„Nicht immer alles erreicht, dafür aber sehr viel gelernt“

Stadtrat Christian Macedonschi in seinem zweiten Mandat

Dienstag, 08. November 2016

Stadtrat Christian Macedonschi während des Gespräches
Foto: der Verfasser

Christian Macedonschi, geborener Kronstädter, der sein Wirtschaftsstudium in Nürnberg begann und in Rumänien abschloss, stellte sich 2012 erstmals zur Wahl und zwar für das Amt des Bürgermeisters. Die erlangte Stimmenanzahl reichte für das hoch gestellte Ziel nicht, doch er konnte für sein erstes Mandat (2012-2016) zusammen mit seinem Ratskollegen Werner Braun, das Lokalforum Kronstadt/Braşov gut vertreten. Zweifelsohne war zwischen seinen Plänen für das oberste Amt der Stadt und der eines Stadtrates ein erheblicher Unterschied, von den Umsetzungsmöglichkeiten einmal ganz abgesehen. Rückblickend, bezeichnet Christian Macedonschi dieses erste Mandat mit den Worten aus dem Titel des Beitrages: „Ich habe nicht immer alles erreicht, dafür aber sehr viel gelernt!“. Eine Bilanz des Mandats würde viel zu umfangreich sein, doch eine Zusammenfassung ist einführend notwendig. Christian Macedonschi setzte sich gleich nach seiner Vereidigung 2012 für die etwas in Rückstand geratenen Auslandsbeziehungen der Stadt ein, vorrangig mit dem Süddeutschen Raum, wo seine Verbindungen schon vorhanden waren. Daraus ergaben sich mehrere Ansätze, unter denen der für Schulwesen im Allgemeinen und Berufsausbildung im Besonderen ganz oben standen und stehen.

Als freiwilliger Leiter des Verbandes für Tourismus setzte sich Christian Macedonschi ebenso für mehr Auslandswerbung für Kronstadt, die Stadt und den Kreis, ein und veranstaltete nach bewährtem Muster im Herbst und während der Weihnachtszeit attraktive Events. Das mittlerweile fest etablierte Oktoberfest im Herbst ist aus dem Veranstaltungskalender der Stadt nicht mehr wegzudenken. Weniger Anklang fand die Lokalform des Christkindelmarktes und das Frühlingsfest im Mai, wobei das Fehlen eines stabilen Veranstaltungsortes auch eine Rolle spielte. In direkter Verbindung zum Tourismus stand auch ein anderer Bereich und zwar der der Stadtsanierung. Hier leistete Christian Macedonschi einiges, was die zuständigen Ausschüsse der Stadtführung bis dahin noch nicht erreicht hatten und zwar mehrere Fachtagungen zum Thema Städtesanierung.

Dabei referierten Stadtplaner aus Großstädten wie München und Wien, über konkrete „Intelligente Lösungen“ für Energie, Verkehr und Bauplanung. Hinzugezogen wurden auch Fachleute aus dem für solche Vorhaben dringend benötigten Bereich, nämlich dem der Finanzierung. Die dadurch entstandenen Impulse beschränkten sich zwar auf den engen Kreis der Fachleute, doch Christian Macedonschi zeigt sich zufrieden den Anfang gemacht zu haben. Viel sichtbarer, dem breiten Publikum gewidmet, waren andere Veranstaltungen, wie der Europatag am 9. Mai, der jährlich am Marktplatz in verschiedenen Formen, aber immer mit bedeutenden Gästen, stattgefunden hat. Die enge Zusammenarbeit mit dem Institut der Europäischen Regionen, deren Leitung auch solch einer Veranstaltung beiwohnte, führten zu einem viel höheren Bekanntheitsgrad Kronstadts im Ausland, der sich unter anderem in der in den letzten Jahren stetig steigenden Zahl von Urlaubern widerspiegelt. Diese wiederum belebten Gastronomie und Hotellerie, zwei wichtige Bereiche der Lokalwirtschaft.

Ein anderer Wirtschaftsbereich und zwar der industrielle, ist zwar nicht das „Spielfeld“ von Christian Macedonschi, doch er ist Mitglied des Deutschen Wirtschaftsklubs Kronstadt, dessen Vorsitzender schon erwähnter Werner Braun ist, und so griffen die Räder in den vier Jahren des Mandats gut ineinander: Gruppen von Interessenten besuchten fast monatlich die Stadt, um neue Verbindungen zu knüpfen oder die vorhandenen auszubauen. So kam zum Beispiel das gemeinsame Projekt einer Gastronomieschule mit der Kronstädter Niederlassung der Kolping-Stiftung zustande, ein Projekt, welches zur Zeit mit der Beteiligung eines Gymnasiums erweitert wird. Heute ist die Umsetzung solcher Schul- und Ausbildungsprojekte relativ leicht, da es den Präzedenzfall der Berufsschule Kronstadt gibt, doch das war nicht immer so.

