Nicht alle wollen ins Ausland

Aber Residenzärzte wünschen andere „Gewohnheiten“

Samstag, 30. November 2013

Reschitza - Fünf Residenzärzte haben sich für eine Weiterbildung im Banater Bergland entschieden, bevor noch die Residenzprüfungen dieses Herbstes begonnen haben. Jetzt, nach der Residenzprüfung im Banat, werden weitere Residenzärzte erwartet (beim Universitätszentrum Temeswar hatten sich 400 Kandidaten zur Prüfung gestellt, von denen 394 das Minimum an 60 Prozent der Punktezahl erreicht haben, also Residenzärzte geworden sind, erklärte der Direktor der Gesundheitsbehörde DSP Karasch-Severin, Dr. Dragoş Luca, einer der Mitglieder in der Prüfungskomission.

Fakt bleibt, dass in allen Ortschaften mit funktionierenden Krankenhäusern die Residenzärzte wie das tägliche Brot erwartet werden, weil sie den Ärztebestand nicht nur (vorübergehend) auffrischen, sondern im vollsten Wortsinn in Lücken einspringen müssen, die von den ausgewanderten Ärzten hinterlassen wurden. (Nebenbei bemerkt und Zufall oder eher nicht: in fast allen rumänischen Medien des Banater Raums war die Nachricht über die Residenzärzte dieses Jahres in unmittelbarer Nähe einer Anzeige gedruckt, in welcher mit Ärzteposten in Deutschland gelockt wurde... „Finde binnen vier Wochen einen Arztposten in Deutschland über www.medicingermania. com“ steht dort).

Dahingestellt bleiben soll in diesem Kontext, inwiefern und was die Residenzärzte von (vielen der) in den Krankenhäusern verbliebenen älteren Ärzte lernen könnten. Die Kommentare im Internet zu dieser Frage sind bitter bis realistisch-resigniert. Es werden Namen bekannter Ärzte angeführt, die eher berüchtigt sind für ihre tiefen und empfänglichen Kitteltaschen als für ihr unfehlbares Diagnosewissen und ihre sichere OP-Hand.

Dr. Dragoş Luca verschaffte sich als Mitglied der Prüfungskommission einen Überblick zu den Optionen, die von den Residenzärzten bezüglich ihrer Spezilisierungen ausgesprochen wurden: „Die erste Disziplin, die sehr schnell abgedeckt wurde, war die Kardiologie. Dicht gefolgt von der Intensivmedizin (rumänisches Kürzel: ATI). Überraschend gering war in diesem Herbst das Interesse für Hochleistungsfächer, etwa Thoraxchirugie, Kiefern- und Gesichtsheilkunde oder die Notfallmedizin. Ich habe diese drei Bereiche genannt, weil sie früher immer in der Spitzengruppe waren und jetzt am Ende der Präferenzenskala stehen. Ein Grund für dieses Umdenken der Residenzärzte ist mit Sicherheit die Tatsache, dass die Spitzenärzte in diesen Bereichen, die wir im Banat hatten, ins Ausland gegangen sind und dass den jungen Ärzten gegenwärtig entsprechende Modelle fehlen.“

Unter den Absolventen aus dem Banater Bergland, welche die Residenziatprüfung bestanden haben, werden sich, laut Dr. Luca, drei in Karansebesch weiterbilden (Radiologie, Kardiologie und Pädiatrie) und zwei gehen nach Orawitza. „Ich habe mit mehreren unter den Absolventen aus dem Banater Bergland gesprochen, sagte Dr. Luca. „Keiner unter ihnen will sich bereits jetzt binden. Sie erklären, sich als freie Menschen und Ärzte ausbilden lassen zu wollen und danach ihre Dienste auf dem freien Berufsmarkt anzubieten. Übrigens: die meisten in Rumänien. Noch hapert es aber an der sozialen und finanziellen Kompensation für die jungen Ärzte. Wir reden immer noch, trotz allen sonstigen politischen Herumgeredes, von einem Monatslohn von 830 Lei für einen Residenzarzt. Nicht wenige wollen „nach Hause“ zurück, nachdem sie vorher ein Ausbildungsstadium im Ausland absolviert haben. Manche sagten wörtlich, sie wollten sich im Ausland nicht unbedingt höherwertige Kenntnisse aneignen – die sind in Temeswar bereits ganz schön hoch angesetzt und gegeben –, wohl aber andere ärztliche Gewohnheiten und andere Qualitätsstandarde.“

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