Mittelalter als touristisches Kennzeichen für Siebenbürgen

Mehr Werbung für sächsische Kirchenburgen

Freitag, 13. April 2012

Mit dem Mittelalter soll für Siebenbürgen als Reiseziel geworben werden.

MET-Vizepräsidentin Caroline Fernolend setzt sich erfolgreich ein, damit ihr Heimatdorf Deutsch-Weißkirch sein ursprüngliches sächsisches Erscheinungsbild behält. Foto: der Verfasser

Zwischen dem 30. März und 1. April fand im „Braşov Business Park“ in Kronstadt die fünfte Auflage der internationalen Tourismusmesse „Transylvania Tourism Fair“ statt, die vom Landesverein der rumänischen Reiseunternehmen (ANAT) und dem Kronstädter Bürgermeisteramt veranstaltet wurde. Unter den rund 90 Ständen waren neben Reiseunternehmen und Hotels auch mehrere Bürgermeisterämter vertreten.

Neustadt/Cristian, Rosenau/Râşnov, Weidenbach/Ghimbav und Fundata stellten ihr touristisches Angebot sowie den Veranstaltungskalender für das laufende Jahr in Broschüren und anderen Werbematerialien vor. Unter dem Namen „Szeklerland“ stellten sich Reiseagenturen aus den Kreisen Covasna und Harghita gemeinsam vor. Die Kreisräte aus Gorj, Klausenburg/Cluj, die Bürgermeisterämter von Kronstadt/Braşov, Piatra Neamţ, Panciu, Gemeinden wie Aroneanu, (Jassy/Iaşi), Drinceni (Vaslui), Tarcău (Neamţ), aber auch die ungarische staatliche Tourismusbehörde waren präsent. Es herrschte eine Vielfalt von Angeboten: vom mittlerweile klassischen Urlaub an türkischen, griechischen, bulgarischen und anderen Meeresstränden bis zu Dorftourismus, Wellness, Städtereisen, aktivem Urlaub in Fun- und Adventure-Parks oder bis zum sogenannten „medizinischen Urlaub“, wo diverse Dienstleistungen wie zahnärztliche Behandlung oder Schönheitschirurgie in Anspruch genommen werden.

Im Beiprogramm der Messe stand am ersten Tag auch die Konferenz „Mittelalter-Rundfahrt durch Siebenbürgen“. Sie vereinte Vertreter von Stiftungen, Behörden, Firmen, die am gleichnamigen von der rumänischen Regierung und dem EU-Fonds für Regionalentwicklung geförderten Programm beteiligt oder als Partner impliziert sind.

Projektdirektor Horia Moaşa stellte bei der Eröffnung der Tagung kurz die Ziele dieses Projekts und das bisher Umgesetzte vor. Beabsichtigt wird, in Siebenbürgen nicht nur die Schönheiten der Natur, sondern vor allem den Reichtum an mittelalterlichen Bauten und Wehranlagen zu promoten. Dieser Landesteil soll mit dem Mittelalter identifiziert werden, ähnlich wie Griechenland mit der antiken Geschichte oder Österreich mit dem Skifahren. Die Tatsache, dass mit Hermannstadt/Sibiu, Schäßburg/Sighişoara und Kronstadt gleich drei Städte mit sehenswerten und bereits gut bekannten historischen Stadtzentren in der Region vertreten sind, erweist sich als Glücksfall. Zum einen gibt es da echte Sehenswürdigkeiten; zum anderen sind die Verbindungen, die touristische Infrastruktur sowie das Freizeitangebot qualitätvoller. In dem imaginären Dreieck, das die drei Städte bilden, oder in dessen Nachbarschaft gibt es für rumänische und ausländische Touristen vieles zu erkunden. Bereits gut bekannt, mit einigen Ausnahmen aber weniger gut touristisch vermarktet, sind die zahlreichen siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen.