Die Idee, in Kronstadt eine Berufsschule, als Nachwuchsstätte für Facharbeiter, welche die steigende Zahl deutscher Unternehmen in der Region benötigt, kam 2009 auf, als Werner Braun und Christian Macedonschi in Nürnberg mehrere Wirtschaftstreffen hatten, bei denen das Thema angesprochen wurde. Beide nahmen sich die Umsetzung vor, doch beiden war klar, dass es nicht leicht sein wird. Das Erfolgsrezept wird jährlich in neu eröffneten Schulen mit dualem Ausbildungssystem angewandt, doch die erste Schule, in Kronstadt, wäre ohne die Rückenstärkung des Deutschen Wirtschaftsklubs nicht denkbar gewesen. Christian Macedonschi konnte in der letzten Amtsperiode allerdings noch nicht alle Projekte umsetzen. Einige davon möchte er gerne im zweiten Mandat verwirklichen und zu diesen gab er uns folgende Erklärungen.

Welches Projekt, oder welche Projekte von denen, die sie bisher noch nicht umsetzen konnten, stehen für die nächste Amtszeit an oberster Stelle?

Ein Projekt für den Waldsaum an der Graft, entlang der alten Stadtmauer. Dort konnten wir dazu beitragen, dass der Bau einer Straße in die Obere Vorstadt aufgegeben wurde. In dem Berg befinden sich aber neben einer staatlichen Anlage auch Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, die verwahrlost und ungenutzt sind. Mein Vorschlag war, diese Bunker so auszubauen, dass sie für ein Museum genutzt werden können und zwar für ein thematisches. Ein Museum der Stadtgeschichte vor, während und nach kriegerischen Handlungen, eine ausführliche Darstellung des großen Stadtbrandes von 1689, so etwas gibt es zum Beispiel in keinem der Museen der Stadt, möchte ich betonen. Aber auch die späteren Ereignisse sollten dargestellt werden, wie der Erste Weltkrieg, der Zweite Weltkrieg und natürlich der antikommunistische Widerstand des 15. November 1987 und dann im Dezember 1989. Es wäre eine notwendige Ergänzung des Informationsmaterials - ich nehme jetzt etwas besonders verehrtes, wie die Persönlichkeit von Michael Weiß und die Schlacht bei Marienburg - ,welche auch so manchem Kronstädter völlig unbekannt sind. Zu den nicht verwirklichten Projekten gehört auch mein Vorschlag, einen besseren Standort für das Staatsarchiv in der Schmiedebastei zu finden.

Die Bastei sollte in einer Stadt mit unserem Zulauf an Touristen auch zu besichtigen sein. Nebenbei sind in dem Gebäude die Aufbewahrungsbedingungen auch nicht gerade ideal zu nennen, da es dort etwas zu viel Feuchtigkeit gibt. Anderseits habe ich zusammen mit Thomas [indilariu vom Archiv der Honterusgemeinde über einen besseren und vor allem größeren Raum für dieses Archiv gesprochen. Es ist unsere Geschichte, so etwas muss unter optimalen Bedingungen gelagert werden, dafür gibt es strenge Normen nebenbei gesagt, das ist auch ein Thema an dem ich bleibe. Und da wir von der Graft zu dem Archiv neben der Schwarzen Kirche gekommen sind, da habe ich noch ein Projekt, welches ich überhaupt nicht vorantreiben konnte: den Schulhof oder den Hof der Schwarzen Kirche, der seit nunmehr drei Jahren eine Schotterwüste ist, die reinste Schande für das bedeutendste Ziel der Besucher. Wenn wir Zuhause Gäste haben, so laden wir diese in das Wohnzimmer ein, wo der Staub gewischt ist, wo alles schön ist, doch das „Wohnzimmer“ unserer Stadt, den Bereich um die Schwarze Kirche sind wir seit drei Jahren unfähig herzurichten. Für das Wohnzimmer unserer Stadt finden wir seit drei Jahren nicht das Geld, so etwas ist nicht tragbar! 
    
Wir bedanken uns für diese Erläuterungen.

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