Mogeleien mit Bären

Verdächtig hohe Zuwachsraten der Bärenpopulationen weckten WWF-Verdacht

Samstag, 13. August 2016

Seit mehreren Jahren wundern sich die Fachleute über die auffällig hohen Zuwachsraten der Bärenpopulationen in den rumänischen Karpaten. Während nämlich das bärenreichste Land Europas, Schweden, in den vergangenen Jahren eine Zuwachsrate des Bärenbestands von 4,7 Prozent verzeichnet hat, was als „spektakulär“ eingeschätzt wurde, verzeichnete die relativ dicht von Menschen besiedelte Maramureş/Marmarosch in den Waldkarpaten 2009-2010 einen Zuwachs von 10 Prozent pro Jahr, unterdessen die Verwaltungskreise Harghita und Vrancea, die von der Forstverwaltung Umweltschützern und Jägern als „Bärenparadiese“ gepriesen werden, in manchen Jahren Bestandserhöhungen beim Braunbären von mehr als einen Viertel des jeweiligen Vorjahrsbestands angaben...

Unstimmigkeiten in den Zählungsberichten

Der WWF und der Verein zur Wahrung der Biodiversität (Asociaţia pentru Conservarea Diversităţii Biologice - ACDB) gingen den Zählergebnissen des Wildbestands auf den Grund. Und sie nahmen sich die Forstverwaltungen und Jagdpachten des Banater Berglands vor, die auf die Verwaltungskreise Karasch-Severin, Hunedoara, Mehedinţi und Gorj verteilt sind. Allein beim vergleichenden Betrachten der Resultate der jährlichen Wildzählungen in benachbarten Forstamtsbezirken fiel den beiden Naturschutzorganisationen auf, dass benachbarte Forstamtsbezirke und/oder Jagdparzellen auffällig oft genau dieselben Zahlen für Braunbär, Luchs, Wildkatze oder Wolf – die großen Fleischfresser der rumänischen Karpaten - angeben. Zum Zweiten fiel auf, dass die angegebenen Bestände um das Zwei- bis Dreifache die optimale biologische und ökologische Bestandsdichte überschreiten (mit der Folge, dass man dann rasch beim Ministerium für Umweltschutz zu einer Abschussgenehmigung für diese durch die EU-Gesetzgebung streng geschützten großen Fleischfresser kommt, weil ja „eh“ zu viele Tiere im Areal leben).

Beim bohrenden Hinterfragen gaben dann die Verwalter der Jagdpachten zu, dass nicht alle Tiere, die sie (in der Regel im winterlichen Februar) aufgrund ihrer Spuren gezählt haben, auch wirklich in ihrer Jagdpacht „sesshaft“ sind, also faktisch beim Durchstreifen der Landschaft gezählt wurden, was erklärt, wieso manche Tiere in zwei-drei benachbarten Forstamtsbezirken von zwei-drei Verwaltungsbezirken/Forstverwaltungen und/oder Jagdpachten mehrfach gezählt wurden. Das war der Fall vor allem in Jagdpachten von Hunedoara und Gorj, wo über die Karpatenkämme hinweg höchstwahrscheinlich dieselben Bären gezählt und auffällig oft genau übereinstimmende Zahlen aus zwei benachbarten Jagdpachten gemeldet wurden.

Planerfüllung aufgrund von Jägerlatein

Für den Braunbären der Karpaten wird von Biologen ein nötiges „home range“, ein „Heimatareal“ von (allerminimalst) 50 bis 270 Quardatkilometern (5000 bis 27.000 Hektar) geschätzt. Im Verwaltungskreis Hunedoara gibt es aber insgesamt 11.368 Hektar Jagdpachten. Und hier wurden 29 Braunbären „gezählt“ (das sind 392 Hektar pro Karpatenbär). Im Verwaltungskreis Gorj gibt es sechs Jagdpachten mit Karpatenbären. Die Jagdpachten erstrecken sich über 150 Quadratkilometer (15.000 ha). In den vergangenen drei Jahren haben die sechs Jagdpachten zwischen 21 und 30 Braunbären „gezählt“. Das entspricht zwar nur einem Zehntel des von Biologen kalkulierten Minimums eines Überlebensraums, bleibt aber sowieso hinsichtlich der Korrektheit der Zählung anzuzweifeln.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Zahlen bewusst manipuliert werden, um rascher an die einträglichen Abschussgenehmigungen zu kommen, durch welche mit Euro und Dollar viel sonstige Einkommensmühsal gespart wird (die Jagdpachten und die Forstamtsbezirke haben festgeschriebene Einkommensnormen „zu erfüllen“, und es ist nicht schwer zu erraten, wie das einfacher geschieht, durch Einsammeln von 30-50 Tonnen Waldfrüchten oder durch die Abschussgenehmigung für einen einzigen Bären... . Für den blättern Jagdverrückte zwischen 4000 und 15.000 Euro auf den Tisch). Nach den Diskussionen, zu denen der WWF die Jagdverantwortlichen des Banater Berglands im vergangenen Herbst – vor der alljährlichen Wildzählung – geladen hatte, gab es ein kleines „Wunder“. Die Bärenpopulation in manchen Jagdpachten war plötzlich um 22 Prozent geringer als im Vorjahr, ebenso die Populationen von Luchs und Wildkatze, Wölfe zählte man plötzlich um 7 Prozent weniger.

Wundervoller Rückgang des Bärenbestands

Dass gerade im Forstamtsbezirk und der Jagdpacht Bucova/Băuţar, wo einer der berüchtigsten Jäger des Banater Berglands – auch als Präsident des Jägervereins und der Jagdpacht Bucova genauso bekannt und berüchtigt - sein Unwesen trieb, Ex-Kreisratsvize Ionesie Ghiorghioni (der inzwischen, aus anderen Gründen, eine mehr als sechsjährige Gefängnisstrafe absitzt), die Zahl der Bären plötzlich von 19 auf 11 zurückging, fiel manchem Kenner der Szene auf. Aber auch in der Jagdpacht Armeniş (dort, wo ein Auswilderungsversuch mit Wisenten läuft) verminderte sich der Bärenbestand von neun auf vier, in Berzasca an der Donau (das touristisch im Kommen ist) von fünf auf einen, in der Jagdpacht Craiova/Krain im Osten der Almascher Senke, ebenfalls von fünf auf einen, in Rudăria/Eftimie Murgu, südlich und in Fortsetzung des Rudăria-Tals mit seinen Wassermühlen, von fünf auf drei und in Belentin an den Nordhängen des Banater Berglands gibt es laut Wildzählung keinen Bären mehr (vor einem Jahr: noch zwei).
Die optimale Bestandsdichte haben die Bären- und Wolfspopulationen im Banater Bergland trotz aller Korrekturen der Zählungen noch nicht erreicht (man erinnere sich an die vielen Nachrichten der vergangenen Winter über Überfälle der Wolfsrudel auf einsame Gehöfte, Schafhürden und unbeaufsichtigt weidende Haustiere). Luchs und Wildkatze hingegen leben im Banater Bergland auf für sie ideal großen Flächen und in adäquater Bestandsdichte, finden WWF und ACDB, gemäß wissenschaftlicher Erkenntnisse.

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