Neuwagen in Rumänien: Kaum noch Käufer

Umweltgebühr ist weitere Hemmschwelle

Mittwoch, 05. März 2014

Konjunktur und Preis machen Gebrauchtwagen zu einem gefragten Fahruntersatz. 2013 wurden in einer Fünf-Jahres-Statistik die meisten Gebrauchtwagen importiert. Im Bild: Gebrauchtwagenmarkt im Temeswarer Stadtteil Mehala.

Im sechsten Jahr in Folge ist der rumänische Automobilmarkt 2013 zurückgegangen. Dies geht aus einer Jahresbilanz der Anzeigenplattform Autovit.ro hervor. 2013 wurden weniger Neuwagen als im Jahr zuvor verkauft. Auch der Weiterverkauf von Gebrauchtwagen auf dem Binnenmarkt ging gewaltig zurück. Im Gegenzug jedoch legte die Zahl der eingeführten Gebrauchtwagen zu. 2013 wurden in Rumänien 57.710 Neuwagen, abgesetzt, 205.553 Wagen wechselten im Inland den Besitzer und 221.852 Gebrauchtwagen kamen aus dem Ausland. Im Verwaltungskreis Temesch Timi{ verhält sich die Situation ähnlich wie auf Landesebene, sagte Cosmin Costa, regionaler Dienstleiter des Rumänischen Auto-Registers RAR. Mit den Fachleuten von Autovit ist Costa in etwa auf gleicher Wellenlänge, was die Beeinflussung des Neuwagenmarktes für 2013 betrifft, als das Programm für die Entsorgung alter Wagen über die Abwrackprämie sehr spät begonnen hat. Die Top five in der Rangordnung der 2013 neu zugelassenen Neuwagen führt der Dacia mit einem Marktanteil von knapp über 30 Prozent an, gefolgt vom VW mit etwas über zehn Prozent, Skoda, Ford und Renault. Bei den eingeführten Second-Hand-Wagen war der Volkswagen führend, gefolgt von Opel, Ford, Audi und BMW. Auf dem Binnenmarkt weiterverkauft wurden am meisten gebrauchte Volkswagen, dann Opel, Dacia, Ford und BMW.

 

Dacia und Ford aus Rumänien

 

Unterdessen geht der Absatz des Dacia in der EU weiter. Der europäische Automobilmarkt hat nämlich im Januar im fünften Monat in Folge zugelegt. Die rumänische Marke ist mit ihren 38,9 Prozent zu Jahresbeginn am stärksten gewachsen. Dies gab vor Kurzem der Verband Europäischer Automobilbauer ACEA bekannt. Die PkW-Neuzulassungen sind in den EU-Staaten um 5,5 Prozent gegenüber der gleichen Zeitspanne des Vorjahres gestiegen und erreichten ein Volumen von 935.600 Einheiten. Der Dacia erlebte im Vergleich zu Januar 2013 einen Aufwärtstrend von 20.200 Stück auf nunmehr 28.100 Einheiten.

Die Ford-Gruppe wird im Jahr 2017 einen Teil der Produktion des Fiesta aus Köln ins südrumänische Craiova transferieren. Dies soll die massiven Verluste des US-Automobilbauers auffangen, nachdem der Absatz in Europa drastisch zurückgegangen ist, schreibt in diesem Kontext Mediafax, und zitiert dabei die Bild-Zeitung, die sich ihrerseits auf Ford-Informationen beruft. Ebenfalls Mediafax- und Bild-Informationen nach stehen dabei in Köln etwa 1000 Arbeitsplätze auf der Kippe – vor allem die Arbeitnehmer der Nachschicht, die mit hohem Arbeitskosten verbunden ist, seien gefährdet, so die Quellen. Ford stellt zur Zeit in Craiova Autos vom Typ B-Max und Benzin-EcoBoost-Motoren (1,0 und 1,5 Liter) für die Ford-Modelle her, die in Nordamerika und Asien gebaut werden. Die Absatzschwierigkeiten bei Ford wirken sich auf das Werk in Craiova negativ aus: Im vergangenen Jahr standen die Produktionsbänder bei Ford-Craiova insgesamt 35 Tage im Automobilbau und sieben Tage in den Abteilungen für Motorherstellung still.

 

Kohle und Kaufregeln sind dahin

 

Der Neuwagenmarkt ist in Rumänien stetig gesunken. Obwohl Anfang 2013 schwer vorstellbar war, dass weitere Einbrüche überhaupt möglich seien, haben die Zahlen genau das Gegenteil bewiesen. In drei der zwölf Monate 2013 lag die Zahl der abgesetzten Neuwagen gar unter 4000 Einheiten. Kurioserweise wurden im August im Monatsvergleich die meisten Autos verkauft, obwohl dies ein Monat mit geringen Absatzzahlen ist. Im August verkauften die Händler 6300 Wagen. Aus dieser Perspektive gesehen, kann man 2013 nicht mehr von einer saisonbedingten Konjunktur sprechen, in der im Frühjahr und Sommer Hochbetrieb herrscht und dementsprechend im Sommer und im Dezember das Geschäft abflaut. Der schlechte Umsatz in den rumänischen Autohäusern geht laut Autovit.ro auf die gesunkene Kaufkraft in Rumänien, auf den späten Start des Abwrackprogramms im vergangenen Jahr zurück, aber auch darauf, dass drei von vier Autos im vergangenen Jahr von Institutionen und Firmen aufgekauft wurden.

