Musik verbindet über Zeit- und Sprachgrenzen

In memoriam Friedrich Meburger - Naturfreund und Musikliebhaber aus Siebenbürgen

Samstag, 18. Januar 2014

Friedrich Meburger auf der Koppe
Foto: Michael Schuller

Vor allem die Meeburger und deren Freunde denken bei einem Rückblick auf 2013 leider an ein trauriges Ereignis. In diesen Tagen, wenn die Rehe und Hirsche oft am nebligen Waldrand in Siebenbürgen erscheinen, und so mancher da auf die Jagd geht, denken wir wieder an ihn – an den beliebten, immer aktiven Fritz, der die Natur mit seinen Menschen in allen Jahreszeiten und in den verschiedensten Erscheinungen schätzte und bewunderte. Deshalb war auch er selbst geschätzt und beliebt von Siebenbürgen über Südtirol bis in die Schweizer Alpen, von Schäßburg über Budapest bis Köln. So manche, von Vorurteilen geplagte Menschen in diesen Regionen wurden erst gute Freunde der Siebenbürger Sachsen, nachdem sie Fritz‘ Lieder auf dem Akkordeon hörten. Denn sie sprachen schwitzerdütsch, italienisch, ungarisch oder rumänisch als Muttersprache, anders als Fritz, der stolz auf seinen siebenbürgisch-sächsischen Dialekt und auf seine Herkunft war.

Nach dem Motto: „In der Welt zu Hause, aber dort daheim“ fühlte sich Fritz Meburger in Siebenbürgen daheim, in Meeburg im Repser Ländchen, wo er am 16. Dezember 1947 geboren wurde. Touristisch betrachtet ist es eine einmalige Naturlandschaft, wo die Eisenbahn unter einem mächtigen Berg hindurchfährt, der die Landkreise Kronstadt/Braşov, Harghita und Mieresch/Mureş verbindet, sozusagen ein europäischer Ort, wo die sehr seltenen „Morgenröschen“ gedeihen, die man sonst anscheinend nur noch in Italien in freier Natur findet. Hier verbrachte Fritz seine Kindheit und erste Jugendzeit in der Tradition der Siebenbürger Sachsen. Sein allgemein bekannter Vorfahre war der Predigerlehrer Johann Meburger aus Draas/Drăuşeni im Homorodtal, erstmals auf einem Foto mit den Gemeindemusikanten, den „Adjuvanten“, um 1900 zu sehen. Seit der 5. Klasse besuchte Fritz die Schule in Reps, und kam mit seinen Kameraden von da oft zu Fuß auf dem kürzesten Weg über die „Rauhe Koppe“ nach Hause. Es ist eine Region mit einer unverfälschten Natur, die deshalb von so manchem Touristen ähnlich einem Luftkurort besucht wurde. Der berühmteste Tourist, der die Natur zu schätzen wusste, ist Prinz Charles. Von da oben bewunderte Fritz sowohl die Schönheiten der Natur, als auch die Menschensiedlungen mit den rot-weißen Gebäuden - von der Repser Burg über die Ortschaften Schweischer/Fişer, Katzendorf/Caţa, Paloş oder Radeln/Roadeş, wo sich der bewundernswerte Rockstar Peter Maffay sozial engagiert, bis zu den ungarischen  Siedlungen und den Harghita-Bergen in der Ferne.

