Nach Luftraum-Sperre: Russischer Vizepremier Rogosin droht Rumänien mit Bomber

Rumänisches Außenministerium fordert von Moskau offizielle Stellungnahme

Dienstag, 13. Mai 2014

Bukarest (ADZ) - Russlands Vizepremier Dmitri Rogosin hat Rumänien am Wochenende per Twitter mit einem Bomber-Überflug gedroht, nachdem ihm aufgrund der gegen ihn bestehenden EU-Sanktionen der Überflug mit einer zivilen Maschine verweigert wurde: „Rumänien hat den Luftraum infolge einer Aufforderung der USA für mein Flugzeug gesperrt ... das nächste Mal komme ich mit einer Tupolew 160“, twitterte Rogosin. Letztere ist ein strategischer Langstreckenbomber.

Der russische Hardliner war nach einer recht abenteuerlichen Reise in das vom Nachbarland Moldau abtrünnige Transnistrien in Rage geraten. Rogosin hatte den 9. Mai bzw. Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg mit den transnistrischen Separatisten gefeiert, doch verweigerten ihm zunächst die Ukraine und dann auch Rumänien den Überflug, sodass er Moskau letztlich mit einem Linienflug erreichte.

Das Außenministerium in Bukarest reagierte scharf: Die Drohung des russischen Vizepremiers mit dem Einsatz eines Ultraschallbombers stelle im aktuellen Kontext eine schwerwiegende Erklärung dar – man erinnere daran, dass Rumänien NATO- und EU-Mitglied sei. Moskau sei aufgefordert klarzustellen, ob Rogosins Äußerung die offizielle Position der russischen Regierung sei, hieß es in einer Mitteilung. Eine Antwort Moskaus darauf stand am Montag zwar aus, nicht aber eine weitere Pöbelei Rogosins: Man werde den „Herren aus Rumänien“ schon bald „erklären, wer  sie sind und was wir von ihnen halten“.

Staatschef Traian Băsescu wertete am Sonntag in einem Fernsehgespräch dessen Bomberdrohung als „völlig unüberlegt“. Rogosin sei wohl „genervt“ gewesen oder habe „zu viel Wodka intus“ gehabt. Zwar sei er russischer Vizepremier, doch stelle seine Aussage für Rumänien „bis zum Gegenbeweis“ keinen offiziellen Standpunkt der Behörden in Moskau dar. Premier Victor Ponta bezeichnete Rogosin als „Provokateur“.

Im Eklat um Rogosins Drohung verwies der bekannte Politologe und Russland-Experte Dan Dungaciu auf die vom Kreml seit Jahren bevorzugte Strategie bzw. Rollenverteilung – es liege auf der Hand, dass Rogosin oder Extremist  Wladimir  Schirinowski nach Herzenslust pöbeln dürfen, damit Kreml-Chef Putin vergleichsweise umso besonnener und zurückhaltender scheine.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 20.05 2014, 18:46
@Linares: willfährige Vasallen triff es ziemlich genau
Alexander, 13.05 2014, 23:15
Wenn die EU inkl. Rumänien Sanktionen beschließt, dann darf man wohl erwarten, dass auch wirklich alle diese Sanktionen durchsetzen. Und dazu gehört dann eben auch, dass für Rogosin der Luftraum des EU-Landes Rumänien gesperrt ist, denn es besteht ein Einreiseverbot für ihn. Wenn sich Rumänien nicht an gemeinsame Beschlüsse halten würde, könnten Rumäniens Partner ebenso verfahren, wenn ...
Linares, 13.05 2014, 21:41
Wenn ich einem Idioten, der staendig mit seinem X5 meine Einfahrt zuparkt, androhe, beim naechsten Mal werde ich seinen Schrotthaufen mit dem Bolldozer wegraeumen, meine ich das ebenso ernst wie die "Drohung" Rogosins, er komme beim naechsten Mal mit dem Langstreckenbomber. Darueberhinaus muss man auch fragen, warum der Ueberflug verweigert wurde. Sind wir eigentlich als Staat noch souveraen oder willfaehrige Vasallen der Vereinigten Staaten von Amerika, die sofort tanzen, wenn der Yankee pfeift ?
Anonymous, 13.05 2014, 04:28
Dazu schreibt Christian Schoger (Siebenbürgische Zeitung) im Pressespiegel der Siebenbürgischen Zeitung Online http://www.siebenbuerger.de/forum/allgemein/572-pressespiegel/seite20.html :

Ein aktuelles Musterbeispiel, wie russische Mainstream-Medien manipulieren und Stimmungen schüren:

Die STIMME RUSSLANDS (10. Mai 2014: siehe Pressespiegel vom 12. Mai 2014) meldet: "Rumänien schließt Luftraum für Dmitri Rogosin"
Des Weiteren wird berichtet:
"Der Sondervertreter des russischen Präsidenten für Transnistrien, Dmitri Rogosin, der zu Besuch in Tiraspol weilt, teilt mit, dass die Ukraine und Rumänien sein Flugzeug nicht in ihren Luftraum lassen. 'Rumänien hat nach Anforderung der USA den Luftraum für mein Flugzeug gesperrt. Die Ukraine lässt mich nach wie vor nicht durch', schrieb Rogosin in seinen Twitter. Zuvor wurde berichtet, dass das Flugzeug mit Rogosin, das unterwegs nach Kischinau war, nicht in den Luftraum der Ukraine gelassen wurde."

Was die Stimme Russlands geflissentlich verschweigt, lässt sich in der F.A.Z. nachlesen, denn Rogosin hat noch mehr getwittert: „In der Twitter-Nachricht Rogosins hieß es: 'Rumänien hat den Luftraum nach Aufforderung durch die USA für mein Flugzeug gesperrt ... das nächste Mal komme ich mit einer TU 160.' Die Tupolew 160 ist ein strategischer Langstreckenbomber.“
Die Stimme Russlands "kürzt" diese recht unverhohlene Drohung. In den nachfolgenden Leserkommentaren wird Rumänien infolgedessen hart angegriffen. Dass die Redaktion der Stimme Russlands dann auch diffamierende Kommentare wie den von Zurek („Die Rumänen sind Schweine ( pigs ) genauso wie die Polen kriechen sie den USA in den Arsch !“) nicht "kürzt", macht die Angelegenheit nur noch schlimmer.
Vor wenigen Tagen erst hat Wladimir Putin Hunderte linientreue Journalisten mit dem Vaterlands-Orden ausgezeichnet für ihre "hohe Professionalität und Objektivität"
(siehe Spiegel Online: Putin ehrt Hunderte Journalisten für Krim-Berichterstattung: http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-berichterstattung-putin-ehrt-hunderte-journalisten-a-967617.html).
Die Stimme Russlands scheint da keine unrühmliche Ausnahme machen zu wollen.

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