Nostalgische Touristenstraßen

Freitag, 30. August 2013

Bild: sxc.hu

Auch der Kommunismus ist ein legitimer Teil der Geschichte und hat somit seinen touristischen Wert. Bester Beweis ist die Berliner Mauer, die stückchenweise in Andenkenläden der ehemaligen DDR vor allem an amerikanische Touristen verkauft wird. In Rumänien hingegen kann man Kommunismus-Nostalgie noch richtig hautnah erleben. Man muss dazu nur die historische Gedenkstraße zwischen Schirkanyen/Şercaia und Hoghiz befahren. Seit sie von Nea Nicu, wie Ceauşescu-Nostalgiker den ehemals beliebtesten aller Genossen nennen, geschaffen wurde, hat sie tatsächlich keine Veränderung durch Menschenhand mehr erfahren. Wahrscheinlich als A-klassifiziertes Denkmal im Nationalen Institut für Kulturerbe eingetragen, ist jedes Loch streng vor Veränderung oder Zerstörung geschützt. Restaurationsarbeiten sind nur mit Originalmaterialien – Sand und Flusskiesel – erlaubt, moderner Asphaltbelag selbstverständlich tabu. Dakerfestungen oder sächsische Wehrkirchen werden ja auch nicht mit Rigips oder Styropor verkleidet. 

Der Erlebniswert dieser historisch bedeutenden Straße gleicht einer Zeitreise in die Vergangenheit. Am besten leiht man sich dafür einen Trabbi oder einen alten Dacia, um das Abenteuer hautnah und authentisch zu genießen. Aber auch mit einem modernen Geländewagen kann man mitunter erleben, was es seinerzeit bedeutete, mit einem Achsbruch in gottverlassener Pampa liegenzubleiben...

Ähnlich beliebt unter Nostalgikern ist die Verbindungsstrecke zwischen der Bukowina und der Maramuresch, die als größtes lebendes Straßenmuseum auf fast 90 Kilometern ungebremstes Lochvergnügen bietet. „Mit 25 km/h auf den Prislop Pass“ oder „In 5 Tagen durch Ciocăneşti“ lauten die einschlägigen Angebote der lokalen Tourismusunternehmen. Wer den Nervenkitzel liebt, kurvt nachts auf den ungesicherten Serpentinen. Links felsiger Steilhang, unten glitzert der Fluss, rechts brüllt der Hirsch im dunklen Wald, während es unter den Rädern urig kracht und das Metallgestänge kreischend Funken stiebt. 

Weltweit einzigartig und typisch für die rumänische Kultur, wird diese Straße sicher bald für das Welterbe der UNESCO vorgeschlagen. Bleibt nur zu hoffen, dass ihr – im Gegensatz zu so manchen anderen Denkmälern – wenigstens Vandalisierungen erspart bleiben. Nicht auszudenken, dass auf einmal bei Nacht und Nebel jemand die Gräben und Löcher klauen könnte!

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 01.09 2013, 23:32
in Wirklichkeit wurde die Straße unter dem Kaiser Franz Joseph gebaut, wie die meisten Eisenbahnlinien, Schulgebäude und Krankenhäuser auch. Schon seit damals ist nicht viel renoviert worden.
sraffa, 31.08 2013, 01:22
Ah, ich bin auch schon einmal mit öffentlichen Bussen die Strecke ( RN18) zwischen Bukovina und Maramures nördlich des Rodnei-Massivs gefahren. Wie habe ich als Westeuropäer und Städter das genossen - ich denke immer noch daran. Wer in Europa noch Abenteuer erleben will soll dort hinfahren bevor es zu spät ist.

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