Caroline Fernolend, Vizepräsidentin des „Mihai Eminescu Trust“(MET), sprach über die guten Ergebnisse bei der Bewahrung des sächsischen Erbes in ihrem Heimatdorf Deutsch-Weißkirch/Viscri, ein ermutigendes Beispiel, das nun auch in anderen Gemeinden Schule macht. Dabei geht es darum, den Ortsbewohnern bewusst zu machen, weshalb die alten sächsischen Häuser, die Kirchenburg, das gesamte Dorf in seiner ursprünglichen Form wertvoll sind. Dieses Erbe hilft bereits in großem Maße vielen bei der Sicherung eines Nebenverdienstes; es kann, so Caroline Fernolend, zur Verbesserung des Lebensstandards der Dorfbewohner führen, die heute in der Mehrheit Roma sind. MET unterstützt die fachgerechte Sanierung alter Häuser, das Weiterführen traditioneller Handwerke, den Umweltschutz. Mit rund 12.000 Touristen aus 23 Ländern im Vorjahr hat Weißkirch bewiesen, was für ein Potenzial für diese Art von Tourismus besteht. Dieses Beispiel könne vervielfacht werden, wobei aber darauf geachtet werden müsse, dass das Spezifische, das Besondere, bewahrt wird, weil dieses eben den Unterschied macht, schlussfolgerte Fernolend.

Cornel Stanciu (ADEPT-Stiftung) sprach über die ersten Radfahrwege bei Deutsch-Kreuz/Criţ und Meschendorf/Meşendorf. Weitere sollen im Großkokler Raum folgen, wobei ihre Vernetzung als Erfolgsrezept gelten könnte. Außerdem sollen vor Ort Personen zu Reiseführern ausgebildet werden. Mihai Dragomir vom Verein „Mioritics“ sprach ebenfalls über die Vernetzung in der Region, über Info-Stellen, die nun auch in Rosenau und Alzen/Alţâna eingerichtet wurden, über Werbematerial, in dem eine Kultur-Route der Kirchenburgen angeboten wird, gekoppelt mit anderen Promotion-Initiativen (z. B. „Transilvanian Brunch“), die sich zwar an ein gehobenes Publikum (Unternehmer) wenden, aber auch Landwirte, Gastronomie, Brauchtum der verschiedenen Ortschaften fördern.

Der Vorsitzende des Kronstädter Vereins zur Förderung und Entwicklung des Tourismus (APDT), Christian Macedonschi, wies in seiner Mitteilung darauf hin, dass den Touristen mehr mit nützlichen Infos und Dienstleistungen entgegengekommen werden muss. Nach der Person mit dem Schlüssel zu suchen, um eine Kirche oder eine Kirchenburg zu besichtigen, sei nicht mehr zeitgemäß. Im Sommer könnten erste Kleinbusse vom Kronstädter Aro-Hotel Rundfahrten zu den Burzenländer Kirchenburgen, aber auch zur Törzburg und nach Zărneşti sowie in die Schulerau für die Touristen angeboten werden. Diese könnten im Drei-Stunden-Rhythmus verkehren, wobei die Passagiere selbst entscheiden können, welche Kirchenburg sie besichtigen, um dann mit dem nächsten Bus die Rundfahrt fortzusetzen. Im Fahrtpreis könnten, in Partnerschaft mit den Verwaltern der Sehenswürdigkeiten, der Eintritt, die Führung, eventuell auch eine Landkarte mit dabei sein. 

Die Besucherzahlen des Vorjahres für den Kreis Kronstadt können sich sehen lassen. Spitzenreiter ist die Törzburg/Bran mit dem „Dracula-Schloss“ (500.000 Besucher, was allein rund 1 Million Euro aus Eintrittsgeldern einbrachte). Es folgt Kronstadt mit geschätzten 320.000 Touristen, Rosenau (200.000), das von der Nähe zur Törzburg und der Schulerau profitiert, Tartlau/Prejmer (25.000), Deutsch-Weißkirch (12.000) und Honigberg/Hărman (8000).

Das Mittelalter, in Form von alten Stadtzentren mit Kirchen, Wehranlagen, offenen Plätzen oder mit Kirchenburgen am Lande soll auch durch Ritterspiele und Festivals als Erlebnis zur Geltung kommen. Das Potenzial wurde erkannt, das Interesse vieler Reiseanbieter ist da. Nun sollen entsprechende Dienstleistungen (von Information, Reiseführung, Transportmöglichkeit, Verpflegung und Unterkunft bis Freizeitangebot) folgen.

Kommentare zu diesem Artikel

Richard Sterner, 13.04 2012, 10:21
Auf der neuen Webseite des Vereines hat man Schwarze Kirche als <Schwartze Kirche> vertippt. Hoffentlich wird das Problem behoben.
http://transilvania-medievala.ro/

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