Neues Gesicht für die grauen Plattenbauten

Wärmedämmende Verschalung und Mansardenaufbau die Lösung?

Freitag, 29. Juni 2012

Mansardenaufbauten auf alte Plattenbauten sind auch nicht die Lösung, um alte Mängel zu beseitigen, im Gegenteil: neue kommen hinzu.
Foto: Ralf Sudrigian

In allen Städten des Landes und auch in vielen Gemeinden sind im Zuge der sogenannten Systematisierungspolitik in den kommunistischen Jahren die Neubauviertel, bestehend aus Plattenbauten, entstanden. Nicht nur vom Aussehen her sind diese teilweise zu düsteren Stadtteilen geworden, aber auch das Alter der Plattenbauten beginnt ernste Probleme aufzuwerfen. Zwar wurden in letzter Zeit einige Schritte eingeleitet, um mindestens deren Aussehen durch die wärmedämmende Verschalung und den Anstrich mit Pastellfarben mindestens für den Blick freundlicher zu gestalten oder ihnen durch Mansardenaufbau ein neues Gesicht zu geben, doch sind damit noch nicht alle Probleme gelöst. Im Gegenteil, neue kommen in vielen Situationen hinzu.

Mit den gleichen Schwierigkeiten konfrontieren sich auch ehemalige „Bruderländer“ des sozialistischen Lagers, wie es genannt wurde, doch meistens fand man in diesen bessere Lösungen und vor allem wurde schneller eingeschritten. Diesbezüglich wäre Dresden als positives Beispiel zu nennen, eine Stadt, in der ich einen solchen Transformationsprozess in den letzten Jahren verfolgen konnte. Erstens wurde eine genaue Bestandsaufnahme dieser Wohnblocks und des Wohnbedarfs gemacht. Nach den technischen Auswertungen wurden einige dieser Bauten sogar abgetragen. Neue Grünanlagen und Kinderspielplätze wurden an deren Stelle eingerichtet. In anderen Fällen wurden die Mieter zeitweilig umgesiedelt und die Wohnblocks völlig saniert, neue Wasser- und Stromleitungen eingeführt, eine wärmedämmende Isolierung vorgenommen, sie wurden konsolidiert, es wurden Außenreparaturen durchgeführt, um anschließend auch einen neuen Farbanstrich zu erhalten. Anschließend kamen die Mieter wieder in ihre alte, nun neue Wohnung zurück.

Natürlich verlaufen die Dinge in den rumänischen Ortschaften ganz anders, wo es immer an Geld mangelt, wenn es darum geht, etwas für die Bewohner zu tun. Vor einigen Jahren wurde ein Programm eingeleitet, um wärmedämmende Maßnahmen an den Wohnblocks durchzuführen. Nur sind die Voraussetzungen in Rumänien andere als in den Nachbarländern, wo nicht alle ehemaligen Mietwohnungen verkauft wurden und nun der Staat und die Lokalverwaltungen sich die Hände in Unschuld waschen. Die Eigentümer sind diejenigen, die für sämtliche Reparaturen aufkommen müssen – ein schweres Unterfangen wegen der damit verbundenen hohen Kosten, nicht nur was die Baumaterialien, sondern auch was die erforderlichen Genehmigungen betrifft. Schon allein ein technisches Gutachten über die Sicherheit eines Gebäudes im Falle von Erdbeben, und hier beziehen wir uns nur auf die Plattenbauten, kostet so viel, dass schon dadurch viele Eigentümer dieser Wohnungen davor zurückschrecken. Hinzu kommt die Tatsache, dass man nur schwer das Einvernehmen aller Eigentümer einer Wohngemeinschaft einholen kann, um die diesbezüglichen Schritte einzuleiten. Das Gesetz 230/2007, das die Voraussetzungen für Gründung, Aufbau und Funktion der Eigentümergemeinschaften bestimmt, ist, so wie die meisten Gesetzestexte, interpretierbar und die Generalversammlung der Eigentümer jeweiliger Gemeinschaft hat dabei das Sagen. Artikel 16 sieht vor, dass die Eigentümer verpflichtet sind, Maßnahmen für die Konsolidierung und Modernisierung des Gebäudes, für die Erhöhung der thermischen und energetischen Wirksamkeit desselben zu treffen. Doch von wo das Geld nehmen, da die Eigentümer meistens Senioren mit geringem Einkommen sind. Zwar hat die Regierung ein Programm verabschiedet, laut dem diese für 50 Prozent, der jeweilige Stadtrat für 30 und die Eigentümer für 20 Prozent der Kosten für die wärmedämmende Verschalung aufkommen müssen, aber dieses Programm wird wegen Geldmangel nur langsam ausgeführt. Einiges hat sich beispielsweise im Kronstädter Stadtgebiet getan. Doch ist die Nachfrage so groß, dass es manchmal Jahre dauert, bis ein diesbezüglicher Antrag genehmigt wird. Trotzdem benötigt es dann noch geraume Wartezeit, bis die Arbeiten in Angriff genommen werden.

