Mundarten im Banat

Vielstimmiges Fest der Banater Deutschen im AMG-Haus

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Mundarten im Banat: Die Kindertanzgruppe "Edelweiß" aus Detta führt den alten Bändertanz vor.

Annemarie Podlipny-Hehn überreicht der Mundartautorin Helen Alba Kling die AMG-Medaille.

Inmitten des Publikums: Die Schauspielerin Karina Reitsch trägt ein Gedicht von Nikolaus Berwanger vor.
Fotos: Zoltán Pázmány

Ein frohes und vielstimmiges Fest zu Ehren der Banater deutschen Mundarten in einem einladendend offenen Haus, dem AMG-Haus in Temeswar, erlebten am Wochenende die Teilnehmer, jung und alt, im Rahmen der fünften Auflage des Symposiums der Banater deutschen Mundarten. Die Veranstaltung, wie stets mit finanzieller Unterstützung der rumänischen Regierung vom DFDT und vom Literaturkreis Stafette organisiert, stand heuer im Zeichen der Erinnerung an zwei bedeutende Banater Deutsche und Mundartautoren, Nikolaus Berwanger und Ludwig Schwarz. Eröffnet wurde das Fest schon am Freitag von Annemarie Podlipny-Hehn, der langjährigen Veranstalterin und Moderatorin der Kulturfeste im AMG-Haus, im Beisein zahlreicher Ehrengäste u.a. Ovidiu Gan], DFDR-Abgeordneter, Siegfried Geilhausen, deutscher Vizekonsul in Temeswar, Johann Fernbach, Vorsitzender des DFDB, seinen Vizevorsitzenden Erwin Josef Ţigla und Michael Szellner, Vertreter aller deutschen Medien. Gedacht wurde auch an den kürzlich verstorbenen ehemaligen DFDB-Vorsitzenden, Karl Singer: Ab Freitag trägt der AMG-Festsaal offiziell seinen Namen. Die Festrede zum Gedenken an Nikolaus Berwanger und Ludwig Schwarz, die beide einen nachhaltigen Beitrag zur Bewahrung und Erneuerung der Mundart, der Kultur und des Brauchtums der Banater Schwaben geleistet haben, hielt Annemarie Podlipny-Hehn. Als Würdigung ihrer langjährigen Bemühungen für die Pflege und das Bewahren der deutschen Mundart, der deutschen Mundartliteratur, des Brauchtums der Banater Schwaben wurde Helen Alba Kling, Mundartautorin und Redakteurin der BZ-Pipatsch-Beilage (eingeführt in der NBZ 1969 von Nikolaus Berwanger) die AMG-Medaille verliehen. Die Laudatio hielt Ignatz Bernhard Fischer.

Darauf wurden die jüngsten Beweise für die weiterhin überaus vielfältige und produktive Banater deutsche Mundartliteratur erbracht: I.B. Fischer präsentierte das neue Buch des aus dem Banat gebürtigen Autors Stefan Michael Müller, "Die Fee" mit Gedichten und Sprüchen in der Mundart und in Hochdeutsch. Vorgestellt wurde zudem von Balthasar Waitz, dem Autor und BZ-Redakteur, der neue, sechste Band der Mundartautorin Helen Alba Kling (mit ihrem Autorennamen "s Helli vun Bogarosch"). Mit dem Band "Die Grellekett", der Gedichte und Prosa (Stickle benannt) in banatschwäbischer Mundart vereint, erweist Alba sich, so der Referent, als eine bedeutende Vertreterin der traditionellen Linie, in Sageweise und Problematik, in der Banater deutschen Mundartliteratur. Abschließend las die Autorin Auszüge aus ihrem neuen Band.

Die heutigen Banater deutschen Mundartautoren kommen bei allen Festen und Kulturveranstaltungen der deutschen Gemeinschaft zu Wort, zum Teil sind sie auch Mitglieder der Stafette, ihre Einzelbände werden vom Literaturkreis gefördert und veröffentlicht. Eine großzügige Auswahl aller Beiträge und Texte wird stets im Stafette-Jahrbuch abgedruckt.

Wegen ihrer Vielstimmigkeit- sie sprechen eine Leserschaft von Sanktanna bis Reschitza, aus dem In- und Ausland, Schwaben aus der Banater Heide, der Hecke, der Banater Berglanddeutschen, auch die Sprecher der deutschen Umgangssprachen an- gab es demnach am zweiten Tag ein besonderes Interesse aller für die traditionelle Lesung der Mundartautoren. Zu hören waren Texte in der ureigenen Mundart und Erstprache der Autoren von Karl Windberger und Ada Lovasi (Banater Bergland), I.B. Fischer (Bakowa), Martin Reinholz (Sanktanna), Grete Weidmann (Guttenbrunn), Helen Alba (Bogarosch), Dietlinde Huhn (Großsanktnikolaus), Manfred Engelmann (Perjamosch, Uihel) und Alexandrina Paul (Mundart der Deutschen aus dem Temeswarer Randviertel Mehala). Als Überraschungsmomente gestalteten sich da die Zugaben gerngesehener Gäste aus Siebenbürgen und Deutschland: Die bekannte Fernsehjournalistin, Autorin und Sängerin Christel Ungar-Ţopescu überraschte die Banater Zuhörerschaft mit dem bei den Siebenbürgen Sachsen so beliebten Volkslied "Ein Vögelchen". Der deutsche Vizekonsul Siegfried Geilhausen (Er bekannte u.a. zu den treuen Lesern der BZ-Pipatsch-Beilage zu gehören) brachte die Zuhörerschaft mit allerhand Sprichwörtlichem in seiner Erstsprache, dem Kölnisch Platt, zum Schmunzeln.  

Zum Abschluß des zweitägigen Festes fand im Karl-Singer-Festsaal ein deutsches Kulturprogramm (Moderation Martina Nenadov) mit Musik und Volkstanz statt. Die Schauspielerin Karina Reitsch stimmte das Publikum mit einem Vortrag banatschwäbischer Texte von Nikolaus Berwanger und Ludwig Schwarz ein. Mit bekannten banatschwäbischen Volksliedern wie "In einem Schwabendörfchen", mit beliebten Volkstänzen wie dem Bändertanz brachten die Tanzgruppe "Banater Herbstreigen", der Chor "Temeswarer Liederkranz" sowie die Tanzgruppe "Edelweiß" aus Detta für kurze Zeit eine echte "Kerwei"-Stimmung ins Haus. Es wurde fast stets mitgesungen und es gab reichhaltig Beifall für alle, vor allem für die jungen Musiker, Tänzer und Sänger aus der Kleinstadt Detta.

 

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