Neuer Rektor der UBB

Prof. Dr. Ioan-Aurel Pop tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Andrei Marga an

Samstag, 10. März 2012

Klausenburg - Der am 1. Januar 1955 in Sântioara/Klausenburg geborene Professor für mittelalterliche Geschichte, Akademiemitglied Ioan-Aurel Pop, ist seit Donnerstag neuer Rektor der Klausenburger „Babeş-Bolyai“-Universität (UBB). In der Stichwahl, zu der er sich eine Woche vorher auf Rang zwei (mit rund drei Prozentpunkten Rückstand) nach der vormaligen Prorektorin für Finanzangelegenheiten Cristina Ciumaş qualifiziert hatte, gaben 659 der insgesamt 1274 Elektoren (bei 20 für nichtig erklärten Stimmen) ihm den Vorrang. 

Ioan-Aurel Pop ist Mediävist und beherrscht gut bis sehr gut fünf Fremdsprachen. Grundschule und Lyzeum hat er in Kronstadt besucht („Andrei Şaguna“-Lyzeum), die Hochschule in Klausenburg (1975-1979), wo er sich auf mittelalterliche Geschichte spezialisiert hat und 1989 seinen Doktor machte (Thema: „Die Versammlungen der rumänischen Knesen im Siebenbürgen des XIV-XVI. Jh.“). Seine Fachdomäne – nach bisherigen Publikationen zu urteilen – ist die Geschichte der Siebenbürger Rumänen im Mittelalter, wobei ihm die lateinische Paläografie, Latein als Dokumentensprache des Mittelalters, Heraldik und Genealogie zustatten sind, die er zwischendurch studiert hat. Pop war Fulbright-Stipendiat (wie auch der neue Rektor der Bukarester Universität) und zeitweilig Leiter des Rumänischen Kulturzentrums in New York. Er beherrscht „in Wort und Schrift“ Französisch, Englisch, Italienisch, Deutsch und (laut eigenen Angaben im Curriculum) „zufriedenstellend“ Ungarisch.

Das Mitglied der Rumänischen Akademie der Wissenschaften leitete seit 1993 auch das Zentrum für Siebenbürgische Studien der Klausenburger Universität sowie (zwischen 2003 und 2007) das Rumänische Institut für Kultur und Humanistische Forschungen in Venedig. Er ist Mitglied des Ausschusses für Geschichte Internationaler Beziehungen des Internationalen Komitees für Geschichtswissenschaften, korrespondierendes Mitglied der Europäischen Akademie für Literatur, Kunst und Wissenschaften in Paris, sowie Mitglied in den Leitungsgremien von mehreren nationalen und internationalen Organisationen für Geschichtsstudien.

Pop tritt das Erbe des über vier Amtszeiten eingesetzten Rektors Andrei Marga an, dessen letztes Mandat am 26. Februar 2012 ausgelaufen ist und der aufgrund des neuen Unterrichtsgesetzes nicht mehr kandidieren konnte. Marga wird laut eigenen Angaben „der UBB weiterhin als Hochschullehrer zur Verfügung“ stehen und Lehraufträge u. a. in Israel (wo er auch gegenwärtig weilt), Österreich, Deutschland und Italien wahrnehmen.

Die Wahl von Ioan-Aurel Pop zum Rektor der UBB wird in Klausenburg auch als Protestwahl gegen den als „zu selbstherrlich amtierend“ empfundenen bisherigen Rektor Andrei Marga angesehen. Der der PSD nahestehende Pop (an der Klausenburger Universität hatte sich ein ideologischer Kern der rumänischen Sozialdemokraten herausgebildet) wird – in Analogie zu Marga als „Mann der PNL“ – als künftiger Unterrichtsminister in einer Regierung angesehen, die nach einem voraussichtlichen Wahlsieg des Parteienbündnisses USL (PNL+PSD+PC) noch in diesem Jahr eingesetzt werden könnte.

Pop, als ausgeglichen und tolerant in parteipolitischen, ethnischen und konfessionellen Fragen gerühmt, erfreut sich auch des Wohlwollens der Klausenburger Führung der gegenwärtigen Regierungspartei PDL sowie des Ex-Premiers und PDL-Vorsitzenden Emil Boc. Zudem wird Pop von jener Gruppierung der Klausenburger PSD unterstützt, die über die besten Beziehungen zu Staatschef Traian Băsescu verfügt und nicht zuletzt wird selbst in gewissen USL-Kreisen mit einer „Kontinuität des Regierungschefs“ nach einem USL-Wahlsieg gerechnet. Und Mihai Răzvan Ungureanu ist Historiker, wie auch Ioan-Aurel Pop und die beiden kennen und schätzen sich seit Jahren – heißt es in Historikerkreisen. 

Die „Babeş-Bolyai“-Universität Klausenburg ist im Ranking der rumänischen Hochschulen diejenige Universität Rumäniens mit den höchsten Qualitätsbewertungen, einschließlich im Bereich wissenschaftliche Forschung, was zweifelsohne ein Verdienst der scheidenden Universitätsführung unter Ex-Rektor Andrei Marga ist.
Prof. Dr. Ioan-Aurel Pop hat bis zum Augenblick der Niederschrift dieses Beitrags noch nicht das Team bekannt gegeben, mit dem er die kommenden vier Jahre die UBB zu leiten gedenkt.

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