Mutter Erde – oder Selbstbedienungsladen?

Geologiemuseum Bukarest: Goethe-Institut zeigt Ausstellung zum Umdenken über die Natur

Samstag, 09. April 2016

ERDE: Die Erde ist unser Zuhause. Viele Völker verehrten sie und verehren sie bis heute als Muttergöttin und Fruchtbarkeitssymbol.

LUFT: Lebenselixier Luft - unter Druck

WASSER: Diese Karte aus der Ausstellung veranschaulicht den „Kontinent“ an Müll, der in den Weltmeeren dümpelt,Vögel und Wassertiere bedroht. Bewusster Umgang mit dem Rohstoff Wasser ist wichtig, denn nur etwa 3 Prozent des Wassers auf der Erde ist Süßwasser! Das meiste davon befindet sich als gefrorenes Eis an den Polen. Als Trinkwasser können daher nur 0,005 Prozent des weltweiten Wasservorkommens genutzt werden.

FEUER: Göttlicher Lebensfunken oder höllische Gefahr? Feuer hat die Menschen seit Urzeiten inspiriert. Nicht umsonst stand die Sonne im Zentrum vieler religiöser Kulte in aller Welt.
Fotos: Nina May

Wie können Lotusblätter, Quallen oder der Saftkugler-Käfer die Industrie inspirieren? Wie lange reichen die Bodenschätze unseres Planeten? Wie hört sich ein Orkan „von innen“ an? Werden bald insektenartige Roboter Brandherde in den Wäldern erschnüffeln, löschen - und wenn es ihnen zu brenzlig wird, sich schützend einrollen, die feuerfeste Seite nach außen, um alsbald unversehrt weiterzumachen? Oder: Wie bastle ich mir eine geschlossene Biosphäre im Einmachglas? Wieviel Wasser trinkt ein Mensch im Laufe seines Lebens - und wieviel braucht man, um ein Kilogramm Weizen zu produzieren? Und was richtet der Kontinent an Plastiktüten, der in den Weltmeeren herumdümpelt, in der ozeanischen Tierwelt Schlimmes an?

Antworten, nicht nur auf diese spannenden Fragen, findet man in der bis zum 15. April im Nationalen Geologiemuseum gastierenden Ausstellung des Bukarester Goethe-Instituts: „Umdenken - von der Natur lernen“. Selbst aus einer älteren Wanderausstellung als Recyclingprodukt hervorgegangen, soll sie junge Leute zum Thema Umweltschutz sensibilisieren - und zum Umdenken anregen. Ist die Erde nur ein vorübergehendes Ressourcenlager, das es auszubeuten gilt? Oder ein Lebewesen, mit dem wir verantwortungsvoll in Wechselwirkung treten? Seit 2015 tourt die Ausstellung weltweit durch die Goethe-Institute: nach Rumänien kam sie aus Thessaloniki, ihr nächstes Reiseziel heißt Zagreb, verrät Christa Ganterer, die Leiterin der Sprachenabteilung. Willkommener Nebeneffekt zur Naturerziehung ist die Gelegenheit, beim Lesen der Paneele und Versuchsbeschreibungen spielerisch Deutsch zu üben. Allerdings gibt es in jedem Ausstellungsraum auch rumänische Handouts.

Entdecken, erleben - inspirieren lassen

Erde, Feuer, Wasser, Luft: die vier Elemente der Antike beherrschen je eine Ausstellungseinheit, wo sie sich in möglichst gegensätzlicher Vielfalt zeigen - mal als Ressourcen für Nahrung und Energie, mal als Gefahrenquelle, mal als Ideengeber für die Technik (Bionik), dann wieder zerbrechlich, bedroht und schutzbedürftig. Doch immer spannend: Auf Schautafeln mit ansprechenden Bildern und knappen Texten, im Experiment oder im Quiz, als Film oder Hörprobe. Die Ausstellung eignet sich besonders für den alternativen oder fächerübergreifenden Schulunterricht, als Basis für Projektwochen, oder auch für Teilnehmer von Deutschkursen (Kenntnisse ab A2 erforderlich) - und natürlich für Familien. Darüberhinaus können auf der Webseite des Goetheinstituts Workshops zum Thema „Recycling ist cool“ (Basteln mit recycelbaren Materialien) und „Wir denken um, wir denken grün“ in rumänischer Sprache gebucht werden.