Mit einem Plus von 47.000 Einheiten erreichte die Zahl der zugelassenen Gebrauchtwagen fast das Vierfache der Neuwagen. Die Statistik der ersten zehn Monate 2013 ergibt höhere Zulassungswerte an Gebrauchtwagen, als dies im Jahr zuvor der Fall war. Im Juli war der Unterschied zum Vorjahr gar um 70 Prozent höher. Die Experten von Autovit gehen davon aus, dass die Einfuhr an Gebrauchtwagen im ersten Quartal 2013 als Vorsichtsmaßnahme der Käufer einzustufen ist, da damals schwer vorherzusehen war, welche Auswirkungen die neue Umwelt-Gebühr haben werde. Letztendlich hat diese Taxe vor allem den Wagen einen Vorteil eingeräumt, die vor dem Jahr 2000 gebaut worden sind. Diese Kategorie an Wagen betrug in einigen Monaten mehr als ein Drittel aller Wagen, die in dieser Zeiteinheit ins Land gebracht wurden. So wurden im Juli 2013 mehr als 8000 alte Gebrauchte eingeführt. Analytiker betrachten mit großer Aufmerksamkeit die Entwicklung des Second-Hand-Automarktes in diesem Jahr, vor allem deshalb, weil der Absatz in den letzten beiden Monaten 2013 unter dem Niveau der beiden Monate aus dem Jahr zuvor lag. Die gleichen Experten rechnen in diesem Zusammenhang mit weniger Dynamik des Gebrauchtwagenmarktes in diesem Jahr.

 

Vorsicht war oberste Priorität

 

Die Zahl der Wagen, die nach einem Wiederverkauf auf dem Binnenmarkt, neu zugelassen wurden, ist im Jahr 2013 gegenüber allen vier vorausgegangenen Jahren gewaltig zurückgegangen. Auch hier war die Einführung der neuen Umweltgebühr am 15. März deutlich spürbar. So wurden im Jahr 2012 in jedem Monat mindestens 20.000 Transaktionen mit Gebrauchtwagen auf dem rumänischen Binnenmarkt getätigt – im vergangenen Jahr wurde nur in einem einzigen Monat diese Marke überschritten. „Ich glaube, die Kriterien der Umwelttaxe müssten abgeändert werden, damit das Interesse der Bürger für einen Neuwagenkauf angeregt wird. Ich bin ein Verfechter der Idee, dass ein Neuwagenkauf die beste Lösung ist“, so der RAR-Regionalleiter, Cosmin Costa, auf Nachfrage der Banater Zeitung. Schlußfolgernd zu diesem Thema sei gesagt, dass die Dynamik des Automarktes in Mitleidenschaft gezogen war, da die meisten Autobesitzer es vorzogen, ihre Wagen zu behalten, statt diese mit hohen Verlusten abzusetzen.

 

Konjunktur und Preis machen Gebrauchtwagen zu einem gefragten Fahruntersatz. 2013 wurden in einer Fünf-Jahres-Statistik die meisten Gebrauchtwagen importiert. Im Bild: Gebrauchtwagenmarkt im Temeswarer Stadtteil Mehala.

 

Ganz und gar untypisch für den Autohandel. Die meisten Neuwagen wurden 2013 im August abgesetzt. Der schlechteste Monat für die Verkäufer war der März, in dem landesweit knapp über 3.300 Neuwagen einen Kunden fanden. Im August waren es immerhin 6.300.

 

Wohl das letzte Jahr Geld für eine Schrottkarre. Gerüchten nach soll die Abwrackprämie als Startkapital für einen Neuwagen ab kommendem Jahr nicht mehr vergeben werden.

 

Kommentare zu diesem Artikel

A, 30.03 2016, 15:31
Es ist krass, Schwellen EU Ländern einen Neuwagenzwang aufzudrücken! Wer sagt und beweist denn mal ganz genau die Ökobilanz immer wieder Neuer Fahrzeuge gegenüber dem alten noch guten oder mit weniger ökologischen Aufwand, wieder herzustellenden Fahrzeugen? So hilft man keinem dort vor Ort und vor allem nicht dem Mittelstand. Mann muss dort doch nicht auch noch Multinationalen Industrien gleich den ganzen Kuchen überlassen. Die brauchen nämlich nur die Neuverkäufe und bestimmen den Technikwandel der Menschen dort ohne auf die wirklichen Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Allen voran sind es die Amerikanischen Unternehmen die versuchen Einfluss auf die Regierungen in der EU zu nehmen. Das geht gar nicht! Die Zahlungsmoral und Löhne an die Mitarbeiter verschiedener Industrien vor Ort, sind ja auch immer geringer geworden und dann wundert man sich noch das keiner Geld hat oder Kreditwürdig ist für einen Neuwagen zu bestellen in Rumänien? Das ist doch blanker Hohn an die Menschen in diesem Land!

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