Neues vom Söhnchen als Chef

Gerichtlich bestätigt: der APM-Chef hat vorher das Arbeitsamt geprellt

Dienstag, 05. August 2014

Das Misstrauen, das die Medien des Banater Berglands dem blitzartig als Chef des Amtes für Umweltschutz APM Karasch-Severin eingesetzten Sohn des Senators Ion Simion Purec, Sebastian Purec, entgegengebracht haben, scheint reale Grundlagen zu haben. Nicht nur seine politische Vergangenheit als junger Wendehals – damit tut er es seinem Vater nach, der (offiziell) bereits Mitglied der dritten Partei seiner Karriere ist –, sondern vor allem jene als „Unternehmer”, der beim Staat abgesahnt hat und dann seine Firma an die Wand fuhr, um keine Zahlungsverpflichtungen mehr zu haben, steht jetzt im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussionen, nachdem er auch als Chef der APM in seinen öffentlichen Auftritten keine Bäume ausgerissen hat. Der ganz junge Sebastian Purec hatte vor 15 Jahren als alleiniger Gesellschafter die Firma SC Info & Marcos SRL gegründet und mit Firmensitz in Temeswar registrieren lassen. Diese Firma ist im Mai dieses Jahres pleitegegangen und ein Temeswarer Gericht hat die vereinfachte Abwicklung des Liquidierungsprozederes verfügt.

So weit, so gut oder schlecht. Aber die SC Info & Marcos SRL des Sebastian Purec muss laut gerichtlicher Verfügung dem Arbeitsamt AJOFM Karasch-Severin 321.347 Lei ungerechtfertigt kassierte Gelder zurückzahlen. Die laut Gerichtsvollzieher nirgends existieren. Und das kam so:
Nachdem die in Temeswar registrierte SC Info & Marcos SRL des Sebastian Purec die ersten Jahre gerade mal so dahinvegetiert hatte, zog sie 2003  – der Papa war damals noch Vizebürgermeister in Reschitza und bei der PSD in hohem Lokalamt... – einen gut dotierten Vertrag mit dem Arbeitsamt AJOFM Karasch-Severin an Land. Die SC Info & Marcos SRL des Sebastian Purec sollte eine Art Dienstleistung für das Arbeitsamt erfüllen, indem sie „mindestens zwölfStart-ups” betreute und diesen so etwas wie Dienstleistungen eines Geschäftsberaters  lieferte, wozu sie Fachleute und sonstiges Personal anstellen sollte – kurz also, Arbeitsplätze schaffen und konsolidieren sollte. Dafür sollte der junge Purec und sein Unternehmen 900.000 Lei vom Arbeitsamt bekommen. Die Start-up-Unternehmen sollten von der SC Info & Marcos SRL des Sebastian Purec über zwölf Monate betreut werden, wobei das Arbeitsamt eine Erfolgsrate von 80 Prozent als Ziel vorgab, also von 12 übernommenen Firmen sollten zehn letztendlich nach 12 Monaten erfolgsversprechend oder erfolgreich sein. Darüber musste eine klare Übersicht angelegt werden.

Die SC Info & Marcos SRL des Sebastian Purec übernahm 16 Start-up-Firmen in ihr Portefolio. Im Abschlussbericht schreibt Sebastian Purec, dass nach zwölf Monaten die Erfolgsquote bei „seinen” 16 Firmen bei 83,3 Prozent lag. Dieser Abschlussbericht wurde ohne viel Nachprüfung vom Arbeitsamt AJOFM akzeptiert, doch sie schickte nachträglich ihr Kontrollteam zur SC Info & Marcos SRL.
Und damit begannen die Probleme. Im Protokoll des AJOFM-Kontrollteams wird nämlich vermerkt: „In der Zeitspanne 1. Januar 2004 – 30. Juni 2005 hätte die SC Info & Marcos SRL des Sebastian Purec laut Vertrag vier Arbeitnehmer angestellt haben müssen und mindestens elf  Personen als Fachberater beschäftigen sollen, welche den betreuten Firmen zur Verfügung gestellt werden mussten. Laut Lohnlisten hatte die SC Info & Marcos SRL des Sebastian Purec aber in der zitierten Zeitspanne bloß insgesamt zwischen vier und neun Personen auf ihren Mitarbeiterlisten, von denen zwei auch auf den Lohnlisten der betreuten Firmen standen. Zum Schluss der Vertragszeit hatte die untersuchte Firma nur noch drei Personen auf ihren Lohnlisten.”

Rein buchhalterisch, so das Kontrollteam von AJOFM, hatte Sebastian Purecs Firma durch Nichtanstellung von Arbeitnehmern, also Übertretung des Vertrags, sich offensichtlich in anderthalb Jahren 321.347 Lei von den 900.000 Lei der Gesamtsumme in die eigene Tasche gewirtschaftet. Oder einfach veruntreut, verschlampt, vergammelt. Deshalb ging AJOFM vor Gericht und forderte die in der Realabrechnung fehlenden Gelder zurück. Der Prozess von AJOFM mit der SC Info & Marcos SRL des Sebastian Purec dauerte fünf Jahre und enderte mit dem Urteil Nr. 1203/2010 des Berufungsgerichts Temeswar, das dem klagenden Arbeitsamt von Reschitza endgültig und unanfechtbar recht gab.
Laut Carla Goagă, der Sprecherin von AJOFM Karasch-Severin, hat das Arbeitsamt die Zwangsvollstreckung der verurteilten Firma beantragt – und dabei 100 Lei zurückgewonnen, denn nur so viel war noch auf den gründlich geleerten Konten der SC Info & Marcos SRL des Sebastian Purec liegengeblieben. Nachfragen beim Handelsregister in Temeswar ergaben, dass die SC Info & Marcos SRL des Sebastian Purec Insolvenz angemeldet hatte und pleitegegangen war, was durch ein Gerichtsurteil des Temeswarer Munizipalgerichts durch die Verfügung des „vereinfachten Pleiteprozederes” bestätigt wurde. Von dieser Richtung her ist also auf kein Geld mehr zu hoffen.
Nun sind alle richtig gespannt, was der junge, kürzlich gescheiterte Unternehmer und urplötzlich zum Umweltexperten gewordene Sebastian Purec bei der Agentur für Umweltschutz APM anstellen wird.

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