Monitoring im Naturpark Eisernes Tor

Orawitzaer Umweltschutzorganisation GEC Nera mit neuem Projek

Dienstag, 25. September 2012

Donnerstag wurde beim Sitz der Agentur für Umweltschutz (APM) Karasch-Severin in Reschitza/Reşiţa das neueste Umweltschutzprojekt der sehr aktiven Orawitzaer Freiwilligenorganisation GEC Nera vorgestellt. Es handelt sich um die „Ausbildung von freiwilligen Hütern der Wälder zur Einstellung illegaler Aktivitäten der Menschen im Areal des Naturparks Eisernes Tor“. Partner der Orawitzaer Naturschützerorganisation ist APM Karasch-Severin/Caraş Severin.

Das Projekt erstreckt sich über die Zeitspanne 1.September 2012 bis 30.Juni 2013 – es dauert also praktisch ein Schuljahr lang – und wird hauptsächlich von den Schülern der Berufsschulen aus Orawitza/Oraviţa, Anina und Neumoldowa/Moldova Nouă getragen, denen Vertreter der Zivilgesellschaft sowie von APM zur Seite stehen. Vorgestellt hat das Projekt in Reschitza der Gründungspräsident von GEC Nera, Dipl.-Ing. Cornel Sturza-Popovici, ein Ex-PNŢCD-Abgeordneter der Legislaturperiode 1996-2000.

Naturschutz erneuert Zivilgesellschaft

Das Projekt ist von der Bewertungskommission als „von öffentlichem Interesse“ eingestuft worden und wird aus Mitteln des EU-Programms für die Erneuerung der Zivilgesellschaft gefördert sowie von einem Trust für die Förderung der Zivilgesellschaft in Mittel- und Osteuropa und der Rumänienfiliale einer Mitteleuropäischen Bank.
Als Ziel des Projekts wird angegeben, „die Zivilgesellschaft stärker einzubinden und effizienter zu informieren über umweltzerstörendes Vorgehen des Menschen im Naturpark Eisernes Tor, die ländlichen Gemeinschaften, die in diesem Raum leben, zu einem bewusst schonenderen Umgang mit der Natur ihres Umfelds zu bewegen und letztendlich die Verwaltung des Naturparks bei einem entschlosseneren Vorgehen gegen ausufernde anthropische Tätigkeiten zu unterstützen“. Nicht zuletzt sollen die kommunalen Autoritäten, die in diesem Naturpark wirken, „zu einem höheren Verantwortungsgrad gegenüber der Umwelt gelangen“. Sturza-Popovici hat das alles im Projekttitel unter den Anglismen „Watchdog and Advocacy“ zusammengefasst.

Gestartet wird das Programm mit einem Lehrgang für bürgerliche Erziehung, in welchem 20 junge „Umweltagenten“ auszubilden sind, die für sechs Monate das Monitoring der Umwelt im Naturpark vornehmen werden. Daraufhin werden diese Umweltagenten, zusammen mit den anderen  Projektinvolvierten, reihum Begegnungen mit den Vertretern der Kommunen des geschützten Raums am linken Donauufer haben, „denn das sind, zusammen mit der schütter besetzten Parkverwaltung, die Entscheidungsträger in diesem geschützten Naturraum“ (Sturza-Popovici).

