Musik aus dem Banater Bergland

Das Duo Gassenheimer und Vincenzo Cerra sorgen stets für gute Unterhaltung

Sonntag, 23. September 2018

Das Duo Gassenheimer, bestehend aus Mutter und Sohn, sorgt für gute Unterhaltung bei Kulturereignissen in Reschitza und darüber hinaus.
Foto: privat

Vincenzo Cerra oder Vincenzo Musi (rechts) ist bei den vielen Festen des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen eine gewohnte und beliebte Präsenz.
Foto: Zoltán Pázmány

Musik wird im Banater Bergland groß geschrieben. Ob bei einer Ausstellungseröffnung oder bei einer Buchvorstellung, die Musiker des Banater Berglandes sind stets dabei, um für gute Unterhaltung bei den zahlreichen Kulturereignissen des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen und der Deutschen Vortragsreihe Reschitza zu sorgen. Eine der Musikgruppen, die in der Stadt an der Bersau und Umgebung den Ton angeben, ist das Duo Gassenheimer.

Das Duo Gassenheimer besteht aus Mutter und Sohn. Die Mutter, Maria Doina Gassenheimer, stammt gebürtig aus Dognatschka/Dognecea, doch kurze Zeit später übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Reschitza. Ihr Sohn, George, kam in Reschitza zur Welt. Nach Abschluss des Kunstlyzeums „Sabin Păutza“ ging George Gassenheimer nach Temeswar/Timișoara, wo er die Fakultät für Musik, Abteilung Violine, besuchte. Nach seinem Studienabschluss im Jahr 2005 kehrte George in seine Heimatstadt zurück, wo er heute als Professor für Violine an seiner ehemaligen Schule tätig ist. „Ich habe sehr viel Geduld mit den Kindern. Ich möchte ihr Talent fördern. Jedes Jahr sind auch talentierte Kinder dabei, und wenn die Zusammenarbeit mit den Eltern gut funktioniert, dann haben diese Kinder gute Chancen, es sehr weit zu bringen“, sagt George Gassenheimer, der Schüler von der ersten und bis zur elften Klasse unterrichtet.

Ein Musiker, viele Projekte

George Gassenheimer ist neben seinem Beruf als Lehrer für Violine in verschiedenen musikalischen Projekten engagiert. Mit ehemaligen Kollegen, die an der Philharmonie und der Oper arbeiten, spielt er im Quartett „Musikfreunde“. „Traditionell bestreiten die Musikfreunde auf Einladung des Berglandforums ein Weihnachtskonzert. Bei einer ökumenischen Veranstaltung der orthodoxen Pfarrei aus meinem Stadtteil, Govândari, spielen wir Weihnachtslieder aus dem internationalen Repertoire“, berichtet George Gassenheimer.

Ein weiteres Projekt ist das Banater Bergland Trio, zu dem er über den ehemaligen Forumsvorsitzenden Karl Ludwig Lup{iasca (1935 – 2018) kam und der ihm auch eine Violine schenkte, erinnert sich George Gassenheimer. „Ich habe bei allen Aktionen des Deutschen Forums mit dem Banater Bergland Trio oder mit dem Duo Gassenheimer mitgemacht. Wir waren bei den Reschitzaer Literaturtagen, bei der Deutschen Kulturdekade im Banater Bergland, bei Buchvorstellungen oder internationalen Philatelieausstellungen dabei“, erzählt der Musiker. Das Banater Bergland Trio besteht aktuell aus George Gassenheimer (erste Geige) und den zwei Gitarrenspielern Ianis Zelko und Vincenzo Cerra.

„Zum Berglandforum bin ich etwa während meiner Studienzeit gestoßen. Davor hatte ich, als Schüler noch, auf Einladung des jetzigen Bischofs und damaligen Pfarrers in Reschitza, Josef-Csaba Pál, in einem Kammermusikorchester der Maria-Schnee-Pfarrei mitgewirkt“, erzählt George Gassenheimer. „Nachdem ich mehrere Violinwettbewerbe gewonnen habe, ist mein Onkel, der ehemalige ADZ/BZ-Fotoreporter Karl Szelhegyi-Windberger, auf mich aufmerksam geworden. Er, meine Mutter und auch Pfarrer Pal schickten mich zum Demokratischen Forum der Banater Berglanddeutschen“, erinnert sich der Violinspieler an seine ersten Kontakte mit der deutschen Gemeinschaft in Reschitza. So kam es, dass er sich zuallererst zum Banater Bergland Trio gesellte - ungefähr im Jahr 2007/2008. „Mein Großvater war Deutscher und katholisch. Wir sind Orthodoxe, aber wir schätzen und halten die Feste beider Glaubensgemeinschaften“, bekennt George Gassenheimer. Das Talent habe er von seiner Mutter geerbt, die ihm von klein auf stets vorgesungen hatte. Auf Wunsch des Großvaters besuchte er das Kunstlyzeum und studierte Violine. „Ich hatte ab der ersten Klasse eine sehr gute Lehrerin, Elfriede Mora“, erinnert sich George Gassenheimer. Ein weiteres musikalisches Projekt, zu dem George Gassenheimer beiträgt, ist die „Camerata Strumentale“ in Temeswar/Timișoara, ein multikonfessionelles und multiethnisches Projekt. Traditionell bestreiten die Musiker ein Weihnachtskonzert in der Millenniums-Kirche in der Temeswarer Fabrikstadt.

