Neue Hermannstädter Chronik

Ioan Mariş stellte Fortsetzung der Chronik von Emil Sigerus vor

Freitag, 26. Juli 2013

Der „Chronist“ Ion Mariş (l.) und Dr. Vasile Cioban bei der Buchvorstellung. Foto: Andrey Kolobov

Hermannstadt - Eine „Andere Chronik der Stadt Hermannstadt“ (O altă cronică a Sibiului – Hermannstadt 1930-2000) wurde am Mittwoch im Festsaal der Astra-Bibliothek dem Publikum vorgestellt. Auf 440 Seiten stellt Ion Mariş, der langjährige Leiter der Astra-Bibliothek, die Ereignisse aus den letzten 70 Jahren des vergangenen Jahrhunderts dar. Die „Andere Chronik“ schließt an die „Chronik der Stadt Hermannstadt 1100-1929“ von Emil Sigerus an.

Die Buchvorstellung übernahm Prof. Dr. Vasile Ciobanu vom Institut für Geisteswissenschaften. Er lobte das Werk als „einen unabdingbaren Teil jedes Handapparats“, als ein „notwendiges und lang erwartetes Werkzeug für die Forscher“. Jedoch bestätigte er, dass die Auswahl der Ereignisse, die im Buch ihren Platz fanden, eine subjektive Meinung des Autoren darstellen. So bemängelte Ciobanu zum Beispiel die geringen Informationen über die deutsche Minderheit. Ein Beispiel verdeutlicht, dass das Buch als historische „Chronik“ kritisch betracht werden sollte. Für den 19. Januar 1945 heißt es lakonisch: „Abreise der Sachsen zur Arbeit nach Russland: Victor Bergner und Desideriu Lidner (Lindner?) geben Erklärungen ab mit Blick auf den Beitrag der Sachsen im Krieg. Sie gehen freiwillig nach Russland“.

Seinerseits erinnerte Ion Mariş daran, dass in seiner Chronik über 8000 Ereignisse verzeichnet sind, die nicht nur in Hermannstadt/Sibiu, sondern auch solche, die in Bukarest oder Paris stattfanden, Hermannstadt aber betrafen. So wie zu Beispiel der Einmarsch der sowjetischen Truppen in Bukarest am 29. August 1944. „Entschuldigt mich, dass ich im Buch nicht alle erwähnt habe. Es ist schließlich keine Seelenmesse“, wandte sich der Autor an das Publikum.

Der Band wurde mit alten Werbeplakaten illustriert, die in Hermannstadt hergestellte Produkte bzw. in der Stadt ansässige Unternehmen vorstellen. Als Quellen dienten Mari{ in erster Linie lokale Zeitungen und Publikationen in rumänischer, ungarischer und deutscher Sprache, darunter das Jahrbuch des Brukenthalgymnasiums und auch die „Hermannstädter Zeitung“.

Das Buch (978-6069335956) ist im Verlag Editura Armanis erschienen. Neben der inhaltlichen Kritik an der mangelnden Berücksichtigung der deutschen Minderheit lassen auch die Qualität von Druck und Bindung des Buches zu wünschen übrig. Interessant ist im Anhang ein Verzeichnis von Straßennamen aus dem Jahr 1933 sowie ein weiteres mit den Straßenumbenennungen aus dem Jahr 1947- leider fehlen hier die heutigen Bezeichnungen. Mariş hat daneben eine Übersicht über die Bürgermeister der Stadt seit 1309 angefügt. Bei der Buchvorstellung wurde der Wunsch nach einer zweiten Auflage der Chronik geäußert, in die weitere Ereignisse der jüngsten Hermannstädter Geschichte einfließen sollen.

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