Mit neuen Kräften in das neue Schuljahr

Dr. Alexandru Szepesi, Direktor im Bildungsministerium, über das deutschsprachige Unterrichtswesen in Rumänien

Mittwoch, 25. September 2013

Foto: privat

Die Ferien sind vorüber, die Schüler und Lehrer haben in der vergangenen Woche den Unterricht wieder begonnen. Der Leiter der Direktion für Schulwesen in den Sprachen der Minderheiten im Rahmen des rumänischen Bildungsministeriums, Dr. Alexandru Szepesi, erklärt die Veränderungen im Bildungswesen in Rumänien, die im neuen Schuljahr vorgesehen sind und auch die deutschen Schulen betreffen. Das Gespräch führte ADZ-Redakteurin Aida Ivan.

Herr Szepesi, welche ist die Situation des Unterrichts in deutscher Muttersprache?

Der präuniversitäre Unterricht in deutscher Sprache ist in 15 Kreisen Rumäniens (Alba, Arad, Bihor, Bistritz-Nassod, Kronstadt, Karasch-Severin, Klausenburg, Hunedoara, Maramureş, Mureş, Sathmar, Sălaj, Hermannstadt, Suceava, Temesch) und in Bukarest vertreten. Im Schuljahr 2012 - 2013 lernten mehr als 20.000 Kinder und Schüler in Kindergärten und Schulen mit deutschsprachigem Unterricht. In dem staatlichen und privaten Vorschulunterricht mit deutscher Unterrichtssprache sind im neuen Schuljahr 5211 Kinder in mehr als 130 Kindergärten eingeschrieben. In dem Grundschulunterricht lernen 8154 Schüler, in der gymnasialen Stufe (V-VIII) 4852 Schüler und im Lyzeum (IX-XII) 3757 Schüler. In dieser Stufe gibt es 26 Lyzeen und Abteilungen, in denen man den deutschsprachigen Unterricht vorfindet. Das Interesse der Elternschaft für den deutschsprachigen Unterricht ist weiterhin groß, insbesondere in den Großstädten.

Sind die vorhandenen Möglichkeiten in staatlichen Schulen so groß wie der Bedarf? Gibt es inzwischen mehrere Privatschulen?

Ja, aus den Statistiken der Schulämter geht hervor, dass in den letzten Jahren, neben den privaten Kindergärten, auch Privatschulen eingerichtet wurden, in denen deutschsprachiger Unterricht angeboten wird.

Welche Änderungen gibt es in diesem Schuljahr?

Eine wichtige Neuerung möchte ich bekannt geben, und zwar dass die Noten in den Klassen V-VIII bei der Aufnahmeprüfung in das Lyzeum nicht mehr 50 Prozent ausmachen werden, sondern nur noch 25 Prozent. Diese Maßnahme wurde getroffen, da in fast 60 Prozent der Schulen ein Unterschied von mehr als 2 Punkten zwischen der Mittelnote der Klassen V-VIII und der Mittelnote der Prüfungen festgestellt worden ist. Dadurch wird, meiner Meinung nach, auch der Druck auf die Notengebung in den Klassen V-VIII nicht mehr so groß sein und die Eltern und Schüler werden immer mehr verstehen, dass die verbesserte Leistung und das Erlernte wichtiger sind, und weniger die Note.

Wie hat sich in den letzten Jahren das deutschsprachige Bildungswesen in Rumänien entwickelt?

In dem neuen Schuljahr gibt es laut Bildungsgesetz Nr.1/2011 Evaluierungen in den Klassen II, IV und VI, deren Ergebnisse nicht in die Kataloge eingetragen werden. Die Schüler der XI. Klasse werden eine Simulation der Abiturprüfung durchführen. Nach der Annahme der neuen Rahmenpläne für die Vorbereitungsklasse bis Klasse IV, die durch den Ministerbeschluss Nr. 3371 vom 12. März 2013 genehmigt wurden, sind die neuen Lehrpläne für die Vorbereitungsklasse, Klasse I und II entwickelt, erarbeitet und genehmigt worden. Hiermit möchte ich den Lehrern der Arbeitsgruppen für die Lehrplanerstellung in Deutsch, Musik und Religion herzlich danken.

Welche sind die Prioritäten des Bildungsministeriums im neuen Schuljahr?

Von den Prioritäten des Bildungsministeriums im neuen Schuljahr möchte ich zwei aufzählen, erstens die Sicherung der Qualität des Erziehungs- und Bildungsprozesses durch die konstanten Bemühungen für die Reduzierung der Abwesenheitsfrequenz der Schüler, durch das Verhindern des frühzeitigen Schulabgangs, durch Binnendifferenzierung des Unterrichts zwecks individueller Förderung einzelner Lernender, durch Einhalten der Vorgaben des Lehrplans im Hinblick auf das Erreichen der nationalen Bildungsstandards und das Bestehen der nationalen Prüfungen und die Erarbeitung von Programmen, Projekten, Tätigkeiten im curricularen Bereich, im Bereich der Prüfungen und Schulwettbewerbe.

