Nicht wundern über normale Zustände

Gesundheitsministerin eröffnete nach der Modernisierung den alten Trakt der Kronstädter Geburtsklinik

Donnerstag, 01. März 2018

Die Kronstädter Geburtsklinik ist nach Meinung der Gesundheitsministerin nun die modernste einschlägige Einheit auf Landesebene. Zwar stammt der Bau des ehemaligen Honterus-Gymnasiums vom Anfang des 20. Jahrhunderts, nach der Modernisierung ist er jedoch zweckentsprechend eingerichtet worden.
Foto: der Verfasser

Angenehm überrascht, wie der alte Trakt der Kronstädter Geburtsklinik modernisiert worden ist und über dessen Ausstattung mit neusten medizinischen Geräten, betonte die neue Gesundheitsministerin Dr. Sorina Pintea bei der Einweihung in den ersten Februartagen: „Wir sind soweit gekommen, dass man sich über normale Zustände, die alltäglich sein müssten, wundert“. Laut ihrer Meinung und jener der hier tätigen Ärzte und des Fachpersonals ist es innerhalb der zwei Jahre, seitdem die Arbeiten aufgenommen worden sind, gelungen, das Krankenhaus zu der modernsten Fachklinik auf Landesebene zu machen. Abgeschlossen wurden die Arbeiten noch im Oktober des Vorjahres. Doch wegen einigen nicht zeitgerecht abgeschlossenen Übernahmeprotokollen und Genehmigungen seitens des Gesundheitsministeriums musste die offizielle Einweihung aufgeschoben werden. Dieses dann bis die neue Regierung, geleitet von Viorica Vasilica Dăncilă, den Eid ablegte und das Kabinett stand. Zur neuen Ministerin für Gesundheit wurde dabei Sorina Pintea ernannt, die sich als ersten Arbeitsbesuch Kronstadt/Braşov zum Ziel setzte, um die neue Klinik zu eröffnen.

Als ehemalige Leiterin eines Kreiskrankenhauses ist sie sich auch voll bewusst, welche Voraussetzungen ein Spital erfüllen muss, und betonte bei ihrem Aufenthalt in der Geburtsklinik, dass die in diesem staatlichen Krankenhaus geschaffenen Bedingungen mindestens denen einer Privatklinik gleichkommen. Dieses müssten die normalen Zustände auch in anderen Spitälern sein.
 

Investitionen auch seitens des Kreisrates

Das Kronstädter Spital für Frauenkrankheiten und Geburten „Dr. Aurel I. Sbârcea“ umfasst zwei Gebäude. Der ältere Flügel, die ehemalige neue Honterusschule, die 1911 – 1913 gebaut worden war, im Zweiten Weltkrieg für ein Lazarett requiriert wurde und Jahre hindurch als Spital und schließlich Geburtsklinik diente, benötigte eine dringende Generalüberholung. Eingeleitet wurden die Arbeiten 2015 und konnten, wie schon gesagt, im Oktober 2017 abgeschlossen werden, doch verzögerte sich die Übernahme wegen einiger bürokratischer Probleme, die das Gesundheitsministerium rechtzeitig hätte lösen müssen. Die Investition hat insgesamt 29 Millionen Lei betragen, die vom Gesundheitsministerium durch verschiedene internationale Finanzierungen übernommen wurden. Der Kreisrat hat ebenfalls wesentlich beigetragen und hat allein im Vorjahr 5,6 Millionen Euro für die Ausstattung mit modernen Geräten mitfinanziert. Zu betonen ist, dass nach der Rückerstattung des Gebäudes an die evangelische Honterusgemeinde A.B. diese zur Einsicht kam, dass der Schulbau nicht mehr seinem ursprünglichen Zweck dienen kann, sodass man nach Verhandlungen übereingekommen ist, dass der Kreisrat dieses Gebäude ankauft und in Raten abzahlt. Der Eigenbeitrag der Geburtsklinik für die Modernisierungsarbeiten beläuft sich auf eine Million Lei, wie Dr. Valeria Badea, Managerin der Klinik, betonte.
 

