vor. Ein United-States-Navy-Matrose hat seinen Trainer auf Schadensersatz verklagt, nachdem er sich in Folge eines Crossfit-Workouts ernste Verletzungen zuzog. Das Gericht entschied zu seinen Gunsten und er erhielt 300.000 Dollar Entschädigung. Der prominente Fall wird immer wieder als Beispiel genannt, um Crossfit als Methode in Frage zu stellen. Dem Erfolg des Unternehmens tat dies kein Abbruch. Die zahlreichen Erfolgsgeschichten, die auf Youtube dokumentiert werden, malen ein anderes Bild: Fettleibige schafften es in nur drei Monaten mit einer Diät und einer Crossfit-Routine, die überflüssigen Kilos ab- und Muskeln aufzubauen. Nicht nur das: Die Personen haben auch ihre Ausdauer verbessert.

Es ist Zeit, die viele Menschen nicht haben - und traditionelle Methoden beanspruchen reichlich davon. Bei Krafttraining müssen täglich Stunden geopfert werden. Zudem setzt Gewichtheben ein Fitnessstudio voraus, eben weil man die verschiedenen Geräte zuhause nicht hat, sei es aus finanziellen oder aus Platzgründen.  Crossfit hingegen setzt besonders auf Körperübungen. Eines der Aushängeschilder jedes Crossfit-Trainings ist der Burpee oder Liegestützsprung. Er gilt als eine der effektivsten Ganzkörperübungen, weil er mehrere Fitnesselemente zu einer flüssigen Bewegung kombiniert: Kniebeuge, Liegestütze und Strecksprung. Der Burpee ist leicht durchzuführen, beansprucht relativ wenig Platz und kann von jedem zu jeder Zeit ausgeführt werden. Aber auch hier gilt: Technik ist alles. Wer den Burpee nicht ordentlich ausführt, läuft Gefahr, sich zu verletzen. Zwar sind die Chancen minimal. Wer aber die Übung häufig durchführt, kann sich mit der Zeit Knie-, Schulter- und Rückenverletzungen zuziehen.

Kernstück einer Crossfit-Trainingseinheit ist ein zehn- bis zwanzigminütiges Hochintensivtraining. Der Trainer wählt zwei bis drei Übungen aus – diese können reine Körperübungen oder mit Gewichten sein –, die dann in einem Zeitintervall nacheinander in Einheiten von je zehn bis zwanzig Wiederholungen durchgeführt werden. Für Anfänger gilt: Nicht die Zahl der Übungen ist wichtig, sondern ihre Durchführung. Nur wer sie korrekt ausführt, kann auf lange Sicht Erfolg erzielen, ansonsten drohen mitunter schwere Verletzungen. Der Burpee gehört zu den Standardübungen, die aus dem Hochintensitätstraining nicht wegzudenken ist.

Generation Fitness versus Generation Junkfood

In den letzten Jahren wurden massiv Kampagnen gegen Fettleibigkeit durchgeführt. Das zeigt seine Wirkung. Immer mehr Menschen suchen einen Weg raus aus der Fettfalle und schreiben sich in Fitnessstudios ein. Doch viele geben genauso schnell wieder auf, weil man oft von der Fülle an Geräten und Fitnessregeln überfordert ist. Das Hauptproblem der meisten ist die Informationsflut, die man heutzutage im Internet findet. Auf Youtube stellen viele eigene Übungsmethoden vor. Ob es sich um professionelle oder Hobby-Trainer handelt, weiß man oft nicht. Fit sehen die meisten aus, doch ob ihre Regeln auf alle übertragbar sind, ist eine andere Frage. Viele widersprechen sich auch. Somit weiß man als Anfänger niemals so richtig, womit man beginnen soll und welche Methode wirklich Ergebnisse liefert. Zudem dauert es lange, bis man überhaupt ein Ergebnis sieht. In der Regel erkennt man erst nach einem bis drei Monaten sichtbare Veränderung. Darum werfen viele schnell das Handtuch, weil sie in nur einer Woche schaffen möchten, was sie in Jahren nicht geschafft haben.

Crossfit verspricht schnelle Ergebnisse, und außerdem viele Leibesübungen, bei denen man als Gewicht den eigenen Körper hernimmt. Darum herrscht so ein Ansturm in Temeswar. Inzwischen hat Smartfit schon zwei Trainingseinheiten in der Stadt. Das Geschäft boomt für das Unternehmen. Täglich sind beide Fitnessstudios voll. Besonders die Kurse werden besucht. Pro Session sind es zwanzig bis dreißig Personen. Davon nehmen zehn regelmäßig an den Kursen teil.

Laut Weltgesundheitsorganisation sind die Hälfte der Europäer übergewichtig. Auch in den Vereinigten Staaten sollen laut Studien bis 2050 mehr als 50 Prozent der Bevölkerung an Übergewicht leiden. Der Grund dafür ist in erster Linie falsche Ernährung. Da hilft auch kein Sport, wenn man sich nicht vernünftig ernährt. Doch nur gesundes Essen bewahrt niemanden vor den häufigsten Zivilisationskrankheiten. Erst die Mischung macht es.

Die Generation Junk Food versucht sich jetzt als Generation Smartfit. Sport ist kein Luxus mehr, sondern ein Grundkern des täglichen Lebens. Unternehmen haben das auch eingesehen und bieten ihren Angestellten häufig Abonnements an. Es ist ein Geschäft - und ein durchaus lukratives. In Wahrheit werden häufig Abos abgeschlossen, aber nicht genutzt. Einmal ins Fitnessstudio und dann nie wieder. Zumindest hat man es versucht, reden sich viele ein.
Eine falsche Einstellung, meinen Fitnessexperten und Trainer. Versucht hat man es erst, wenn man mit viel Disziplin und Ausdauer mehr als drei Monate durchhält. Hier ist es wieder, das Schlüsselwort: Ausdauer. Nichts sei wichtiger, sagen Experten. Denn mit Kraft allein hat es noch keiner geschafft.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*