Etymologisch betrachtet symbolisiert diese Region  auch den Ursprung der Namen „Meeburg“ und „Meburger“. Die Sage erzählt nämlich, dass vor vielen vielen Jahren da oben Nonnen lebten, die die umliegenden Gemeinden vor den nahenden Feinden warnten, sodass die Menschen rechtzeitig in ihre Kirchenburgen fliehen konnten. Von einer Jungfrau (siebenbürgisch-sächsisch „Meet“), die schließlich alle Nonnen überlebte, soll der Name der Ortschaft  „Meeburg“, rumänisch Beia, am Fuße des Berges abstammen. Aus jener Kapelle von der Koppe soll die von Touristen bewunderte Jesus-Statue stammen, die sich bis Anfang der 1990er Jahre in der Kirchenburg Meeburg befand. Der Meeburger Flügelaltar wurde 1513 von einem Sohn des Nürnberger Bildhauers Veit Stoss, ein Freund und Mitarbeiter Albrecht Dürers, erschaffen, und kann jetzt in der Schäßburger Bergkirche bewundert werden. Heute zeugen auch die rumänischen Flurnamen „Dealul Chiliei“ (Kapellenberg), „Pârâul Chiliei“ (Kapellengraben) und der ungarische „Léanyhalom“ (Mädchenberg) unweit des erwähnten Aussichtspunktes von der Geschichte.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in der Schäßburger Bergschule war Fritz ein beliebter junger Lehrer in Bodendorf, in Kreisch bei Schäßburg und in Meeburg. Das gesellige Klassentreffen 2005 mit seinen ehemaligen Kreischer Schülern in Deutschland ist ein Beweis seiner damaligen Beliebtheit. Das größte Ereignis dieser ersten Lehrerzeit war die Bekanntschaft mit seiner späteren Ehefrau Annemarie, Mathematiklehrerin und Kollegin in Meeburg. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt Fritz‘ immer stärkere Zuneigung zur Musik. Doch sollte er nicht in die Fußstapfen seines Großvaters Meburger treten, der Violine spielte, sondern in jene seines Vaters Friedrich Meburger, von dem er erstmals Akkordeon spielen lernte. Dessen Leidenschaft war die Ziehharmonika. Danach besuchte Fritz die Musikhochschule in Neumarkt /Tg. Mureş, und kehrte nachher als Musiklehrer in seine geliebte Heimatgemeide zurück, wo er unter anderem Musik in Meeburg und in Katzendorf bei Reps unterrichtete. Sein Zuhause mit seiner Ehefrau war nun in Schäßburg/Sighişoara. In Meeburg baute Fritz als Chorleiter den Kirchenchor vierstimmig aus, und nahm mit dem Chor der Gemeinde auch an verschiedenen überregionalen Veranstaltungen teil.

1978, nach seiner Reise nach Schweden, kam Fritz Meburger nach Deutschland, nach Frechen neben Köln. Als sozial engagierter Mensch, geprägt von der Interkulturalität schon seit seiner Kindheit in Siebenbürgen, war er bald hauptamtlich als Sprachlehrer im Internationalen Bund für Sozialarbeit in Köln tätig. Schnell war er da auch in der Gesellschaft der Siebenbürger integriert und er freute sich, da vor allem manchen ehemaligen Klassenkameraden oder Freund aus der Schäßburger Zeit wiederzufinden. Nun erst hatte Fritz die ersehnte Möglichkeit die Naturschönheiten in ganz Europa kennenzulernen.

Diese Reisen verband er und seine Ehefrau Annemarie auch mit dem Kennenlernen der regionalen geschichtlichen Ereignisse und ihrer Kultur. In Ost- und Südtirol bewunderten Anne und Fritz beispielsweise nicht nur die Naturschönheiten der Alpen, sondern auch die stark umkämpften Regionen im ersten Weltkrieg, wo Großvater Meburger als k.u.k. Offizier schließlich in Gefangenschaft geriet. Doch zu den schönsten Reisen gehörten jene nach Siebenbürgen, ins Repser Ländchen sowie in den benachbarten Forstbezirk Oderhellen/Odorheiu Secuiesc in der Nähe der Harghita-Berge und der Ostkarpaten. Diese Regionen, wie auch den Altdurchbruch bei Rakosch, den Geisterwald auf dem Weg nach Kronstadt und andere Schönheiten in der Gegend besuchte Fritz mindestens einmal im Jahr. Dabei war er vor allem den Menschen, die dort überall daheim waren, tief verbunden.

Nach schwerer OP und folgendem Schlaganfall ist Fritz Meburger, unbegreiflich für alle seine Freunde, im Juli 2013 für immer gegangen. Dabei sollte erst jetzt mit  65 die Zeit zum eigentlichen Genießen des Lebens im Rentenalter beginnen. Nach der jahrtausendealten Weisheit „Des Menschen Herz plant seinen Weg, doch der Herr lenkt seinen Schritt“ (Die Bibel, Sprüche 16, 9) kommt es leider oft anders als erhofft. Alle seine Freunde werden sich immer wieder gern an Fritz Meburger erinnern, spätestens dann, wenn im Herbst die Nebelschwaden am Waldrand vorbeiziehen.

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