Neues Alexander Tietz-Buch erschienen

Mittwoch, 12. Februar 2014

Alexandru Tietz: Scrisori de la sălaş. Ediţie critică, studiu introductiv, tabel cronologic, notă asupra ediţiei, addenda et corrigenda, note şi glosar de Bogdan Mihai Dascălu. Prefaţă de Crişu Dascălu. Postfaţă de Doina Bogdan-Dascălu. Editura DAVID PRESS PRINT. Timişoara, 2013. ISBN 978-606-8353-77-7

Die Initiative von Bogdan Mihai Dascălu, eine kritische Ausgabe der in rumänischer Sprache verfassten Prosatexte von Alexander Tietz herauszugeben, ist zu begrüßen. Die publizierten Texte stellen eine literaturhistorische Besonderheit dar, denn der Autor ist dem Lesepublikum vordergründig als Volkskundler bekannt, wobei diesmal seine schriftstellerische Tätigkeit als Prosaautor im Vordergrund steht. Der Herausgeber der Texte stellt eine Vervollständigung des Kulturgutes zur Verfügung, das Alexander Tietz hinterlassen hat, denn dieses Buch schließt eine Lücke in dem literarischen Erbe des bekannten Banater Kulturmenschen.

Der Titel Scrisori de la sălaş (Briefe von der Alm[1]), festgelegt vom Herausgeber, beruht auf der Sammlung der Prosatexte, ursprünglich als Artikel für die Reschitzaer Zeitungen „Reşiţa pitorească“ und „Reşiţa“ verfasst.  Hervorzuheben ist die Tatsache, dass fünf bislang noch nicht publizierte Texte diesen Sammelband vervollkommnen, eine Bereicherung der zweisprachigen Ausgabe mit dem selben Titel, Übersetzungen von Hans Liebhardt,  herausgegeben von Erwin Tigla (ADZ-Verlag, 2000).

Der Topos „sălaş” (“Alm”[2]) verbindet die Texte des Sammelbandes, der in drei Teile strukturiert wurde: I. Die ersten Texte (1934 - 1939), II. Briefe von der Alm (1939) und III. Letzter Brief (1940).

Die Prosatexte, geschrieben im Stil der Brief- und Bekenntnisliteratur, thematisieren die Beziehung Mensch-Natur, Alltagsgeschichten aus dem ländlichen Milieu, Reflexionen über das Dasein. Der Autor äußert sich über den Reichtum des authentischen Wissens, über die Beziehung des Ich und Du in Anlehnung an Martin Bubers Buch (S. 87), verlautet den Utopiegedanken über ein harmonisches Zusammenleben aller Völker (S. 111). Beeindruckend sind die Reflexionen über die Begriffe „Heimat“, „Stimmung“ und „Gemüt“ - eine Art sentimentales Bedeutungswörterbuch (S. 111-117). Verschiedene Topographien dienen als Vergleichsbasis für die Banater Berglandschaft, in stimmungsvollen Bildern beschrieben. Die enge Beziehung zur Natur, zum Rhythmus der Jahrezeiten, zum gesamten Weltall werden in Rousseauschen Tönen heraufbeschworen.  

Nebst dem pathetischen Ton der heimatlichen Gegend gegenüber, mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen beschrieben, erklingen kritische Töne über die Stadtmenschen, die mit ihrer Gleichgültigkeit und ihrem Zerstörungsdrang keinen Respekt vor der Natur zeigen. Der Gegensatz ländliche Gegend - Stadt unterstreicht die Vorliebe des Autors für die Landschaft und die Natur im außerstädtischen Areal.

Die Texte gewinnen einen dynamischen Rhythmus durch die direkte Anrede des Lesers, denn sie stellen einen ständigen Dialog mit dem Adressaten dar. Anspielungen und Zitate aus sämtlichen literarischen, philosophischen und wissenschaftlichen Werken, von der Antike bis in die Moderne, stellen die enzyklopädischen Kenntnisse von Alexander Tietz unter Beweis, wobei auch eine klare didaktische Komponente wahrzunehmen ist.

Der letzte Brief - ein märchenhafter Diskurs, verweist auf  die Entstehungsgeschichte der titeltragenden Briefreihe, wobei die Alm sich als ein Ort der Geborgenheit entpuppt, an dem der schöpferische Geist völlige Freiheit genießt.

Die Besonderheit dieser Ausgabe besteht in den aufschlussreichen Informationen, die der Herausgeber dem Leser bietet, den akribisch aufgelisteten Varianten der einzelnen Texte, ausgehend von den Handschriften (die Temeswarer Familie Dasc²lu gehört, ebenso wie jene des Musikers Damian Vulpe, zu den Nachkommen von Alexander Tietz), den Ausgaben in der erwähnten Wochenschrift. Ebenfalls sind die Korrekturen in der Wahrnehmung von Alexander Tietz hervorzuheben, nämlich, dass er von den Literaturwissenschaftlern vorwiegend als Volkskundler rezipiert wurde und kaum als zweisprachiger Prosaschriftsteller. Das Vorwort von Crişu Dascălu, das Nachwort von Doina Bogdan-Dascălu, die einleitende Studie, der gesamte kritische Apparat, aufgestellt von Bogdan Mihai Dascălu, vervollständigen das Bild der Schriftsteller-Persönlichkeit von Alexander Tietz.



[1] Die korrekte Übersetzung müsste lauten: „Briefe aus der Almhütte“, denn das rumänische „sălaş„ kommt aus dem ungarischen „szálás“(= Unterkunft) und bezeichnet die Senn- oder Almhütte, in welcher die Bergbauern des Banater Berglanda sommersüber mit ihrem Hausgeflügel und den Weidetieren leben. Per extenso bezeichnet „sălaş„ auch die umliegenden Alm- und Bergweiden. Im 19. Jahrhundert, dem der klassisch gebildete A.Tietz nahesteht, war die Eindeutschung des Begriffs, „Szallasch, -es, -en“ durchaus gebräuchlich, vor allem in den Publikationen des Banater Berglands. (Anm. wk)

[2] siehe Anm.1

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