Naturpark Văcăreşti: Neue Führung ab Herbst

Geschichten sind der „Treibstoff“ für die Organisation Cultour

Sonntag, 30. Juli 2017

Überblick über den städtischen Naturpark in Bukarest

Besuch des Naturparks mit Carmen Ciuraru von der NGO Cultour, die ab Herbst eine Führung durch Văcăreşti organisiert

Cristian Lascu im Ausstellungsraum der NGO Parcul Natural Văcăreşti
Fotos: die Verfasserin

Es ist ein besonders heißer Sommervormittag, an dem eine Handvoll Menschen im Lift eines Bukarester Hochhauses steht und die kühle Luft drinnen erleichtert einatmet. Nach einem Gespräch mit Dan Barbulescu und Cristian Lascu vom Verein des Naturparks Văcăreşti darf die kleine Journalistengruppe den Ausstellungsraum der Organisation in der letzten Etage des riesigen Gebäudes besuchen. Hier ist nicht nur die Schau zu sehen, sondern auch ein überraschender Aussichtspunkt über das kleine, lichtdurchflutete Delta Văcăreşti. Wie am Wasserfall klicken die professionellen Kameras, hinter denen Journalisten zufrieden schmunzeln.

Begleitet werden die Presseleute von Carmen Ciuraru, Mitbegründerin des Vereins Cultour. Cultour organisiert Führungen in der Hauptstadt seit mehreren Jahren. Die Thematik der Veranstaltungen wird immer wieder geändert, damit das Interesse von Fremdenführern und Kulturfreunden wach gehalten wird. Nun soll eine neue Führung für Văcăreşti entstehen. Es geht diesmal um eine kleine Vorschau für Journalisten, die Führung durch den Naturpark wird ab Herbst für das breite Publikum verfügbar sein.

Cristian Lascu führt souverän durch den Park, zeigt Pflanzen und Ecken, die besonders wichtig sind, erzählt vom britischen Prinzen Charles, der unlängst den Naturpark besuchte, und erklärt Pläne für das Naturschutzgebiet, das angemessen für Touristen eingerichtet wird. Bald aber verschwindet er und die kleine Gruppe kann noch in Ruhe die Landschaft genießen, eifrig Vögel fotografieren, kleine Teiche erkunden und sich über die Natur in der Mitte der Hauptstadt wundern. Die Einführung in die Thematik Park Văcăreşti hatte Ciuraru schon vor dem Besuch bei Lascu gemacht – Fakten aus den vergangenen Jahrhunderten, Informationen über die Entstehung des Gebietes und seine Dimensionen, zahlreiche Darstellungen, die alle Sinne einschließen. Mit sanfter Stimme erzählt Carmen Ciuraru Anekdoten zur Veranschaulichung der Geschichte des Ortes. Das ist ihr Kompetenzbereich. Wie ist es aber dazu gekommen?

Geschichten als touristische Ressourcen

Die Organisation, die sie gründete, basiert auf Werten wie ansteckender Leidenschaft, Erziehung für ein vielfältiges Publikum, verantwortlichem Tourismus und der Mitverantwortung des Publikums, das eine positive Wirkung auf die Gemeinschaft haben soll. Die Cultour-Führungen sollen immer wieder eine neue Perspektive auf die Stadt bieten: Ziel ist, eine Gemeinschaft aufzubauen, die das lokale Kulturerbe zu schätzen weiß. „Wir glauben, dass Menschen die Stadt lieben werden, wenn sie ihre Geschichten kennen – langfristig werden sie sich um die Stadt kümmern und sie respektieren“, sagt Ciuraru. Sie arbeitet mit Fremdenführern und Volontären, die für Führungen recherchieren und dann diese organisieren. „Wir wollen Einwohner mit Touristen verbinden, damit diese in verschiedenen Städten schöne Geschichten entdecken, gute Freunde finden und Inspiration für weitere Reisen“, meint Ciuraru.

