Nationale Medienkampagne für Kinderkrankenhaus

Leitung sucht Ausweg aus langjährigem Immobilienstreit

Donnerstag, 02. Februar 2012

Immobilienstreit: Das Kinderkrankenhaus „Louis Ţurcanu“ muss in andere Gebäude umziehen.
Foto: Zoltán Pázmány

Dr. Ovidiu Adam ließ die Katze früh aus dem Sack: Eine groß angelegte Medienkampagne soll Geld für den Bau eines neuen Kinderkrankenhauses sammeln. Der Chirurg beschrieb das Vorhaben als „gewagt und äußerst frech, aber notwendig“. Schließlich ist das Louis-Ţurcanu-Kinderkrankenhaus das zweitgrößte Rumäniens.

Die Ankündigung machte Adam während einer Veranstaltung der Menschenrechtsorganisation O.A.D.O.R. Leicht aufgeregt und mit verschwitzten Händen versuchte er die Lage zu erklären: Zwei wichtige Gebäude, wo die pädiatrische Chirurgie, Pneumologie und Orthopädie untergebracht sind, wurden den rechtmäßigen Eigentümern zurückerstattet. Seit einem Jahr leitet der Chirurg das Louis-Ţurcanu-Krankenhaus, wo er seit 20 Jahren arbeitet. Er kam direkt von der Studentenbank, hatte keine Erfahrungen, sei aber über die Jahre mit dem Krankenhaus als Chirurg gewachsen. Nun soll Adam das renommierte Kinderkrankenhaus retten.

Aus einem der Gebäude droht per Gerichtsbeschluss der Rauswurf. Für das zweite Gebäude wurde eine Monatsmiete in Höhe von 75.000 Lei vereinbart. „Für Gewerbeflächen zahlt man normalerweise diese hohen Summen“, erklärt Adam.  „Ich verstehe nicht, wie ein Kinderkrankenhaus in diese Kategorie fällt.“

Die nach Deutschland ausgewanderte Henrietta Reiber sieht sich im Recht. Das Gesetz zumindest ist auf ihrer Seite. Die Schuld sucht Adam nicht bei den Eigentümern sondern beim Staat. Den Enteignungsopfern hätte der Staat Schadensersatz in Höhe des Grundstückswertes zahlen müssen. Zumindest steht es so im Gesetz 10/2001. Die Stadt und die Krankenhausleitung sehen die Rückerstattung als gesetzeswidrig an und sind deswegen vor Gericht gegangen.

Doch für Adam steht das Krankenhaus „Louis }urcanu“ auf verlorenem Posten. Er habe Reiber in Deutschland besucht und ihr die Lage erklärt. „Bei uns kursierten Gerüchte, wonach Frau Reiber über unser Problem nicht im Bilde sei. Ich habe es als meine Pflicht empfunden, mit ihr eine persönliche Unterredung zu führen“, sagt Adam. Dabei sprach er auch das Problem der neu errichteten Immobilie an, die in den 1990er durch die Stiftung Zukunft für Rumänien gebaut wurde. Zwei Millionen deutsche Mark kostete das damalige Projekt. Für die Kosten kam der deutsche Steuerzahler auf. Das Gebäude wurde ebenfalls der Grundstücksbesitzerin zugesprochen.

Sie sei bereit das Grundstück zu verkaufen, nur lässt sich kein Käufer finden. Weder das Gesundheitsministerium, noch die Stadt hätten die nötigen Gelder. Für den Manager eine Sackgasse, in die auch seine Vorgänger gelaufen sind. Anfang 2000 wurde bereits mit dem Bau eines neuen Gebäudes für das Kinderkrankenhaus begonnen. Man legte damals das Fundament an, nur wenige Monate später wurden die Bauarbeiten eingestellt.

Auf dem alten Fundament möchte Adam nun das neue Kinderkrankenhaus bauen. Der  Plan für das inzwischen rund zehn Jahre alte Bauprojekt wurde verändert, um das heutige Platzproblem zu lösen und den Großteil der Krankenstationen unterzubringen. Der entscheidende Faktor Geld hängt von der Spendenaktion ab, die Ende Februar voraussichtlich starten soll. Fernsehpersönlichkeiten wie Florin Călinescu, Dan Negru, Virgil Ianţu und Dana Războiu wurden um ihre Unterstützung gebeten. Auch an ein Motto hat der Chirurg bereits gedacht: Spende einen Leu für dein Kind.

„Es ist keine Frage von Prestige oder falschem Ehrgeiz, sondern eine Notwendigkeit“, meint der Chirurg. Auch 2011 hat das Louis-}urcanu-Kinderkrankenhaus 19.000 Fälle behandelt. 2000 mehr als die Krankenkasse tragen konnte. 2012 sollen weitere Einsparungen folgen. Nur rund 15.000 Fälle wird die Krankenkasse tragen können, schätzt Adam. Trotzdem werden kaum Kompromisse eingegangen. „Jeder versucht, uns entgegenzukommen, weil es sich bei unseren Patienten schließlich um Kinder handelt“, sagt Adam. „Ich glaube, dass wir das einzige Krankenhaus aus der Stadt sind, wo unsere Patienten nichts von zuhause mitbringen müssen.“

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