Geschichtlicher Rückblick

Die Gebäude der Honterusschule am Kirchhof der Schwarzen Kirche entsprachen am Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr ihrem Zweck. Das Presbyterium der Kirchengemeinde stellte in der Gemeindevertretung am 7. Februar 1900 die Vorlage für einen neuen Schulbau vor. Nach einem Jahr lagen 44 Entwürfe für die neue Schule auf. Die Stadtväter stellten unentgeltlich den Rahmenplatz vor dem Roßmärkter Tor zur Verfügung. 1911 wurde mit dem Bau nach Plänen des Dresdner Architekten Paul Beck begonnen. Der Bau wurde unter der Aufsicht des Architekten Albert Schuller durchgeführt und konnte am 7. September 1913 in festlichem Rahmen eingeweiht werden. Das neue Schulgebäude umfasste einen schönen, geräumigen Festsaal, Klassenräume und Labors, in denen der Unterricht unter besten Voraussetzungen stattfinden konnte. In beiden Weltkriegen wurde die neue Honterusschule als Lazarett verwendet. Durch die Bildungsreform von 1948 wurde auch dieses Schulgebäude verstaatlicht und diente ab nun endgültig als Krankenhaus, schließlich als Geburtsklinik. Als auch diese den Ansprüchen nicht mehr entsprach, wurde eine neuer Flügel errichtet, der nun, nach der Modernisierung des altes Gebäudes, ebenfalls einer Generalüberholung unterzogen werden soll.
 

Beste Bedingungen für werdende Mütter

Das gesamte Gebäude wurde nun systematisch erneuert, um für die Entbindungen und die Neugeborenen die besten Bedingungen zu schaffen. Es wurden sechs OP-Räume nach europäischen Normen eingerichtet, im Geburtsraum wird jede werdende Mutter während der Geburt von einem Facharzt assistiert. Sämtliche Ausstattungen sind neu, sowohl was die medizinischen Geräte als auch die Möbel betrifft. Alle Krankenbetten werden elektrisch oder mechanisch betrieben. Drei neue Geräte für Anästhesien, ein gynäkologisches Laparoskop, zwei neue gynäkologische Tische, zehn Inkubatoren für Frühgeborene, eine zentrale Überwachungsstation u. a. Geräte gehören zu den Neuanschaffungen. Ein neuer Generator und eine Trafostation springen bei eventuellen Stromausfällen an.

In der Kronstädter Geburtsklinik erblicken in einem Jahr durchschnittlich 4200 Neugeborene das Licht der Welt. In dieser Klinik werden auch viele werdende Mütter aus den Nachbarkreisen Covasna und Harghita eingeliefert. Auf die Intensivstationen gelangen jährlich bis zu 500 Frühgeborene oder Säuglinge mit Geburtsfehlern.
Der Kronstädter Kreisrat ist ständig bemüht, den ihm unterstellten Krankenhäusern Finanzierungen zu erteilen, um in diesen beste Voraussetzungen zu schaffen. Laut Adrian Veştea, Vorsitzender des Kreisrates, wurde im Vorjahr für diese Spitäler eine Rekordsumme zugeteilt. Heuer sind weitere fünf Millionen Euro für diesen Zweck vorgesehen. Auch wurden Finanzierungsanträge im Höhe von 15 Millionen Euro für europäische Projekte gestellt.

Die Kronstädter Kreisbehörden sowie die Initiativgruppe für den Bau eines Regionalkrankenhauses, die ein solches Projekt unterstützen, müssen allerdings noch warten, da von eigenen Mitteln ein solches Vorhaben kaum verwirklichbar ist und man auch auf Regierungsgelder angewiesen ist. Auch ist noch nicht festgelegt, was das Regionalkrankenhaus umfassen soll, welche Kapazitäten vorgesehen werden müssen, obwohl die Regierung drei derartige Projekte schon genehmigt hat.

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