Freiwillige besser als dafür Bezahlte

Die Ergebnisse der Beobachtungs- und Überwachungsvorgänge will GEC Nera – nach längst eingespieltem Muster – regelmäßig den Medien und den kommunalen Verwaltungen vorstellen und diesen gleichzeitig (auch international bereits anerkannte) Eingreifmuster vorschlagen, wie bei allen bisher durchgeführten Projekten.
Wir erinnern daran, dass GEC Nera viel effektiver als die mit dem Umweltschutz betrauten staatlichen Behörden als eine der ersten Organisationen vor die Öffentlichkeit getreten ist und auf die hohe grenzüberschreitende Umweltbelasung durch die ungefestigten Abraumhalden des aufgelassenen Kupferbergwerks und des angeschlossenen Anreicherungswerks für Kupferarmerze Moldomin Neumoldowa aufmerksam gemacht hat – die, wie sich inzwischen erwiesen hat, eine ganz hohe Gefährdung der Gesundheit der Bevölkerung, vor allem im Bereich der Krebserkrankungen, auslöst. Desgleichen hat GEC Nera in aufrüttelnden Untersuchungen den Raubbau an den Fischbeständen im Donaustausee Eisernes Tor I aufgedeckt und die zahlreichen verbotenen Fischfangmethoden, die hier (einschließlich durch Firmen hochrangiger ortsansässiger Kommunalverantwortlicher) angewandt werden, auch die Folgen des unorganisierten („wilden“) Tourismus oder des illegalen Fällens ganzer Wälder im Naturschutzareal in den linksufrigen Randgebirgen der rund 120 Kilometer langen Donauenge Eisernes Tor/Djerdapp. Und immer wieder weist GEC Nera darauf hin, dass trotz der Tatsache, dass die Umweltschädigungen den Kommunal- und Naturparkverantwortlichen zur Genüge bekannt sind, viel zu wenig Effizientes dagegen unternommen wird.

Ungelöste Probleme der Bevölkerung

In den Reihen der Bevölkerung der Donauenge, die im Naturpark Eisernes Tor/Djerdapp lebt, kommt GEC Nera grundsätzlich gut an, obzwar die Organisation – wie alles, was mit dem umweltgeschützten Naturraum im Zusammenhang steht – nicht unkritisch gesehen wird, als eine Art Zwischending zwischen einem Vertreter staatlicher Interessen (im weitesten Sinn) und einem Interessenvertreter der Ortsansässigen.

Denn als das Donaukraftwerk Eisernes Tor I Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre als rumänisch-jugoslawisches Projekt geschaffen wurde, sind viele der Anwohner ihrer Häuser und Gärten verlustig geworden, die unter dem um 32 Meter angehobenen Donauspiegel versunken sind, nachdem sie vorher (mit schäbigen Entschädigungen) enteignet wurden. Nach 1990 haben viele der Anwohner bzw. die Nachkommen der damals Enteigneten ihr Besitztum in Natura oder mittels Kompensation und Grundstückstausch vom Staat zurückgefordert und fanden vor einem Dutzend Jahren, als der erste grenzüberschreitende Naturpark an der Unteren Donau geschaffen wurde, die Naturparkerklärung (auch) ihres darin enthaltenen Besitztums – ohne sie vorher zu befragen – als groben Eingriff (durch ab sofort geltende Einschränkungen) in ihre privaten Vermögensverhältnisse.

Ähnlich reagierten viele Kommunen, die bereits feste Pläne mit ihrem öffentlichen Vermögen hatten, beispielsweise die Stadt Neumoldowa mit ihrer Ferienhäusersiedlung auf einer Donauinsel im Stausee und die Gemeinde Berzasca mit ihrem touristischen Komplex auf Stelzen im Donaustausee, deren Investitionsinitiativen durch die Funktionsregeln des Naturparks gestoppt wurden.

Erst jüngst hat Umweltministerin Rovana Plumb mit ausdrücklicher Rückendeckung des EU-Umweltkommissars Janez Potocnik (der kurz vorher zusammen mit dem EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Cioloş in Bukarest weilte und dem die Naturschutzorganisationen ein viel zu offenes Herz für Wirtschaftsinitiativen in naturgeschützten Arealen nachsagen) angekündigt, dass die Regeln für Investitionen in naturgeschützten Arealen aufgrund von Direktverhandlungen mit dem Umweltministerium aufgeweicht werden können, sofern sie nicht ausdrücklich gegenteiligen Beschlüssen des EU-Parlaments – wie etwa jenem zum Verbot der Goldgewinnung mittels Zyaniden – widersprechen.
Fakt bleibt einstweilen allerdings, dass dies ein Problem ist, das einer eindeutigen gesetzlichen Regelung bedarf.

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