Wie auch in anderen Fällen haben viele Wohngemeinschaften oder einige Eigentümer andere Auswege gefunden. Das ist leicht feststellbar, wenn man durch die einstigen Neubauviertel – oft inzwischen nun schon Altbauviertel – wandert. Da sieht man, dass einige Wohnblocks ein scheckiges Aussehen erhalten haben, da manch ein Besitzer nur die Außenwände zu seinem Appartement isoliert hat. Außerdem haben sich Privatfirmen eingeschaltet, die derartige Arbeiten durchführen und die sich in Preisangeboten unterbieten, um anziehend zu sein. Doch da muss man sehr vorsichtig sein, da viele Unternehmen vom Rathaus keine Genehmigung haben und der Wohnungsbesitzer dann auch keine Ermäßigung bei der Steuer erzielt, wie das laut Beschluss des Stadtrates vorgesehen ist, wenn man den Wohnblock thermisch isoliert hat. Zudem erhält man auch nicht das erforderliche diesbezügliche Zertifikat, wenn man die Wohnung verkaufen will. Architekten machen auch darauf aufmerksam, dass diese Arbeiten fachlich entsprechend durchzuführen sind, sonst können unangenehme Folgen eintreten. Die Polyester-Platten dürfen nicht nur angeklebt werden, diese müssen auch mit Plastikdübeln befestigt sein. Ansonsten kann Feuchtigkeit eindringen. Und sind am Rande nicht die Metallkanten angebracht, nisten oft Mäuse und Käfer zwischen Wand und Isolation.

Einen Ausweg haben manche Eigentümergemeinschaften im Angebot von Bauunternehmen gesehen, das Dach ihrer Wohnblocks per Vertrag an diese abzutreten, um Mansarden aufzubauen. Als Gegenleistung erzielten die Eigentümer unterschiedliche Summen zwischen 200 bis 500 Euro sowie die Zusage vom Bauherrn, die gemeinsamen Wasserleitungen des Wohnblocks zu ersetzen, die wärmedämmende Verschalung zu machen, eventuell neue Fenster und Türen des Treppenhauses einzubauen. Doch auch diesbezüglich haben viele Eigentümer, die auf solche Abmachungen eingegangen sind, schlechte Erfahrungen gemacht. Außer dass man bei einem Wohnblock von vier Stockwerken weitere zwei aufgesetzt bekommt, haben die Bewohner nicht daran gedacht, dass bei der Aufstockung auch ein Aufzug notwendig ist und dass mehr Lärm dadurch zu ertragen ist, weil mehr Personen da leben. Auch haben Bauherren die Dachisolation beseitigt, doch bis sie die neue aufgegossen haben, wurden sämtliche darunter befindliche Wohnungen vom Regen überschwemmt. Ein weiteres Problem sind die für die Mansarden verwendeten Baumaterialien, die meistens aus brennbaren Stoffen bestehen, was eine große Feuergefahr bedeutet. Derartige Fälle wurden schon in mehreren Städten verzeichnet. Wie auch, dass bei heftigem Sturm der Aufbau einfach weggefegt wurde, weil die Arbeiten nicht entsprechend durchgeführt wurden.

Nicht genug damit. Es entsteht auch Streit zwischen den Bewohnern, da meistens nicht alle mit einem solchen Aufbau einverstanden sind, weil sie sich der möglichen Folgen bewusst sind. Nun wurde zumindest ein Beschluss des Verfassungsgerichts angenommen, laut dem alle Eigentümer eines Wohnblocks mit einer solchen Maßnahme einverstanden sein müssen und nicht mehr nur zwei Drittel, wie das Gesetz interpretiert werden konnte. Darüber müssten alle Lokalräte mehr informieren, aber vor allem Kontrollen ausüben und nicht zulassen, dass bisher einheitlich aussehende Gebäude plötzlich mehrere Farben haben, dass Bauarbeiten entgegen jeder gesetzlichen Bestimmungen durchgeführt werden. Leider hat sich auch keine Regierung in den über 20 Jahren seit der Wende diesem Problem der Neugestaltung und Überholung der Plattenbauviertel gewidmet, kein gesetzliches Programm eingeleitet und durchgeführt. Man müsste nur den Nachbarländern über die Schultern sehen, um es besser zu machen.

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