Mitglieder des Kreisrats Temesch verweigern Einsatz für bedrohtes Mühle-Haus

Streitigkeiten um Gedenkhaus und Rosenmuseum gehen weiter

Freitag, 03. Juli 2015

Die Temeswarer demonstrierten für die Rettung des Mühle-Hauses in Temeswar.
Foto: Zoltán Pázmány

Das Projekt hinsichtlich des Gedenkhauses Wilhelm und Árpád Mühle und des Rosenmuseums wurde in der jüngsten ordentlichen Sitzung des Temescher Kreisrates abgelehnt. Dies, da die PSD-Kreisräte gegen das Vorhaben, das der Kreisrat Marius Martinescu (PNL) vorgeschlagen hatte, gestimmt haben. Die Initiative des Projektes kam vom Kulturverein „Salvaţi Patrimoniul Timişoarei“ (Rettet das Kulturgut Temeswars) und wurde vom PNL-Kreisrat Marius Martinescu übernommen. Beim Projektentwurf handelt es sich um die Genehmigung des Verfahrens, das Gedenkhaus Wilhelm und Árpád Mühle und das Rosenmuseum zu einem Projekt von öffentlichem Interesse zu erklären. Für die Projektumsetzung hätte in einer ersten Etappe die Enteignung des Mühle-Hauses auf dem Mihai-Viteazul-Bd. 3 in Temeswar/Timişoara erfolgen müssen. Zankapfel ist die Villa des ehemaligen kaiserlichen Floristen Wilhelm Mühle. Die jetzigen Eigentümer, ethnische Roma, haben vor ein paar Jahren das Dach der Villa abgerissen und somit den Verfall der Immobilie beschleunigt. Für 2,5 Millionen Euro hätten die Roma das Haus ans Bürgermeisteramt Temeswar verkauft. Die Stadt weigert sich jedoch, das Haus unter diesen Umständen zu erstehen und führt den Gerichtsstreit mit den jetzigen Eigentümern weiter.

Die Vertreterin des Kulturvereins „Salvaţi Patrimoniul Timişoarei“, Adina Murgilă, betonte die Bedeutung dieses Projektes für die Stadt Temeswar und warf dem Kreisrat die finanzielle Unterstützung von 45.000 Euro für die Errichtung der Erlöserkathedrale in Bukarest vor, anstatt das Geld für ein lokales Projekt einzusetzen. Die Kreisräte wehrten die Beschuldigung mit der Bemerkung ab, dass auch die Bukarester zum Bau der orthodoxen Kathedrale in Temeswar zu Kriegszeiten beigetragen hätten. Adina Murgilă wies noch darauf hin, dass den Temeswarern das Mühle-Haus sehr am Herzen liege. Die Enteignung scheint allerdings für den Kreisratsvorsitzenden Titu Bojin (PSD) keine Option zu sein, auch die Einrichtung eines Rosenmuseums nicht, die mehrere Millionen Lei fordert. Dies, obwohl jeder sich ein Rosenmuseum im Mühle-Haus wünsche, aber doch nicht auf Kosten des Kreisrates, so Bojin. Seine schlichte Lösung sei die Einrichtung eines Gartens im Temeswarer Dorfmuseum. „Wir können das Haus in dem Zustand, in dem es sich derzeit befindet, nicht übernehmen. Wenn die Stadt Temeswar dies machen möchte, so kann auch der Kreisrat mit Geldmitteln beitragen“, sagte Kreisratspräses Titu Bojin den Medien gegenüber. Bojin sagte, dass er die Situation des Mühle-Hauses aus der Zeit kennt, als er Leiter des Banater Amtes für Gewässer war und einen Sitz für das Umweltamt suchte. „Das Bürgermeisteramt ist Schuld an dem jetzigen Zustand des Hauses“, betonte Titu Bojin.

Die Floristen Wilhelm und Árpád Mühle

Um den Landschaftsplaner und Rosenzüchter Wilhelm Mühle (1845-1908) zu würdigen, hat die Stadtverwaltung Temeswar ihn posthum, 2013, zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Zu diesem Anlass wurde am Rosenpark in Temeswar seine Bronzebüste aufgestellt. Im darauffolgenden Jahr wurde die Büste seines Sohnes Árpád Mühle (1870-1930) ebenda enthüllt. Den Feierlichkeiten wohnte auch die Ärztin Clara-Lieselotte Basica Mühle, Árpád Mühles Enkelin, die zurzeit in Deutschland lebt, bei. Wilhelm Mühle wurde 1845 in Kulm, in Böhmen, geboren und ließ sich in seiner Jugend im Banat, zuerst in Sângeorgiu de Bega dann in Temeswar, nieder. Er war in der Gärtnerei des damaligen größten Blumenhändlers im Ort, Wenzeslaus Niemetz, beschäftigt, dessen Tochter er später ehelichte. Nach Ableben von Niemetz übernahm und führte er dessen Geschäft weiter. In den 1870er Jahre ließ er die Villa auf dem Mihai-Viteazul-Bd. 3 errichten, heute als das Mühle-Haus bekannt. Mühle züchtete mehrere Blumenarten, erfand sogar neue Rosensorten und vertrieb Blumen und Zierpflanzen in ganz Südosteuropa, er belieferte auch das Kaiserhaus in Wien. Der Florist war auch Herausgeber einiger Fachzeitschriften und -bücher über die Gärtnerei, darunter „Rózsa Újság“ mit der deutschen Variante „Rosen-Zeitung“. Nicht zuletzt nahm Mühle auch einen Sitz im Temeswarer Stadtrat ein.

Das Unternehmen von Wilhelm Mühle übernahm sein ältester Sohn Árpád Mühle. Zu den vom letzteren gezüchteten Rosensorten gehört die Rose von Canna. Árpád Mühle erfand die Wilhelm-Bölsche-Rose, die Hans-Molische-Rose und die Banater Rose. Er führte die Steingärten auf dem Gebiet des heutigen Rumänien ein. Nach seinen Plänen wurde der königliche Rosengarten in Temeswar, der Vorgänger des heutigen Rosenparks, eingerichtet. Für ihre Verdienste erhielten Wilhlem und Árpád Mühle mehrere Auszeichnungen, einige davon wurden von Clara Basica Mühle der Kunstabteilung des Museums des Banats gespendet. Heute gehören diese zur Sammlung des Temeswarer Kunstmuseums. Die Schenkung enthält auch das Porträt von Wilhelm Mühle, ein Werk des Malers József Ferenczy, das zurzeit in der permanenten Ausstellung mit Banater Malerei aus dem 19. Jahrhundert im Kunstmuseum Temeswar gesehen werden kann. Gespendet wurden noch eine Fotografie von Árpád Mühle und dessen Gattin – eine Aufnahme des Fotografen Kossak–, einige Medaillen und Auszeichnungen, eine Holzkassette mit Abbildungen von Blumenarragements und ein Gärtnereikatalog, beide von Árpád Mühle, mehrere Akten und Familiendokumente sowie zwei Modelle von imaginären Städten – Montecapella und Golicity –, angefertigt von Ernest Mühle, Clara Basica Mühles Vater.

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