Nachhaltige Sozialwirtschaft fasst Fuß in Rumänien

Projekt für gefährdete Gruppen gestartet

Freitag, 06. Februar 2015

Laura Lazăr und Daniela Boloboi von Helpautism (v.r.), Mihail Tănase von dem Verein Pro Vita, Ciprian Stanciu von dem Verein Mâna de Lucru, Raluca Nica von Liga Română pentru Sănătate Mintală und Lucian Radu von Asociaţia Naţională de Interes Public, erklärten, wie das Projekt „Entwicklung der Wirtschaft für soziale Nachhaltigkeit“ (DESS) durchgeführt wird.
Foto: Aida Ivan

„In Menschen investieren“ – unter diesem Motto wird das Projekt „Entwicklung der Wirtschaft für soziale Nachhaltigkeit“ (DESS) in mehreren Kreisen landesweit durchgeführt, das letzte Woche im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt wurde. Daran arbeiten verschiedene Organisationen zusammen: Zu den DESS-Partnern zählen Daniela Bololoi seitens des Vereins HelpAutism, Mihail Tănase seitens des Vereins Pro Vita, Ciprian Stanciu von der Stiftung Mâna de lucru, Raluca Nica von Liga Română pentru Sănătate Mintală und Lucian Radu von Asociţia Naţională de Interes Public. Ihrer Zusammenarbeit liegt das Gutachten jedes Teilnehmers zugrunde. „Auf diese Weise wird finanzielle Nachhaltigkeit bei jeder Etappe sichergestellt“, erklärt Laura Lazăr, Vertreterin des Vereins Helpautism.

DESS visiert gefährdete Gruppen an und wird von europäischen Geldern finanziert. Das Projekt dauert bis Dezember 2015 und kostet mehr als 7,5 Millionen Lei. Durch DESS wird die soziale Inklusion gefördert: „Wir möchten neue Strukturen für Sozialwirtschaft entwickeln, nämlich sieben Unternehmen, die Arbeitsstellen für die Personen aus den gefährdeten Gruppen schaffen werden. Wir möchten eine inklusive und zusammenhaltende Gesellschaft gestalten“, informierte Laura Lazăr. Eines der Ziele des DESS ist es, 53 Arbeitsplätze zu schaffen – 35 davon, also 66 Prozent, werden von Leuten aus den gefährdeten Gruppen besetzt. Die Organisatoren nehmen sich vor, weitere 1300 Menschen über die Vorteile und Gelegenheiten im Bereich der Sozialwirtschaft zu informieren. Die eingebundenen Kreise sind Ilfov, Prahova, Tulcea, Karasch-Severin und Temesch. Zur Zielgruppe gehören Menschen mit verschiedenen Behinderungen, ohne Studien, ohne Arbeitsstellen, mit mehr als zwei Kindern oder aus alleinerziehenden Familien oder Leute aus isolierten Ortschaften. Auf dem Programm stehen auch die Berufsbildung für 300 Menschen als Manager und Unternehmer für Sozialwirtschaft, Assistenten für Behinderte und Kommunikation-Spezialisten und die Beratung für 600 Leute.

Erwähnt wurde das Gesetz für Sozialwirtschaft, das seit einiger Zeit in der Abgeordnetenkammer liegt und noch nicht verabschiedet wurde. Präsentiert wurden bei der Pressekonferenz sieben Unternehmen für Sozialwirtschaft, die demnächst auf die Beine gestellt werden. „Wir sind die Pioniere der Gründung von Strukturen für Sozialwirtschaft“, erklärte Daniela Bololoi, Präsidentin des Vereins Helpautism.
„Die Eltern der Kinder sind nicht nur Nutznießer, sie engagieren sich für das Sammeln von Fonds zusammen mit uns, um die Tätigkeit des Vereins zu unterstützen. Sie sind Botschafter unseres Zieles“, stellte sie klar. Auf Initiative von Helpautism wird ein Unternehmen gegründet, das sich mit der Grafik, mit dem Design und dem Ausdrucken von Materialien für Kinder mit Behinderungen beschäftigt. Diese brauchen spezifische Materialien, die an ihre Bedürfnisse angepasst sind. Solche gibt es zu diesem Zeitpunkt in Rumänien nicht. Daniela Boloboi ist selbst die Mutter von einem autistischen Kind.

„Ich hatte jede Nacht die Aufgabe, die Materialien für die Therapie meines Sohnes auszudrucken, zu laminieren, auszuschneiden. Es gab damals diese Art von Materialien nicht. Ich bekam von den Psychologen Bilder und jeden Morgen kritisierten sie meine Arbeit, da es nicht genug war. Sie konnten mit dem Kind nicht arbeiten und ich fühlte mich dafür verantwortlich und schuldig“, erzählt sie. Aus diesem Bedarf entstand der Wunsch des Vereins. „Es gibt jetzt eine Firma, die uns hilft und diese Materialien ausdruckt. Wir möchten das selbst machen. Das ist eng verbunden mit den Bedürfnissen der Gruppe, mit der wir arbeiten. Wir haben diesen Bedarf im Rahmen unserer Aktivität identifiziert“, erklärte Boloboi weiter.

Ein zweites Unternehmen soll Holzspielzeuge für Kinder mit Behinderungen anfertigen. Dafür wurde Bozovici, eine ganz isolierte Ortschaft im Kreis Karasch- Severin ausgewählt. Ein Spielplatz, angepasst an Kinder mit Behinderungen und mit qualifizierten Arbeitskräften, wird in Bukarest errichtet, denn in der Hauptstadt befinden sich die meisten Nutznießer von Helpautism. „Ein Zentrum zum Spielen und Treffen speziell für Kinder mit Behinderungen gibt es hierzulande nicht“, meint Boloboi. Auch in Tunari soll ein ähnliches Zentrum entstehen. An diesen Orten können auch die Holzspielzeuge verkauft werden. Ein weiteres Unternehmen soll für die Organisation von Veranstaltungen sorgen, zu denen Gäste ohne Behinderung eingeladen werden. Diese können die Gemeinschaft unterstützen und für Toleranz werben. Mihail Tănase von dem Verein Pro Vita sprach über das Unternehmen, das qualitätsvolle traditionelle Souvenirs herstellen soll: „Eine Marktforschungsstudie zeigte, dass es keine gibt“, meinte Tănase. Gefördert wird auch der Wassertourismus. Auf diese Weise werden die Gemeinschaften in Prahova – Valea Plopului, Vălenii de Munte, Ploieşti und Tulcea unterstützt.  „Da haben wir die Nutznießer unseres Vereins, wir versuchen ihnen zu helfen“, erklärte Tănase.

Zu Wort kam auch Ciprian Stanciu von dem Verein Mâna de Lucru. Der Verein kümmert sich um
Erwachsene mit Downsyndrom. Diese werden bewusster und fragen sich, warum sie keine Arbeitsstelle haben, warum sie dies und das nicht machen können. Aus diesem Grund werden sie traurig. „Wir werden sechs Erwachsene anstellen. Wir haben mit unserem Psychologen die Nutznießer evaluiert. Wir haben die Gartenarbeit ausgewählt, weil das die beste Lösung für sie ist. Sie können das zukünftig machen und in Ilfov, wo wir den Sitz der Stiftung haben, gibt es viel Potenzial für die Einrichtung von Grünanlagen“, erklärt Stanciu.

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