„Nikolaus Lenau“ – die Schule ohne Schulklingel

Ein Projekt sieht nun den Bau eines größeren Schulgebäudes vor

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Die Lyzeumsklassen der Lenau-Schule teilen sich das sogenannte R-Gebäude (im Bild) mit verschiedenen Firmen.
Foto: Zoltán Pázmány

Die Temeswarer Kommunalverwaltung hat unlängst den Bau eines größeren Gebäudes für die Lenau-Schule im Oituz-/Popa-Şapcă-Viertels genehmigt. Das Gebäude soll die Vor-, Grundschul- und Gymnasialklassen beherbergen.

Bald ist es ein Jahr her, seitdem die Lyzeumsschüler der deutschsprachigen Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar/Timişoara die Pausenklingel nicht mehr gehört haben. „Ich kann mich fast nicht mehr daran erinnern, wie sich das Klingeln anhört“, sagt Oana Eremie aus der zwölften Klasse. Vor fast einem Jahr mussten alle Klassen der Lenau-Schule die Räumlichkeiten an der Gheorghe-Lazăr-Straße Nr. 2 für die bevorstehende umfangreiche Sanierung verlassen. Alle Lyzeumsschüler zogen in das sogenannte „R-Gebäude“ am Republicii-Boulevard um. Auf je einer Etage wurden die Klassen untergebracht: im vierten Stock alle Jahrgänge der Abteilung für Geisteswissenschaften, im fünften Stock die naturwissenschaftliche Abteilung und im sechsten Stock fanden die Klassen der deutschen Spezialabteilung Unterkunft. Nun soll aber die fünfte Etage des Gebäudes zur Vermietung freigegeben werden, sodass die Schüler einige Stockwerke tiefer, in die zweite Etage, umziehen müssen. „Es war merkwürdig für uns, in die Pause zu gehen und unsere Nachbarn – eine IT-Firma, mit der wir die Räume auf demselben Stockwerk teilen – zu begrüßen. Nun gehört das zu unserem Schulalltag“, erzählt Oana Eremie.

Die Zwölftklässlerin muss nun bitter einsehen: Sie wird wohl bis zum Schulabschluss keinen Unterricht mehr in der „großen Schule“, dem ursprünglichen Gebäude, haben. „Wir werden, so wie unsere Kollegen im Vorjahr auch, das ´Gaudeamus´ für die Firmen aus dem Gebäude singen müssen“, sagt die Schülerin mit einem bitteren Lächeln. Das für die Lenau-Schule typische Zusammengehörigkeitsgefühl und die allen Schülern und Lehrern bekannte „Lenau-Stimmung“ sind seit einigen Jahren fast verloren gegangen. Zuerst wurde vor mehreren Jahren das Gebäude der Grundschule am Domplatz, die sogenannte „kleine Lenau-Schule“, an die Römisch-Katholische Kirche rückerstattet. Als Lösung für das Problem wurde der Bau eines neuen Gebäudes beschlossen. Der neue Bau ist immer noch in der Entwurfsphase, doch die Schule darf das Gebäude am Domplatz zumindest noch bis zum Ablauf des Mietvertrags im Jahr 2017 benutzen. Auch das Lyzeumsgebäude, die „große Schule“ in der Gheorghe-Lazăr-Straße, wird derzeit komplett saniert. Während die Unterbringungsmöglichkeiten bei der Schulleitung für Kopfzerbrechen sorgen, steigt die Anfrage für den Unterricht in deutscher Sprache stetig.

Lehrer pendeln zwischen den Gebäuden

Der Unterricht in der deutschsprachigen Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar wird also in vier Gebäuden abgehalten – am Domplatz in der „kleinen Lenau-Schule“, im Lenau-Internat in der Nemoianu-Straße, in den ehemaligen Räumen des Öffentlichen Nahverkehrsbetriebs (RATT) in der Intrarea-Doinei-Straße und im R-Gebäude der TU „Politehnica“ auf dem Republicii-Boulevard. Die Lehrer müssen pendeln, den Schülern fehlt das Zusammengehörigkeitsgefühl und unter den Eltern herrschen Unruhe und Ungewissheit. Irgendwann soll der Unterricht wieder in das Gebäude an der Gheorghe-Lazăr-Straße zurückkehren und ein neues Gebäude an der Oituz-Straße soll in Zukunft die Lenau-Grundschüler beherbergen. Wann das alles passieren wird, bleibt vorläufig noch ungewiss. Die Sanierungsarbeiten an der Lenau-Schule gehen langsam voran, und der Bau der neuen Schule hat noch nicht angefangen. Was derzeit aber feststeht ist, dass das neue Schulgebäude größer sein soll. Bis zu 50 Schulräume sollen laut neuestem Entwurf an der Oituz-Straße eingerichtet werden und sowohl Grundschul- als auch Gymnasialklassen sollen darin ihren Unterricht haben. Dies ist die Entscheidung der Temeswarer Kommunalverwaltung, die jüngst den Bau eines größeren Gebäudes abgesegnet hat. Machbarkeitsstudie, Ausschreibung für die Durchführung der Arbeiten und letztendlich das Überwinden finanzieller Engpässe stehen diesem Projekt noch bevor. „2008 hatte der Stadtrat beschlossen, dass laut Projekt eine neue Schule mit 27 Klassen gebaut werden soll“, sagt Helene Wolf, die Leiterin der Temeswarer Lenau-Schule. „Das war damals der Stand der Dinge, als wir dachten, dass dort bloß die Grundschulklassen einziehen sollen. Damals war es noch eine Utopie, dass der Unterricht ausschließlich am Vormittag gehalten wird. Doch das Schuljahr 2014-2015 war das erste Schuljahr, in dem alle Schüler vormittags Unterricht hatten. Die Bedingungen dafür sind in der Lenau-Schule bei Weitem nicht die entsprechenden“, fügt die Schulleiterin hinzu und weist darauf hin, dass sich die Zukunft der Schule bereits 2011 geändert hat, als man die Vorbereitungsklasse eingeführt hat. Für eine Schule, die sich mit mangelnden Räumen und gleichzeitig mit einer stetig wachsenden Anzahl an Schülern konfrontiert, mussten neue Lösungen her.

„Im Jahr 2011 gab es einen Schülerboom an der Lenau-Schule. Durch die Einführung der Vorbereitungsklasse wurden die ersten Klassen plötzlich sechs- und sogar siebenzügig. Zurzeit besuchen fast 180 Schüler in jedem Jahrgang die Lenau-Grundschule“, sagt Schulleiterin Wolf. „Man muss an die Zukunft dieser Schüler denken. Eine minimale Zukunftsstrategie könnte der Bau einer Schule mit 50 Klassen sein – einschließlich Laborräume und verschiedene Kabinette, ein Sportsaal und eine kleine Bibliothek – in der dann sowohl die Grund-, als auch die Gymnasialschüler untergebracht werden“, sagt Helene Wolf.
Das neue Projekt sieht für den Bau eine Investition von 65 Millionen Lei (14,7 Millionen Euro) vor. Die Finanzierung soll aus dem Temeswarer Stadthaushalt, aber auch über EU-Gelder erfolgen. Die Arbeiten sollen insgesamt 24 Monate dauern.


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