Ich singe, also bin ich

„Ich singe, seit ich auf der Welt bin“, bekennt Maria Doina Gassenheimer. Als Kind lernte sie zuerst Klavier und später Akkordeon. „Ich kann nicht leben, ohne zu singen. Das ist meine Art, zu Sein. Wenn wir singen, übermitteln wir unseren Zuhörern etwas und wir vergessen all unsere Sorgen, zumindest für die Zeit, wie lange das Konzert dauert“, begeistert sie sich. Es sei ein Genuss, zusammen mit ihrem Sohn auf der Bühne zu stehen, allerdings sei George ein sehr strenger Lehrer bei den Proben, verrät die Mutter. Sie selbst hatte auch schon im Miorița-Kammermusikchor aus Reschitza gesungen. „Beide lieben wir die Musik“, fügt George Gassenheimer hinzu. Besonders schön finden die beiden die Atmosphäre in der deutschen Gemeinschaft. Zu schätzen sei die Einstellung des Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen, Erwin Josef Țigla, der für Zusammenhalt in der Gemeinschaft sorgt, meinen beide überzeugt.

Im Gegensatz zu George hat Maria Doina Gassenheimer keinen Beruf aus ihrer Liebe zur Musik gemacht. Nach Abschluss eines technischen Kollegs arbeitete sie als Entwurfsingenieurin im Maschinenbauwerk UCMR. Davor war sie drei Jahre lang als Ersatzlehrerin für Musik und Literatur in Dognatschka tätig gewesen. Die Liebe zur Musik pflegte sie aber stets. So war Maria Doina Gassenheimer auch in der „Lia Ponoran“-Kammerchorale aktiv und singt zurzeit auch im „Franz Stürmer“-Chor des Berglandforums und im Chor der orthodoxen Pfarrei in Reschitza mit.

Zum Repertoire des Duos Gassenheimer gehören traditionelle österreichische Musik, Romanzen, Jazz, Gospels und vieles mehr. Das Banater Bergland Trio fördert in erster Linie die Musik der Komponisten und Musiker aus dem Banater Bergland. Josef „Sepp“ Kaschak aus Österreich schickte sein Musikarchiv an Karl Ludwig Lupșiasca nach Reschitza, damit sich die Musiker im Banater Bergland daran inspirieren könnten.

Ein Italiener für Reschitza

Zum Banater Bergland Trio gehört auch der Italiener Vincenzo Cerra. Sich Vincenzo Cerra ohne seine Gitarre vorzustellen, fällt ziemlich schwer. Der Italiener wurde vor einigen Jahren von den Banater Berglanddeutschen „adoptiert“ und fühlt sich dort genau so wohl wie zu Hause in Italien. Der Gitarrist tritt heute als Vincenzo Musi auf – den Künstlernamen habe er von Erwin Josef Țigla bekommen, verrät er.

Vincenzo Cerra kommt ursprünglich aus Lamezia Terme in Kalabrien, Süditalien. Mit 13 ging er allein nach Deutschland, zu seinem Vater, der dort lebte. Doch er blieb nicht lange bei seinem Vater. In Iserlohn, Nordrhein-Westfalen, wurde er von einer deutschen Familie aufgenommen und arbeitete zunächst als Pizzabäcker. Er wuchs in Deutschland auf und wechselte später zu einer Fabrik, die Ketten herstellte. Schon damals lag ihm die Musik im Blut. 30 Jahre lang sang er in verschiedenen Chören in Deutschland, 18 Jahre lang war er als Tenor und Gitarrist im Marinechor in Iserlohn aktiv. „Mit dem Marinechor sind wir in der halben Welt herumgereist und haben Konzerte bestritten. Es war eine sehr schöne Zeit“, erinnert sich Vincenzo Cerra. Auch heute ist er Tenor und Gitarrist – allerdings an einem völlig anderen Ort, nämlich in Reschitza, am Fuße des Semenik. „Die Reschitzaer verlangen von mir oft italienische Lieder. Wahrscheinlich, weil sie so romantisch sind“, verrät er lächelnd.

Wie ihn das Leben nach Reschitza verschlagen hat? Es war die Liebe, nicht das Leben, erzählt Vincenzo Cerra. „Ein Freund von mir hat ebenfalls eine rumänische Frau gefunden und ich bin hierher gekommen, habe mich verliebt und das war's“, sagt er. Da er schon zwei Wohnungen in Reschitza besaß, überlegte er sich nach dem Jahr 2000, ins Banater Bergland zu ziehen. Verheiratet war er schon zwei mal gewesen, bevor er seine rumänische Frau kennengelernt hatte. Seine erste Frau, mit der er drei Kinder hat, verstarb, von seiner zweiten Frau ließ er sich scheiden. „Meine rumänische Frau ist wunderbar. Ich habe das noch nie erlebt, dass eine Frau so viel im Haus macht. Ich helfe ihr natürlich“, schwärmt Vincenzo Cerra.

Seit dem Jahr 2010 lebt er in der Stadt an der Bersau und engagiert sich im Berglandforum. „Ich habe mich sehr gut hier angepasst. Ich bin ein freundlicher Mensch. Ich tanze auch in der Tanzgruppe des Deutschen Forums“, sagt der Italiener. Zunächst habe er einen Marinechor in Rumänien gesucht, aber den gäbe es selbst in Konstanza nicht mehr, glaubt er zu wissen. „Ich habe Musik nie in der Schule gelernt. Auch alle Fremdsprachen, die ich kann – Deutsch, Türkisch, jetzt Rumänisch – habe ich als Autodidakt erlernt“, erklärt Vincenzo Cerra. „Die Rumänen und die Kalabrier haben sehr ähnliche Temperamente“, bemerkt er.

Bald steht Feiern für Vincenzo Cerra auf dem Programm: „Ich werde am 3. Oktober 70 Jahre alt“, verrät er. Wahrscheinlich muss er auch dann für seine Gäste spielen. Doch das macht ihm nichts aus, ganz im Gegenteil. „Mit meiner Gitarre bereite ich den anderen gerne eine Freude.“

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*