Der Verein Cultour organisiert sowohl tägliche geführte Rundgänge für ausländische Touristen – Walkabout Free Tours - als auch Führungen, Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen für das lokale und auswärtige Publikum seit mehreren Jahren. „Was die täglichen Führungen auf Englisch anbelangt,waren viele Einwohner begeistert, nachdem sie vorbeigekommen waren. Jetzt empfehlen sie ihren Gästen, uns zu besuchen“, sagt Carmen Ciuraru. Im Laufe der Zeit ist eine immer größere Gemeinschaft von Einwohnern entstanden, die Interesse an bisher unbekannten Geschichten oder am Kulturerbe zeigen. Diese wünschen sich einen interaktiven Rundgang, bei dem sie die Stadt in allen Einzelheiten erkunden können. „Ab diesem Jahr werden alle Führungen und städtischen Entdeckungsausflüge, die in verschiedenen Teilen von Bukarest durchgeführt werden, sowohl auf Englisch als auch auf Rumänisch stattfinden. Die zwei Gruppen sollen in Wechselwirkung miteinander treten und auf diese Weise Verbindungen zwischen Einwohnern, Auswanderern und Touristen herstellen“, so Ciuraru. Das Angebot in der Hauptstadt ist großzügig: Jeden Tag werden zwei Rundgänge gemacht. Zwischen April und Oktober um 10.30 und 18 Uhr und zwischen November und März um 10.30 und 15 Uhr. Die Touristen bekommen kostenlos Stadtpläne und Beratung am Informationszentrum. Thematische Führungen werden außerdem monatlich organisiert. Die beliebtesten Führungen in Bukarest waren die, die im Stadtteil Uranus durchgeführt wurden.

„Es gibt immer Geschichten, die Leute nicht kennen“

Das Projekt Walkabout Free Tours (kostenfreie Führungen durch die Stadt) wird auch in Kronstadt/Braşov durchgeführt: „Wir sind jetzt in beiden Städten anwesend und haben immer mehrere Touristen, die uns besuchen. Bis jetzt haben insgesamt über 60.000 Touristen in Bukarest und über 20.000 Touristen in Kronstadt an den Führungen teilgenommen“, so Ciuraru. Die Organisatoren haben gelernt, sich dem lokalen Publikum anzupassen. „Leute beteiligen sich immer wieder an unseren Projekten, um mehr über die Stadt zu erfahren.“
Wieso wurde aber Kronstadt die zweite Stadt, in der das Projekt Walkabout Free Tours stattfindet? „Kronstadt hat ein gewaltiges touristisches Potenzial, es gibt eine direkte Verbindung zu Bukarest – es ist eine Strecke, die von den meisten Touristen befahren wird“, so Ciuraru über ihre Heimatstadt. Künftig soll das Projekt in mindestens drei weiteren rumänischen Städten nach denselben Prinzipien entwickelt werden. „Es gibt immer Geschichten, die Leute nicht kennen, die neue Perspektiven bringen können“, sagt Ciuraru.

Fragt man Carmen Ciuraru, ob sie ein Lieblingsprojekt hat, so erfährt man, dass sie die Vielfältigkeit am meisten schätzt. „Walkabout Free Tours – die Führungen, mit denen wir angefangen haben, durch die man jeden Tag im Urlaub mit Touristen aus der ganzen Welt sein kann, versorgen mich ständig mit Energie. Die Kinderrundgänge und die städtischen Schatzsuchen für Kinder sind sehr dynamisch und bringen alle zum Lachen. Alle anderen thematischen Führungen faszinieren mich, da ich pausenlos neue Themen, vergessene Häuser, interessante Geschichten und leidenschaftliche Leute entdecke. Da ich die Natur liebe, liegen mir die Führungen in Văcăreşti am Herzen“.

Das erste Projekt der Organisation – Walkabout Free Tours – ist inzwischen auch das größte. Die Führung gilt als die beste in Bukarest – auf der internationalen Plattform Tripadvisor belegt diese den ersten Platz mit mehr als 1300 Bewertungen, die sie als „ausgezeichnet“ einstufen. Erwähnenswert sind noch die erste Ausstellung der Organisation über wichtige rumänische Frauen (die ADZ berichtete http://www.adz.ro/artikel/artikel/kuehne-rumaeninnen-im-mittelpunkt/ ) und das Kulturprojekt „Geschichte in der ersten Person“ in Kronstadt. Bei dem Projekt werden acht historische Persönlichkeiten in Kronstadt „wiederbelebt“, damit diese Einwohnern und Touristen von sich selbst erzählen. Zu den Partnern der Organisation zählen unter anderem das Internationale Musikfestival George Enescu, die Organisation Parcul Natural Văcăreşti, die Pfadfinder Rumäniens und das Museum Casa Mureşenilor in Kronstadt.

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