Normalität als Gefahr

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Diejenigen, die gegen das Projekt Roşia Montană protestieren, sind Öko-Anarchisten. So SRI-Chef Gheorghe C. Maior vor dem Parlamentsausschuss, der gebildet wurde, um sich eine Meinung über etwas zu bilden, das bereits feststeht. Goldgewinnung mittels Zyanid, Zerstörung einer Ortschaft, die UNESCO-Weltkulturerbe hätte werden können (wenn der Kulturminister es gewollt hätte) und Bildung eines riesigen Blausäuresees hinter einem Damm, von dem niemand weiß, wie lange er hält. Gegen solche Dinge sind Öko-Anarchisten, die vom SRI beobachtet (nur beobachtet?) werden.

Wie definiert der seit 2006 von Maior geleitete SRI die Protestler Pro-Roşia Montană? Ist es mit denen einfacher, passen sie leichter ins simple Denkschema der Ausschussmitglieder, die sich eine Meinung bilden wollen? Sie werden von der Roşia Montană Gold Corporation (RMGC) einfach bezahlt.

Und da sich alles ums Geld dreht, erklärt sich hiermit wohl auch die bis zur Besessenheit wiederholte Frage des Parlamentsausschusses an die Vertreter der Protestler Anti-RMGC: Von wem seid ihr bezahlt? Bevor man einen Finger rührt, muss man doch erst mal wissen, was das bringt, so das simple Denkschema der Großverdiener im Ausschuss. Also ist ihre Frage einfach logisch. Damit die Leute gegen das Projekt Roşia Montană auf die Straße gehen, muss sie jemand bezahlen. Und wenn der SRI nicht rauskriegt, wer das ist – der ungarisch-jüdischstämmige amerikanische Milliardär George Soros steht stark im Verdacht, der Hintermann zu sein, aber wie weisen wir ihm das nach, zumal er selber RMGC-Aktien besitzt? – dann fragen wir doch mal die Protestler, vielleicht verflappt sich da doch noch einer!

Man muss sich letztendlich fragen, was der SRI von den Anti-RMGC-Protesten überhaupt kapiert. Schließlich sind die SRI-Leute von unser aller Geld, von unseren Steuern, fürstlich bezahlt und sollten dafür sorgen, dass im Land Normalität herrscht. Aber bei den Denkschemata, die ihnen anerzogen werden, kommen ernsthafte Zweifel an einer Normalität unter dem Siegel des/der Sicherheitsdienste(s) auf. Kaum zu glauben, dass sich das Feinddenken der Leute vom Sicherheitsdienst in den Jahren seit 1989 grundlegend geändert haben könnte.

Wenn ich meinen „persönlichen Referenten“ von vor 1989 auf der Straße treffe, den pensionierten Major Murdeală, senkt er unweigerlich den Blick. Warum? Hat er plötzlich ein Gewissen? Und plagt ihn das? Stark? Ich weiß: einmal Securist, immer Securist. Die können nicht aus ihrer Geheimdienstkutte springen. Können sie ihre Denkschemata ändern? Kaum. Nie.

Das Rumänische Institut für Neuere Geschichte (IRIR), aus dem Securitateforscher wie Marius Oprea und Stejărel Olaru hervorgingen, ist auf Betreiben eines Ex-Botschafters gegründet und von Holland finanziert worden. Humanitas veröffentlichte jüngst das Securitate-Dossier Coen Storks von 1988 (Dosarul de Securitate al unui ambasador. Coen Stork). Wer die Ratlosigkeit der Securitate angesichts der Normalität eine Botschafters kennen will, sollte es lesen.

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