Neue Koproduktion zwischen Universität und Theater

„Manifest für den Dialog“ über die Erziehung in der Familie

Donnerstag, 10. November 2016

Auch mit dem Stück #Minor möchte Bogdan Georgescu wieder eine breite gesellschaftliche Diskussion anstoßen. Das Stück Antisocial wurde unter anderem von Radio România Cultural ausgezeichnet.
Foto: Radu-Stanca-Nationaltheater

Hermannstadt – Was bedeutet es in Rumänien ein Minderjähriger zu sein? Bedarf es einer Schule für Eltern? Wie groß ist der Nationalstolz, insbesondere dann, wenn er mit der Leichtigkeit eines Fremden beurteilt wird? Dies sind nur einige der Fragen, mit denen der junge Regisseur und Dramatiker Bogdan Georgescu und eine Gruppe von Hermannstädter Studenten versuchen möchten, die Menschen in sieben Städten des Landes zu einem öffentlichen Dialog zu ermutigen.
Im Rahmen des Projekts „Manifest für den Dialog“ ist „#Minor“ nach „Antisocial“ bereits die zweite Koproduktion zwischen dem Radu-Stanca-Nationaltheater und der Lucian-Blaga-Universität. Inspiriert durch einen realen Fall an einem Lyzeum in Klausenburg/Cluj-Napoca hatte „Antisocial“ im vergangenen Jahr eine Debatte über den Konflikt zwischen den Generationen, Desorientierung und Spannungen in den rumänischen Schulen angestoßen. Das Stück #Minor greift unter anderem zwei Fälle auf, die in diesem Jahr besondere Beachtung fanden.

Zum einen die Situation der Familie Bodnariu, deren Kinder das norwegische Jugendamt zwischen-zeitlich in Obhut genommen hatte und den Skandal an der Bukarester Nationaloper, in welchem ausländische Mitarbeiter beleidigt wurden und Kulturminister Vlad Alexandrescu seinen Posten räumen musste. „Was bedeutet Normalität? Was bedeutet Familie als Tradition und Wert in einem Land, in dem die Zahl der in der Familie missbrauchten Kinder jährlich in die Zehntausende geht? Rumänien liegt auf dem letzten Platz in Europa, wenn es um das Empathievermögen geht. Wir können uns nicht in die Lage von anderen versetzen. Niemand lehrt uns, wie wir dies tun können, wie wir den anderen verstehen und Situationen aus anderen Perspektiven beurteilen können. Ich denke, dass es Zeit für einen Dialog ist, um uns Fragen zu stellen und uns nicht gegenseitig unsere Ansichten aufzuzwingen, auch wenn die rumänische Gesellschaft stets die Chance zur Emanzipation verpasst hat“, so Bogdan Georgescu. Die erste Aufführung findet bereits am morgigen Freitag in Neumarkt/Târgu Mureş statt. Weitere Stationen sind Piteşti (13.11.), Ploieşti (14.11.) und Râmnicu Vâlcea (20.11.). In Hermannstadt/Sibiu wird #Minor am Donnerstag, den 24. November, um 19 Uhr, im Gong-Theater aufgeführt, in Klausenburg am 27. November in der Pinselfabrik.

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