Neue Erkenntnisse zu „Colectiv“-Tragödie: Feuerwehr der Lüge überführt

Drei Chefs des Katastrophenschutzes vom Amt suspendiert

Freitag, 27. November 2015

Bukarest (ADZ) - Knapp einen Monat nach dem verheerenden Brand im hauptstädtischen Nachtclub „Colectiv“ zeichnet sich in den Ermittlungen zu dem Fall nun eine Kehrtwende ab: Wie das Sportblatt „Gazeta Sporturilor“ am Mittwoch in einem Beitrag ihres Chefredakteurs Cătălin Tolontan berichtete, hatte der Bukarester Katastrophenschutz (ISU) über die Existenz des Unglücksclubs nicht nur Bescheid gewusst, sondern vor Ort sogar wenige Wochen vor der Tragödie Musikevents weit größeren Ausmaßes genehmigt.

Der von Staatssekretär Raed Arafat koordinierte Katastrophenschutz hatte bisher stets behauptet, von der Existenz des Clubs nichts gewusst und diesem daher auch keine Brandschutzgenehmigung erteilt zu haben.
In seinem Beitrag stellt Investigativ-Journalist Tolontan allerdings unter Beweis, dass einer der größten Eventveranstalter des Landes, Emagic, den Katastrophenschutz am 23. September per Fax über ein „für den 25. und 26. September geplantes Musikfestival im Club Colectiv sowie im 1. Stockwerk des Gebäudes mit geschätzten 2000 Gästen pro Abend“ unterrichtet hatte. In einer E-Mail ließ die Feuerwehr den Veranstalter daraufhin wissen, dass sein geplantes Event „nicht in die Kategorie von Veranstaltungen mit hohem Risikograd“ falle und entsprechend genehmigt werde. Von einer Kontrolle vor Ort sah die Feuerwehr ab.

Raed Arafat beteuerte am Mittwoch, nichts von alldem gewusst zu haben – er sei offenkundig von der ISU-Leitung belogen worden. Einen Rücktritt lehnte der schon seit geraumer Zeit wegen angeblich säumigen Rettungsaktionen in die Kritik geratene Staatssekretär ab.

Premier Dacian Cioloş forderte Innenminister Petre Tobă auf sicherzustellen, dass „die Schuldigen entlassen und nie mehr beim Katastrophenschutz beschäftigt werden“. Staatssekretär Arafat sei aufgefordert, umgehend Pläne zur grundlegenden Reform des ISU vorzulegen, fügte Cioloş hinzu. Der Chef des Katastrophenschutzes Bukarest, Mihai Guţă, und seine Stellvertreter Orlando Şchiopu und Giani Aldoiu wurden wenig später vom Amt suspendiert und am Abend bereits von der in der Causa „Colectiv“ ermittelnden Antikorruptionsbehörde DNA als Zeugen verhört.

Kommentare zu diesem Artikel

Ottmar, 29.11 2015, 23:46
Tourist es wuerde schon reichen wenn die praepotenten rumaenischen Autofahrer einem mit Blaulicht fahrenden Notarztwagen Platz machen wuerden. In Mitteleuropa geht das jedenfalls.
Tourist, 29.11 2015, 09:11
freiwillige Feuerwehren gibt es auch in Westeuropa nur am Land und in Kleinstädten, nicht aber in Millionenmetropolen wie Bukarest. Aber am Land wär's schon nicht schlecht, wenn so etwas entstehen würde, gerade wo viele Dörfer mehr als 30 Autominuten vom nächsten Krankenhaus entfernt sind (merke, die Rettung muss diese Strecke zwei mal fahren, einmal hin und dann zurück, also braucht der Opa mit Herzinfarkt mindestens eine Stunde oder mehr bis ins Spital, dann ist es meistens eh schon zu spät)
Manfred, 27.11 2015, 22:02
Für die Rumänen muß diese Meldung ein Desaster sein,schließlich rangierte die Feuerwehr in der Vertrauenswürdigkeitsskala auf Platz 1....Gründet überall gemeinnützige "freiwillige Feuerwehren" nach weteuropäischem Modell,das ist mein Rat.
Alfred, 27.11 2015, 14:23
...kein Kommentar.

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