Motorsägen in den Urwäldern von Bucova

Gelder der Cioloş-Regierung bleiben ungenutzt

Freitag, 12. Mai 2017

Symbolfoto: pixabay.com

Auf ihrer Facebook-Seite schlägt die Umweltschutzorganisation Agend Green Alarm: In den Bergen des Grenzgebiets zwischen den Verwaltungskreisen Karasch-Severin und Hunedoara, in der Gemarkung der Gemeinde Băuţar, also an den Westhängen des Ţarcu-Massivs, werden auf Teufel komm raus Urwälder und Quasi-Urwälder geschlagen. Agent Green fügt hinzu: „mit Wissen der Forstschutzgarde, obwohl die Gesetzgebung so etwas verbietet“.

Besonders besorgniserregend: Unter dem von PSD-ALDE geführten Ministerium für Umwelt ist noch nichts von den 2,58 Millionen Lei abgerufen worden, die durch Regierungsbeschluss HG 945 vom 15.12.2016 von der Ciolo{-Regierung für die Inventur der Ur- und Quasi-Urwälder der Karpaten vorgesehen wurden.
 

Privatwälder sind besonders gefährdet

Dazu Agend Green: „Die Urwälder werden genau in diesem Augenblick gefällt, auf Initiative der Forstbesitzer und mit Zustimmung der Forstgarde – deren Aufgabe es wäre, solchen Verbrechen Einhalt zu gebieten. Wir besitzen und veröffentlichen Fotos aus dem }arcu-Gebirge, aus dem Raum Bucova, im Verwaltungskreis Karasch-Severin, aus einer Gegend, wo es bis vor Kurzem noch 972 Hektar Ur- und Quasi-Urwälder gab. Täglich kommen aus dieser Gegend jetzt Forsttransporter, vollbeladen mit jahrhundertealten Riesenstämmen. Das kann der Forstschutzgarde nicht verborgen geblieben sein. Also duldet sie es. Auch wenn das Fällen solcher Baumriesen seit 2012 per Gesetz strengstens verboten ist.“

Auf den Fotos, die Agent Green veröffentlicht, sind klar Kahlschlag-Streifen genau unterhalb der Hochwiesen des }arcu erkennbar, in vertikalen Schlägen, die den Besitzverhältnissen der ehemaligen Grenzer entsprechen dürften. Deren (wiedergegründete) Vermögensgemeinschaft müsste diese Wälder verwalten und, laut ihrer eigenen Satzung, dürfte nur zur Deckung des eigenen Brennholzbedarfs gefällt werden.
 

Auch Auerhahnreservat betroffen

Es ist genau die Gegend, wo sich das knapp 280 Hektar große Auerhahn-Reservat Bucova (im Raum der vor knapp 40 Jahren gebauten Groposu-Forsthütte) befindet. Nicht zu vergessen: Mit der Schneeschmelze auf 1600-1800 m Höhe – Ende April, Anfang Mai – beginnt die Balz der Auerhähne – die einzige Periode, wo diese scheuen Vögel und als Bälge begehrten Jagdtrophäen gejagt werden können... Allerdings: Der Lärm von Motorsägen und stürzenden Baumriesen kann zur Unterbrechung bis zum gänzlichen Ausbleiben der Balz führen. Das hat der vor Jahren für diese Forste zuständige Oberförster Walter Frank immer wieder betont.

Agent Green wendet sich in seinem auf Facebook veröffentlichen Alarmruf ans Ministerium für Gewässer, Forste und Umwelt. Dieses „möge die 2,58 Millionen Lei für den Ankauf hochauflösender Satellitenbilder“ von den amerikanischen oder russischen Raumfahrbehörden „nutzen, und damit im Eilmodus eine nationale Studie ausarbeiten, um zu wissen, was schon wieder unwiederbringlich verlorengegangen ist an Urwäldern und was noch intakt geblieben ist (Termin: 30. Juni 2017).
 

Schutz des Nationalerbes im Visier

„Außerdem ist ein Aufruf zum Einstellen des Fällens in allen Gegenden zu starten, wo es potenziell noch Ur- und Quasi-Urwälder geben kann; die Forstschutzgarde soll zur Verantwortung gezogen und bei ihr offiziell nachgefragt werden, warum sie die Augen verschließt, obwohl sie in Realzeit zurückgreifen kann auf die modernsten Technologien des Datenzugangs, bezüglich wo gefällt wird, was gefällt wird, wie viel gefällt wird und wohin die gefällten Stämme, das Holz, gelangen“.

Es sei daran erinnert, dass die zitierte Eilverordnung 945/2016 der Cioloş-Regierung eine der letzten war, welche die unter Umweltschützern geschätzte Erika Stanciu als damalige Staatssekretärin im Ministerium für Umweltschutz ausgearbeitet hat. Darin ist vorgesehen, dass 7,5 Millionen Lei für eine Studie aufzubringen sind, durch welche die unwiederbringlich geschädigten oder potenziell verseuchten Ackerflächen identifiziert werden, die sich zur Aufforstung eignen, 3,46 Millionen Lei für eine Studie bezüglich der Aktualisierung der Begrenzung der Jagdgebiete Rumäniens, 2,58 Millionen Lei für die obengenannte Identifizierung der noch vorhandenen Ur- und Quasi-Urwälder und die Vorbereitung für deren Unterschutzstellung (per Gesetz), indem sie im „Nationalen Katalog der Ur- und Quasiurwälder“ registriert werden.

Von keinem dieser drei Bereiche war in den vier Monaten der Regierungszeit der PSD-ALDE-Regierung auch nur ein Wörtchen in der Öffentlichkeit zu hören.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*