Neuer Chef – alte oder neue Probleme?

Leitungswechsel bei Romsilva könnte Lage in den geschützten Arealen Rumäniens beeinflussen

Samstag, 13. Oktober 2018

Symbolfoto: pixabay.com

Seit zwei Jahren verfolgen die Umweltschützer von GEC Nerra aus Orawitza mit Argusaugen die Umweltfrevel, die mit Wissen der staatlichen Forstverwaltung RNP Romsilva und der Administration der Nationalparks des Banater Berglands (Semenik – Karasch-Schluchten und Nera-Schluchten – Beușnița-Wasserfälle) in diesen Schutzgebieten, aber auch im rumänischen Teil des grenzüberschreitenden Naturparks Eisernes Tor – Djerdapp geschehen. Und seit geraumer Zeit identifizieren sie als Hauptgrund, der Holzfällen, Jagd und Waldweidewirtschaft in streng geschützten Arealen ermöglicht, das Fehlen eines Managementplans, der diese Dinge streng regeln müsste.

Immer betonte GEC Nera, „im Einklang mit den aktuellen Konzepten der EU-Kommission, auch mit einem Teil der rumänischen Gesetzgebung“ zu urteilen und zu handeln, die vorsehen, dass jedes geschützte Naturareal mit einem Managementplan funktionieren muss, der von der höchsten dafür zuständigen Nationalen Behörde genehmigt zu sein hat. Das sei „die wichtigste Garantie, dass im Inneren der National- und Naturparks die Natur, speziell die Artenvielfalt, gesetzlich geschützt wird.“

Doch im Falle des Nationalparks Semenik – Karasch-Schluchten sei dies nicht der Fall, behaupten die Umweltschützer in einer jüngsten Pressemitteilung. „Seit nicht einmal 14 Jahren gibt es in Rumänien eine gesetzliche Regelung bezüglich der Managementpläne und nachdem die Administration des Nationalparks ins Leben gerufen wurde, gibt es für den Nationalpark Semenik die Pflicht zu einem Managementplan. Dabei sieht der Verwaltungsvertrag des Nationalparks seit 2016 explizit vor, dass die Verwaltung ausschließlich aufgrund eines Managementplans arbeiten darf.

Die zahlreichen Notifikationen seitens GEC Nera seit 2016“ – die ADZ berichtete wiederholt – „betreffs des illegalen Holzeinschlags im Inneren des Nationalparks beantworteten die Verwaltungen von Romsilva und des Nationalparks leichtfertig, indem sie behaupteten, da es keinen genehmigten Managementplan gäbe, könne das Gesetz der Geschützten Areale nicht angewandt werden. Das Fällen von Bäumen sei völlig legal, da im Forsteinrichtungsplan vorgesehen, also im Einklang mit dem Forstgesetzbuch.“

Seit zwei Jahren werde das „Grüne Gold“ rund um die Uhr aus dem Naturschutzgebiet am Semenik Richtung Sägewerke oder Verladehäfen für den Export gebracht. Romsilva verzögere die Vorlegung des Managementplans bei der Nationalen Behörde für Geschützte Areale, weil man „wahrscheinlich auf eine Novellierung des Forstgesetzbuchs und des Gesetzes der Geschützten Areale wartet, die erlauben wird, aus den Natur- und Nationalparks alle Hölzer zu ernten, die „einen Wirtschaftsnutzen darstellen“.

So die Vermutung, die GEC Nera nicht zum ersten Mal äußert. „Auf diese Weise ist der künftige Managementplan des Nationalparks Semenik – Karasch-Schluchten nichts anderes als der Plan zur Legalisierung der Forsteinschläge, der bereits in Betrieb befindliche Schläge einfach für legal erklärt, die sowieso schon innerhalb der National- und Naturparks existieren. Die jüngst veröffentlichten Regelungen der obersten staatlichen Forstbehörde Romsilva sind ein Anfang in dieser Richtung”, schreibt GEC Nera, „und die geschützten Areale werden künftig zu Wirtschaftsarealen und Holzreservoirs.“

Leicht anders sei die Lage im anderen, südlicher gelegenen Nationalpark des Banater Berglands, Nera-Schluchten – Beușnița-Wasserfälle. Dort gibt es seit 2016 einen Managementplan, der im selben Jahr genehmigt wurde. Doch ist dieser zur Gänze aufgrund der Vorschläge von Romsilva gemacht worden, nachdem zuvor der solide wissenschaftliche Beirat des Nationalparks abgesetzt und durch Leute von Romsilva ersetzt wurde.

Der Managementplan, den die Universität für Land- und Forstwirtschaft des Banats in Temeswar (mit EU-Finanzierung) ausgearbeitet hatte und den der wissenschaftliche Beirat unterschrieben hatte, sei verworfen und mit einem ersetzt worden, der Romsilva genehm ist. Und einer Reihe lokaler Potentaten, die Interesse an der Jagd und am Holz haben.

Ein weiterer Fakt, der einen wirkungsvollen Naturschutz im Banater Bergland verhindert – vor allem in den durch Gesetz geschützten Arealen – sei die fehlende unabhängige Entscheidungsfähigkeit der Administrationen der National- und Naturparks. Sie können nicht wissenschaftliche Kriterien zum Schutz der Biodiversität durchsetzen, weil diese, als ehemalige Romsilva-Arbeitnehmer, befangen sind. Aufschlussreich in dieser Richtung sei eine Situation, die dieser Tage aufgetreten ist.

Am 4. Oktober 2018 sollte der Wissenschaftliche Beirat des Nationalparks Nera-Schluchten – Beușnița-Wasserfälle tagen. Als man erfuhr, dass Ciprian Pahonțu, seit einigen Jahren Generaldirektor des Nationalen Regiebetriebs Romsilva, abgesetzt wurde, wurde das Treffen des Wissenschaftlichen Beirats des Nationalparks Nera-Schluchten – Beușnița-Wasserfälle vertagt...  GEC Nera kommentiert: „Wahrscheinlich werden sich die Beiratsmitglieder neuerlich zusammensetzen, nachdem sie erfahren haben, welches die ‘Anweisungen’ des neuen Obersten Chefs der Forstbehörde sind!”

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