Neue Anklage gegen Schmiergelddoktor

Sebastian Telbis wird jetzt wegen Geldwäscherei belangt

Montag, 20. Juli 2015

Reschitza – Sebastian Telbis, der Ex-Chefarzt des Rentenamtes Karasch-Severin, der gegenwärtig eine dreijährige Gefängnisstrafe absitzt wegen nachgewiesener Schmiergeldannahme in 291 Fällen, ist von den Staatsanwälten des Obersten Justiz- und Kassationshofs Bukarest jetzt der Geldwäsche angeklagt worden. Telbis war im Banater Bergland über Jahrzehnte dafür bekannt, dass er den „Antragstellern“ „Aufmerksamkeiten“ wie Behindertenrenten oder Renten wegen verminderter Arbeitsfähigkeit „beschaffte“, indem er die ärztlichen Befunde dahingehend fälschte. Nachgewiesen wurde ihm allerdings nur, dass er in der Zeitspanne 3. Februar – 13. März 2014 als Chefarzt für ärztliche Expertisen der Dienststelle für Medizinische Evaluierungen der Rentenversicherungskasse Karasch-Severin in 291 Fällen Schmiergeld angenommen hat.

Anlässlich seiner Verurteilung wurde ihm auch ein beträchtlicher Teil seines nachgewiesenermaßen illegal erworbenen Vermögens – das vorher, während der Strafuntersuchungen, mit Beschlag belegt wurde – eingezogen, so dass er nur mit etwa zwei Drittel seines auf weit über eine Million Euro geschätzten Vermögens (Bargeld, auch auf Auslandskonten, Fahrzeuge, teure Jagdausrüstungen, Immobilien) blieb. Da er aber einen beträchtlichen Teil seiner flüssigen Mittel in den letzten Jahren (2011-2014) auf den Namen seiner praktisch einkommenslosen Tochter angelegt hatte – sie ist Studentin in Temeswar – startete die Staatsanwaltschaft des Obersten Justiz- und Kassationshofs eine Strafuntersuchung wegen Geldwäsche gegen den im Gefängnis einsitzenden Schmiergeldspezialisten.

Die Untersuchungen konzentrierten sich auf zwei Fahrzeuge, zwei Appartements in Temeswar und zwei Garagen ebendort, die Telbis in der betreffenden Zeitspanne auf den Namen seiner Tochter gekauft hatte. „Durch diese Modalität vermied er deren Auflistung in seiner alljährlichen Vermögenserklärung und auch in jener seiner Frau, die damals noch Richterin am Kreisgericht Karasch-Severin in Reschitza war“, heißt es in der Anklageschrift der Staatsanwälte, die dem zuständigen Kreisgericht in Reschitza dieser Tage übergeben und von dieser öffentlich bekanntgemacht wurde, „und er verbarg die ungesetzliche Herkunft dieser Vermögenswerte, die auf Korruptionstaten beruhten.“

„Wir erinnern daran“, heißt es in der Anklageschrift der Bukarester Staatsanwälte weiter, „dass Telbis Sebastian in seiner Funktion als Gutachterchef der Sozialversicherungskasse diverse Geldsummen und sonstigen materiellen Nutzen von seinen Patienten annahm, um medizinische Entscheidungen hinsichtlich ihrer Arbeitsfähigkeit zu treffen, durch welche diese, fallweise, entweder mit einem Invaliditätsgrad pensioniert oder deren Invaliditätsrente verlängert wurde, was übrigens zu den spezifischen Aufgaben seiner Dienststelle gehörte.“ Die Staatsanwälte unterstreichen – ähnlich wie in der ersten Anklageschrift im Schmiergeldprozess, deretwegen Telbis jetzt im Gefängnis einsitzt – dass weder der Lohn von Sebastian Telbis, noch das Einkommen der Familie, also zusammengelegt mit dem Lohnaufkommen seiner Frau, der Richterin, ausreichend waren, um ein solches Volumen von Ankäufen binnen so kurzer Zeit, 2011-2014, zu rechtfertigen, das, allein aufgrund der Kaufverträge, rund eine Viertel Million Euro ausmacht.

Kommentare zu diesem Artikel

Rolf Joachim, 21.07 2015, 20:29
Das mit dem Gutachterwesen ist bei uns in Deutschland noch viel Schlimmer.
Allerdings haben die "kleinen Leute" da eher Nachteile. Sie müssen gegen millionenschwere Versicherungskonzerne und Berufsgenossenschaften ankämpfen.
Genug "schmieren" können nur diese Konzerne.
Und die Justiz urteilt nach den vorliegenden Gutachten. Und ein Richter wird danach beurteilt, wie schnell er ein Verfahren abgeschlossen hat, Das ist Gerechtigkeit in einer "Demokratie" a`la Deutschland.

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