Neue Nutzung für Petersberger Gemeindesaal

Donnerstag, 18. Januar 2018

Bis zur Eröffnung erhielt der Gemeindesaal auch ein neues Aussehen.

Das zweckentsprechend eingerichtete Lebensmittelgeschäft bietet ein reiches Angebot auch an anderen Waren und freut sich bei allen Ortsbewohnern großer Nachfrage.

Großes Interesse wurde bei der Eröffnung des Marktes im September des Vorjahres gezeigt.

Einige mögen es schade finden, dass die vor 20 Jahren mit der Rückgabe des Gemeindesaals begonnene Reihe an gemeindeübergreifenden Festlichkeiten im Petersberger Gemeindesaal mit dem letzten Fasching am 26. Februar 2017 zu Ende gegangen ist. Und auch wir, die bisherigen Organisatoren müssen uns noch an diese neue Situation gewöhnen. Doch zuletzt war die Frage auch für uns nicht mehr, ob wir noch können – das tun wir (!) und werden darum andere Aktivitäten finden. Die Frage war, ob wir darin Erfüllung fänden, für Menschen zu organisieren, die nicht an unserer evangelischen und sächsischen Gemeinschaft interessiert sind, sondern die Feste aus der Warte eines Konsumenten begreifen und nutzen. Wir haben die gestellte Frage für uns verneint, denn wir sind Kirche, also Gemeinde, und das Gemeinschaftliche ist das Proprium, nicht der Konsum des Einzelnen. Theoretisch wäre da noch die Möglichkeit gewesen, ein Veranstaltungsbüro zu eröffnen und diesem die Saalverwaltung zu übertragen. Doch wer sollte und wer wollte im Namen und im Sinne der Kirchengemeinde Veranstaltungen planen, die für die Petersberger und nicht (wegen Lärmbelästigung) gegen sie stattzufinden hätten?

Im Jahr 2006 hatten wir uns aufgemacht, ein langfristiges Konzept für den Gemeindesaal zu suchen, denn auch damals schon waren die Klagen „für wen?“ zu hören gewesen. „Centrul cultural săsesc“ hätte es heißen können. Prof. i.R. Mircea Vova Bârsan von der Transilvania-Universität aus Kronstadt hatte darin seine Aufgabe gesehen, das Miteinander und Nebeneinander der Minderheiten im pluralistischen Rumänien als wegweisend und vorzeigefähig für das Zusammenleben der Völker in der Europäischen Union vorzustellen. Ein schöner und guter Gedanke, den auch der Dichter unseres Siebenbürgenliedes so in Worte gefasst hat: „Siebenbürgen, Land der Duldung, jedes Glaubens sichrer Hort…“ Doch waren wir im Jahr 2006 nicht reif für solche hohen Gedanken. Bereits bei der Frage nach der Möglichkeit der Bildung und Integration der Romabevölkerung wurde das Projekt im Presbyterium abgelehnt.

Wir haben dann ein anderes Konzept zur Nutzung gefunden, das uns wieder nach vorne schauen ließ. „Für uns!“ hieß das Motto. Denn auf die Frage: „Für wen?“ fanden wir die Antwort: „Für uns! Für uns, die wir da sind!“ Und so fingen wir an, den Gemeindesaal herrichten und renovieren zu wollen. Im März 2008 hat Architekt Sebastian Szaktilla eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung des Gemeindesaals erstellt. Pläne wurden geschmiedet für eine Restaurierung und Rückführung des Saals in seinen Urzustand. Wir kauften den Garten hinter dem Saal an, um die originalen Zugänge wieder herzustellen. Wir suchten nach alten Fotos, Ansichtskarten und den Originalplänen von 1909, um eine detailgetreue Vorstellung für die Außenrenovierung zu bekommen, studierten die technische Beschreibung von Ing. Neugeboren, um die originale technische Ausstattung im Innenraum zu verstehen. Wir planten, die Galerie zu öffnen und den Raum darunter mit einer großen Holztrennwand (statt der bisherigen Mauern) abzuteilen.

Die beiden Loggien beidseitig der Bühne sollten rehabilitiert werden, eine neue Licht- und Tontechnik sollte her, ein neuer Fußboden, neue Vorhänge, neue Fenster und Türen. Zuletzt suchten wir nach den schmiedeeisernen Balustraden der Loggien – wir fanden sie im Zaun des Nachbarn eingemauert, doch durch Verhandlungsgeschick konnten wir sie noch im Jahr 2015 erwerben. Wir wollten diesen Gemeindesaal erstrahlen lassen im Glanz der Jahre 1909, so wie er einst geplant und fertiggestellt worden war.