Wurden Fortschritte im Bereich Bildungsinfrastruktur gemacht?

Ich glaube die Infrastruktur hat sich in mehreren Schulen verbessert, dieses hängt von dem Engagement der lokalen Behörden ab. Viele Probleme können lokal gelöst werden.

Funktioniert das Lehrer-Entsendeprogramm weiter? Gibt es neue Lehrkräfte?

In der Woche vom 2. bis zum 6. September 2013 fand beim Zentrum für Lehrerfortbildung in Mediasch/Mediaş die Einführungstagung der neuen Programmlehrer aus Deutschland statt. In diesem Jahr gibt es drei neue Fachberater zugleich, Dieter Jaeschke in Bukarest, Birgit van der Leeden in Hermannstadt und Birgit Söldenwanger in Temeswar, denen ich eine gute, erfolgreiche Arbeit  in Rumänien wünsche. Die von den Vorgängern – den Fachberatern Hubert Gronen, Dr. Rolf Willaredt, Monika Nienaber-Willaredt – geschaffenen komplexen Strukturen legten Maßstäbe und sie werden weitergeführt oder es werden auch neue erarbeitet. Davon möchte ich folgende aufzählen: die  Organisation und Durchführung der  Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom II der Kultusministerkonferenz, Projekte, Erstellung von Projektmappen zusammen mit den Schülern und den involvierten Kollegen, Schulbücher, Unterrichtsmaterialien, Fortbildungen, die Einrichtung der Lernplattform deutsch-portal.ro, ein Internetportal zur Förderung der deutschen Sprache in Rumänien auch im Hinblick auf die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften in der Deutschdidaktik, Literaturwissenschaft, im deutsch-sprachigen Fachunterricht usw. All diese ganz besonderen Möglichkeiten zur Förderung der deutschen Sprache sollen nun mit allen engagierten Lehrern in Rumänien, in Zusammenarbeit  mit dem Fortbildungszentrum in Mediasch und allen  daran interessierten Institutionen, weitergeführt werden. Besonders ist auch, dass in diesem Schuljahr von den 35 Programmlehrern des Lehrerentsendeprogramms 10 neu sind und hier möchte ich der deutschen Seite für diese besondere Unterstützung vielmals danken.

Was steht für die Lehrkräfte an?

Ich wende mich an die Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, Lehrer mit folgenden Bitten – an den Fortbildungen des Zentrums für Lehrerfortbildung (ZfL) aus Mediasch teilzunehmen und sich für die Fortbildungen online einzuschreiben, zurzeit sind auf der Seite des ZfL 894 Lehrkräfte eingeschrieben. Ich fordere sie auf, an den schon zur Tradition gewordenen Lehrertagen teilzunehmen. In diesem Jahr findet der Siebenbürgische Lehrertag in Zeiden am 19. Oktober 2013 und der Internationale Banater Lehrertag in Temeswar am 26. Oktober 2013 statt. Ich lade sie ein, auch an der Deutschlehrertagung in Hermannstadt/Sibiu zwischen dem 10. und 13. Oktober  sich aktiv mit Beiträgen einzubringen und an den Workshops teilzunehmen.

Welche andere besonderen Veranstaltungen sind vorgesehen?

Die Schulleitertagung der DSD-Schulen (Deutsches Sprachdiplom), die sich vorgenommen hat, die neuen Fachberater vorzustellen und die DSD-Neuerungen zu besprechen, findet in der Zeitspanne 13. bis 15. März 2014 statt. Die Olympiade für Deutsch als Muttersprache findet wie gewohnt in der Woche, die den außerschulischen Tätigkeiten gewidmet ist und als „die Schule anders” bekannt ist, statt, und zwar in der Woche vom 7. bis zum 11. April 2014. In diesem Schuljahr wird die Olympiade in Bistritz veranstaltet. Und ich möchte allen Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und Lehrern für ihre konstant gute Arbeit danken und ihnen, den Schülern und Eltern, ein erfolgreiches neues Schuljahr wünschen.

Vielen Dank für die Ausführungen.

Kommentare zu diesem Artikel

Alexander, 25.09 2013, 18:20
Prioritäten des Bildungsministeriums? Es wird endlich Zeit für echte Reformen und nicht nur große Ziele, die viel Papier füllen.

Wo sind denn die Bildungs- und Ausbildungsangebote für die 60% der Schüler, die im Abitursbildungsgang eigentlich nicht zuhause sind?

Spätestens nach den Prüfungsergebnissen vor 3 Jahren hätte man tätig werden und das offensichtlich mangelhafte Bildungssystem grundlegend erneuern müssen.

Besser wäre es zudem gewesen, die deutschen Partner um Berater aus dem Dualen Ausbildungssystem zu bitten, statt immer nur auf Sprachprüfungen zu starren.

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