Mit qualifizierten Arbeitskräften, nicht mit dem Kostenargument Investoren anziehen

Unternehmensberater Peter Hochmuth über den hiesigen Arbeitsmarkt und das Unternehmertum

Mittwoch, 15. Juni 2016

Peter Hochmuth kennt den hiesigen Arbeitsmarkt gut.
Foto: Zoltán Pázmány

Seit 15 Jahren ist Peter Hochmuth bereits in Temeswar tätig. Der Vorsitzende des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Banat betreibt seit mehreren Jahren die Firma „Peter Hochmuth Consulting“ GmbH. Seine Kunden berät er in den Bereichen Neuinvestitionen, Restrukturierung, Geschäftskontakte, Interessenvertretungen und Personalbeschaffung / Executive Search.

Den Markt kennt der Berater sehr gut. Den jetzigen Zeitpunkt für die Niederlassung eines Unternehmens in Temeswar sieht er folgendermaßen: „Der Zeitpunkt, sich in Temeswar niederzulassen, ist immer gut. Nur im Moment haben wir ein großes Problem, das Hauptproblem aller Firmen, die schon hier sind: Die Nachfrage an qualifizierten Arbeitskräften ist deutlich größer als das Angebot“. Das gilt für alle Branchen, so der Berater: „IT-Fachleute werden schon seit Jahren verzweifelt gesucht und die Situation hat sich nicht gebessert, aber allgemein handelt es sich um qualifizierte Arbeitskräfte, die schon in einer modernen Firma, in einem westlichen Stil gearbeitet haben“.

 

Beratung ist wichtig

Für die Situation auf dem Arbeitsmarkt gibt es mehrere Gründe, meint Peter Hochmuth: „Zum einmal liegt es an dem Erfolg, den Temeswar in den letzten 15 Jahren hatte, der Erfolg schlägt sich jetzt zurück. Temeswar war eine der ersten Städte in Rumänien, die westliche Investoren angezogen haben und mittlerweile sind so viele hier und sie haben sich auch so stark entwickelt, dass der Markt leergefegt ist. Dann kommt dazu, dass der eine oder andere Absolvent weggeht, aber das ist gar nicht das große Problem. Die Absolventen, die nachkommen, glaube ich, kommen alle unter. Die Firmen stellen im Prinzip alles an, was arbeitswillig ist. Ein Problem ist auch, dass die Mobilität in Rumänien nicht so groß ist. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass die Mietspreise relativ hoch sind“.

Die Beratung kann der Schlüssel zum Erfolg werden. Peter Hochmuth erklärt, welche Schwerpunkte er setzt: „Zuerst würde ich fragen, warum Temeswar. Wenn die Firma an billige Arbeitskräfte denkt, dann würde ich sagen, erst einmal analysieren. Wenn sie Mitarbeiter mit Berufserfahrung in der modernen Industrie sucht, Ingenieure, Softwareentwickler mit Berufserfahrung, dann ist sicher Temeswar zu empfehlen. Aber da muss sich die Firma darauf vorbereiten, dass der Wettbewerb um die Mitarbeiter sehr groß ist und dass die potenziellen Mitarbeiter ein bisschen verwöhnt sind. Wenn die Firma qualitätsvolle Produkte herstellen will, dann ist Mitarbeiterpflege das wichtigste. Es ist nicht so wie vor zehn Jahren, dass eine westliche Firma kommt und alle dort arbeiten wollen. Es sind mittlerweile genug westliche Firmen hier und die behandeln ihre Mitarbeiter wie rohe Eier. Wenn die Firma jemanden sucht, muss sie sich sehr professionell präsentieren“.

 

Attraktivität des Wirtschaftsstandortes steigern

Peter Hochmuth findet „den Wirtschaftsstandort Rumänien und vor allem Westrumänien attraktiv, aber nicht unbedingt weil die Regierungen sehr viel dazu beigetragen haben, sondern weil Rumänien jetzt in der EU ist, weil besonders Westrumänien geographisch noch zu Mitteleuropa gehört, weil die Infrastruktur von hier aus gegen Westen vernünftig ist, weil viele andere Länder, die Konkurrenten sein könnten, momentan nicht funktionieren. Rumänien steht hübsch da, weil kaum jemand außer da ist. Aber es ist notwendig Rumänien attraktiver zu machen, denn irgendwann kommen die Konkurrenten zurück oder andere dazu. Im des Landes ist es nicht mehr so einfach, Investoren anzusiedeln, aber es sollten andere Regionen attraktiv gemacht werden, über die Infrastruktur, über Programme für sozialen Wohnungsbau“.

Um Rumänien nachhaltig attraktiv zu machen, müssten allerdings noch einige Probleme gelöst werden: „Es geht um die allgemeine Bürokratie, das ist vielleicht ein Thema, das vielleicht die großen, internationalen Firmen nicht so interessiert. Wenn Rumänien in Zukunft attraktiv werden will, muss es den Mittelstand, auch sein eigenes Potenzial an mittelständischen Firmen entwickeln. Die können sich nicht entwickeln, wenn die Bürokratie, die Gesetzgebung alles erstickt. Aber dieses Problem lässt sich relativ einfach lösen. Es kostet eigentlich nichts, Gesetze zu streichen. Die Bürokratie müsste abgebaut werden, um Rumänien auch für die Zukunft attraktiv zu gestalten. Jetzt schon kann Rumänien nicht mit dem Kostenargument Investoren anziehen, sondern mit der nachhaltigen Entwicklung, mit qualifizierten Arbeitskräften. Da gehören die Universitäten dazu, die müssen auf den alten Stand gebracht werden. Unsere ‚Politehnica‘ hatte früher einen sehr guten internationalen Ruf, der heute leider, das sagen die Professoren, nicht mehr so ist. Da müsste einiges gemacht werden. Aber auch – und da komme ich auf das Hauptprojekt des deutschsprachigen Wirtschaftsclubs zu sprechen – die Facharbeiterausbildung muss wieder angekurbelt werden. Unseres Erachtens ist es am besten, das Modell der deutschsprachigen Länder zu implementieren“.

 

Kommentare zu diesem Artikel

Peter, 20.06 2016, 13:26
Ich kenne den Süden des Banats. Eine Infrastruktur ist hier nicht vohanden. Ausser einem Donauhafen gibt es nichts, die "Fahrwege" sind alles nur keine Straßen.
Investoren wollen keine Schilder über EU Projekte sehen, sie sehen was da ist und dass ist eine fehlende Infrastruktur.
Mit Schön­re­de­rei wird kein Arbeitsplatz geschaffen.

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