Zu lernen gibt es über... Solarautobahnen, zum Beispiel! Vielleicht werden wir ja in der Zukunft auf Straßen fahren, die selbst Strom produzieren, weil in ihnen Solarzellen integriert sind. Die Autos würden beim Fahren durch Induktion aufgeladen und man müsste nie mehr tanken. Was bitte ist ein Reißzahn-Hydraulikbagger? Das Gerät imitiert die Bewegung, die ein Ameisenbär beim Aufreißen eines Termitenbaus macht - und sorgt so für höhere Leistung und geringeren Verschleiß. Eine grüne Mini-Erde, die ihren eigenen Sauerstoff produziert, können wir uns ganz leicht selbst basteln: Der kugelrunde Flaschengarten im Eingangsbereich des Sektors „Erde“ ist tatsächlich eine unabhängige Biosphäre, seit der Bepflanzung vor mehreren Wochen nicht mehr geöffnet und nicht mehr gegossen. Die Bastelanleitung gibt es zum Mitnehmen. Am Ende des Rundgangs werden am laufenden Band umweltkritische Kurzfilme gezeigt: In „Die Rechnung“ geht es um das Klimasündenregister dreier Kneipen-Freunde; im Zeichentrick „Das Rad“ wundern sich zwei charmante Steine über die technologische Entwicklung der Menschheit. Eine Überlebenskapsel für den Katastrophenfall stellt der Erfinder und Tüftler Manfred Binder in „Wenn der Eisberg kalbt“ vor, und „Konsequenz“ zeigt die Folgen der Scheinheiligkeit des Menschen im Umgang mit Naturschutzthemen auf.

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Die Natur als Lehrmeister

Bionik heißt die Disziplin, in der die Natur als Lehrmeister für die Technik fungiert. Zum Beispiel...
...das Lotusblatt: Es lehrt uns, wie die perfekte schmutzabweisende Oberfläche, von der alles abperlt, unter dem Mikroskop aussieht. Gelingt es, sie nachzubauen, sind Waschbecken oder Duschkabinen, die man nicht mehr abwischen muss, weil kein Wassertropfen und kein Schmutz mehr hängen bleibt, bald Realität.
...der Saftkugler: Dieser Käfer, der zur Gruppe der Tausendfüßler gehört, kann sich blitzschnell einrollen und alle sechs Beine einziehen, wenn Gefahr droht. Er ist das Vorbild für  die Roboter, die bald zur Brandbekämpfung in Wäldern eingesetzt werden sollen.
...Quallen: Ihre fließenden Bewegungen sind einfach und energieeffizient. Forscher studieren sie, um sogenannte Aquajellies zu entwickeln: künstliche mechanische Quallenroboter, die sogar „kommunizieren“ und sich dann wie ein Schwarm verhalten.

Recycling lohnt sich!

Täglich fallen weltweit mehr als 3,5 Millionen Tonnen Müll an. Bis 2025 werden es 6 Millionen sein. Das entspricht einer 5000 Kilometer langen Reihe von Müllautos! Dabei kann Müll ein wertvoller Rohstoff sein - zum Beispiel...
...Alu-Felgen: Recycling ist hier besonders sinnvoll, da man im Vergleich zur Herstellung von Neu-Aluminium nur 5 Prozent der  Energie braucht!
...Elektroschrott: In einer Tonne alter Computer stecken ca. 70 Kilogramm Kupferdraht, 140 Gramm Silber und 30 Gramm Gold im Wert von 1500 US-Dollar.

Ausverkauf


Wie lange reichen die Bodenschätze auf unserem Planeten? Derzeit leben 7,29 Milliarden Menschen auf der Erde - doch die Menschheit wächst stetig an.
Ihre Energie bezieht sie derzeit aus:
33 Prozent Erdöl
30 Prozent Kohle
24 Prozent Erdgas
7 Prozent Wasserkraft
4 Prozent Uran
2 Prozent erneuerbare Energien
1972 präsentierte der Club of Rome die Studie „Die Grenzen des Wachstums“ und warnte, dass die Vorräte nicht unbegrenzt sind.





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