Nicht noch schlechter!

Mittwoch, 12. November 2014

Nördlich der Karpaten wünscht man sich „Spor la lucru“, „Erfolg in der Arbeit“, „Mehrung durch Arbeit“. Südlich der Karpaten „Servici usor“, eine „leichte, sorgenfreie Arbeit“, einen „leichten Dienst“. Im (Unter-)Bewusstsein der Nation sind das Banat und Siebenbürgen charakterisiert durch Ernsthaftigkeit, (Arbeits)Disziplin, Höflichkeit und Eleganz im Umgang. Für Süd- und (teilweise) Ostrumänien stehen „Mititschismen“ (von „Mitica, dem Spottnamen der Bukarester, hinter dem alles steckt, was zu seinen Gunsten und zu Ungunsten anderer gdreht wird), ordinäre Balkanismen (Flüche, Lügen, Vertragsbruch, Hinters-Ohr-Hauen, Spucken, sich vor der Arbeit Drücken).

Was sich Ponta in diesem Wahlkampf auf die Fahne geschrieben hat, das „Einigen“, hat er im genauen Gegenteil erreicht: indem er die südrumänischen „Techniken“ der Verleumdung, der primitiven Lüge, des offensichtlich nicht zu haltenden Versprechens, der Rüpelhaftigkeit, des ewig gekrümmten Rückgrats und des primitivsten Nationalismus anwandte, hat er Rumänien gespalten: in einem Teil nördlich und westlich der Karpaten, der durch seine Stimmabgabe für Johannis hofft, einem anderen, größeren Rumänien etwas von seiner Disziplin, Achtung vor der Arbeit, Ehrlichkeit und Vertragstreue zu vermitteln, und einem südlichen und östlichen Teil, der PSD-Rot für Ponta stimmte und damit die Chance verpasste, sich ans Zivilisationseuropa anzunähern. Jede Stimme für Ponta war eine Stimme für den Balkan, für Byzanz, für den roten Osten, für das Mittelalter.

So radikal gespalten und so schicksalhaft war noch keine Wahl in Rumänien – auch wenn es „bloß“ um das Präsidialamt geht, nur formell das wichtigste Amt im Staat. Die Demos in Siebenbürgen und im Banat – Sonntag war Klausenburg an der Spitze der sich gegen die drohende Balkanisierung durch Ponta Wehrenden – haben einmal mehr gezeigt, wie sehr dieses Land zerreißt zwischen Zivilisation und Gegenzivilisation. Siebenbürgen und das Banat sind die schmierige Gängelung durch Bukarest satt – prompt dreht die die Ponta-Partei das um als „Abspalttendenz“ in der Art der Szekler Siebenbürgens, angeführt von Iohannis. Dabei sieht Bukarest Siebenbürgen und das Banat als „Diaspora“ an – haben beide Teile, die Auslandsrumänen und der Teil nördlich der Karpaten doch mehrheitlich gegen Ponta gestimmt. Das Demokratie ohne Moral und Ethik nicht existieren kann, sind Ponta, Dragnea und Konsorten unfähig zu kapieren.

Siebenbürger und Banater empfinden es als ehrrührig, Almosen zu kriegen. Was man hat, kriegt man durch Arbeit. Banater Bettler forden Arbeit, nie Almosen. Südrumänen jammern: „Der Staat hilft uns nicht!“ Es ist kein Zufall, dass die größten PSD-Barone in den ärmsten Verwaltungskreisen leben. Im Banat sagt man, „Sa fie mai bine!“, „Es werde besser!“, in Südrumänien heißt es: „Mai rau sa nu fie“, „Noch schlechter soll´s nicht werden!“

Also sollte am Sonntag auch Süd- und Ostrumänien Klaus Werner Iohannis wählen. Damit es nicht noch schlechter werde.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 14.11 2014, 13:20
@Alexander: schau dir doch die regionalen Wahlergebnisse einmal genau an. In Bukarest und den städtischen Gegenden wählt man ähnlich wie in Siebenbürgen, aber in den ländlichen und extrem armen Kreisen südlich der Karpaten, also Gorj, Valcea, Arges, Dambovita, Prahova, da sind die Hochburgen der PSD. Und genau das sind unsere Nachbarkreise, wenn wir in den Süden fahren, sehen wir als erstes diese maroden Landschaften mit ihren ärmlichen Dörfern und Industrieruinen. Von da kommen die Vorurteile der Siebenbürger und von dort kommen auch die Neuzuwanderer, denn nach wie vor kommen jedes Jahr aus dem Süden tausende Armutsmigranten über die Karpaten. Die gebildete Bukarester städtischen Mittelschicht kommt ja leider selten aus der Stadt heraus und kennt die Situation in den Regionen gar nicht.
norbert, 13.11 2014, 02:56
Herr kremm. Mit Einen Satz gesagt. Das können alle verstehen. Die Korruption ist tief in der rumänischen Kultur verankert. Dies schaffen sie nicht mit Polizei ab. Das ist ein langer langer Prozess. Von Historikern. Von schulen Universitäten. Neuen politische Bewegungen. Dies alles muss aus dem Volk kommen. .wenn es nicht kommt. .dann kommt es nicht. Oder irgendjemand erklärt. Wie man von außen in Italien die Mafia bekämpft. Die italienische Mentalität passt zu so was. Und in Rumänien passt die alltägliche Korruption. Es geschieht eine ganz praktische Lösung dieses Problems in Rumänien. Wir alle kennen diese Lösung. Die Rumänen werden immer weniger. Mehr Sterblichkeit weniger Kinder. Und wegzug in alle Welt.das ist die rumänische Antwort auf diese Frage. Ihnen fällt keine andere ein.
Alexander, 12.11 2014, 22:06
Also wenn die Denkweise nördlich der Karpaten wirklich so überheblich ist, kann man einen wie Iohannis eigentlich gar nicht wählen, denn der denkt ja dann wohl auch so. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall - was natürlich nicht gut wäre für das Land.
Dirk, 12.11 2014, 11:13
Kompliment!!
Treffender hätte man die Situation nicht kommentieren können. Wenn man die letzten Jahre der ( NICHT ) Entwicklung Rumäniens betrachtet und das aktuelle Verhalten eines Herrn Ponta erlebt steigt einem die Zornesröte ins Gesicht. Ein Mann der mittels Eilverordnungen regiert und so ausländische Investoren vertreibt oder in den Ruin treibt, geht weiter auf dem Pfad der Unwahrheiten und Volksverdummung! Es kann aber sein, das das Volk irgendwann mal die Nase voll hat von den Pontas und Konsorten!! 1989 lässt grüßen!
Manfred, 12.11 2014, 11:08
Ist leider wahr!Wenn man den Branpass,den Transfagarasan,die Transalpina in nördlicher Richtung überquert hat,meint man,eine Landesgrenze überschritten zu haben.Es geht im Norden(+Westen)wesentlich disziplinierter zu...
Tourist, 12.11 2014, 11:01
Das ist viel Wahres daran, an dem Artikel. Allerdings muss man zugeben, dass man diese "südliche" Mentalität leider auch innerhalb der Karpaten sehr oft antrifft. Die Umsiedelungspolitik unter Ceausescu hat dazu geführt, dass auch Siebenbürgen und das Banat ziemlich balkanisiert wurden.

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