Doch durch die mittler-weile eingebrochene Finanzkrise im Jahr 2009 und den Weggang der Allgemeinschule aus den alten Schulgebäuden aus der Schul- und Hintergasse im Jahr 2011 fehlten uns wichtige Einnahmen, um eine schnelle Modernisierung der Technik und eine Generalsanierung voranzutreiben. 200.000 Euro hätten wir seinerzeit gebraucht, die wir am Stück nicht hatten, und durch Mieteinnahmen auch nicht bekommen konnten. Wir mussten kleine Schritte gehen, das Ziel immer vor Augen. Wir erneuerten die Fenster und die Türen nach Zeichnungen von Pfr. Dr. Peter Klein, bekamen eine kleine Verstärkeranlage geschenkt, so dass wir die ursprüngliche Verstärkeranlage in die Kirche umsiedeln konnten. Und noch zu Beginn des Jahres 2016 modernisierten wir die beiden Räume beidseitig der Bühne, also den Durchgang zum WC und zur Küche und dachten daran, eine Spülmaschine und einen Boiler und andere technische Wunderwerke anzuschaffen, um uns das Leben zu erleichtern.

Den Saal abzugeben – das kam uns lange Zeit nicht in den Sinn. Wir waren so erfüllt von der Vision, die wir Jahre zuvor erdacht und erträumt hatten, dass wir alle Versuche des Gemeinderats, diesen Saal für Kulturveranstaltungen jeder Art zu übernehmen, ausschlugen. Wir hatten ja auch ein gutes Argument: Wir organisierten in dem großen Saal - auch in seinem renovierungsbedürftigen Zustand – im Durchschnitt 3 Mal jährlich Kulturveranstaltungen; der „Richter“ beschränkte sich darauf, von solchen zu reden und organisierte – trotz mehrmaliger Einladungen unsererseits – im Saal bloß Wahlveranstaltungen und ab und zu eine Weihnachtsfeier der Schulkinder.

Als dann die Gemeindevertretung die Einstellung der Feierlichkeiten beschlossen hatte, sah es zunächst ziemlich trostlos aus. Wir hatten alle möglichen Konzepte abgelehnt: das sächsische Kulturzentrum, die Veräußerung an den Gemeinderat, die Nutzung für eigne Feste - was war nun zu machen? Sollten wir den Saal verkaufen? Vorsichtig tasteten wir uns auch in diese Richtung vor, doch war uns schnell klar, dass wir diese Möglichkeit nicht verwirklichen wollten. Ein Festsaal im Ortszentrum würde in der Hand eines jeden Investors nächtliche Lärmbelästigung bedeuten. Das wollten wir den Petersberger Anwohnern nicht zumuten!

Und dann, endlich, Licht am Ende des Tunnels! Ein paar Monate, nachdem die Gemeindevertretung die Einstellung der Gemeindefestlichkeiten im großen Saal beschlossen hatte, machte ein Vertreter der Handelskette „Profi“ den Vorschlag: Lebensmittelgeschäft im Gemeindesaal. Und noch ein wenig später kam der Inhaber des kleinen Ladens aus der alten Molkerei gleich nebenan und wollte den Saal haben – auch als Lebensmittelladen. Wir traten ein in eine Reihe von Verhandlungen, und am 20.09.2017 wurde in unserm Gemeindesaal der erste größere Lebensmittelladen von Petersberg eröffnet. Dazu haben wir noch die dritte Außentüre montiert und die hofseitige Fassade neu gestrichen. Um die ganze Innenraumrenovierung, sowie automatische Zugangstüre, Asphaltierung des Hofs und Sickergrube für das Regenwasser kümmerte sich der Mieter.

Ist dieses Alles bedauerlich? Ich meine: Nein! Wir hatten eine schöne Zeit, keine Frage! Eine erfüllte Zeit mit vielen Erinnerungen und kostbaren Momenten, mit Visionen und guter Motivation, mit vielen Helfern und guten Ideen. Das macht uns stolz und erfüllt uns! Aber die Zeit des Einen ist vorbei, und Gott, der Herr, hat die Zeit des Anderen eingeleitet. Wir dürfen dankbar auf 20 Jahre zurückblicken und uns an den schönen Dingen und den vielen Begegnungen im Gemeindesaal erfreuen. Und können gleichzeitig hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und der Dinge harren, die noch auf uns zukommen werden.

Eines hat die neue Nutzung des Saals immerhin für sich: Ab jetzt dient das Gebäude nicht mehr nur einer kleinen Minderheit, sondern steht wieder, wie vor 100 Jahren, dem ganzen Ort zur Verfügung. Zudem wird er tagsüber genutzt, nicht abends oder nachts, und er wird die ganze Woche über verwendet, statt nur am sogenannten „Wochenende“. Die Sorge um die nächtliche Lärmbelästigung bei Feierlichkeiten oder jene um Schäden an der Einrichtung und am Inventar gibt es nicht mehr, und die Frage, woher die exorbitant hohen Steuern für das Gebäude und die Instandhaltung der Struktur zu bezahlen sind, wird durch Mieteinnahmen geregelt.

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