„Not und Leid vergangener Zeiten dürfen nicht vergessen werden“

Michael-Weiß-Gedenkfeier beim Marienburger Studentendenkmal

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Das Studentendenkmal entstand 1913 und erinnert an die Kronstädter „Studenten“ (Schüler des Honterusgymnasiums) die 1612 in der Schlacht bei Marienburg ihr Leben verloren.

Der Kronstädter Stadtpfarrer Christian Plajer und der Vorsitzende des Kronstädter Kreisforums Wolfgang Wittstock bei der Gedenkfeier. Im Hintergrund: Stadtratsmitglied Christian Macedonschi (links) und der Marienburger Bürgermeister Sorin Taus
Fotos: Ralf Sudrigian

Kühles, regnerisches Herbstwetter begleitete am Sonntagnachmittag die seit 18 Jahren wieder aufgenommene Michael-Weiß-Gedenkfeier in Marienburg beim Studentendenkmal. Trotzdem war die Teilnehmerzahl von den Wetterbedingungen nicht maßgeblich beeinflusst. Vor allem aus Kronstadt waren Forumsmitglieder und Honterusschüler angereist. Die Burzenländer Blaskapelle unter Leitung von Vasile Glăvan sicherte den geeigneten festlichen musikalischen Rahmen dieser Veranstaltung, die bekanntlich inzwischen den Charakter eines Trauertages der Burzenländer Sachsen trägt, an dem nicht nur der im Freiheitskampf bei der Schlacht von Marienburg Gefallenen gedacht wird, sondern allen Opfern von Krieg, Gewaltherrschaft und Vertreibung.

Das wurde bei der diesjährigen Gedenkfeier erneut unterstrichen - sowohl bei der geistlichen Handlung, die der Kronstädter Stadtpfarrer Christian Plajer vornahm, als auch in dem von Eva Plajer (IX. C) und Mara Popescu (IX. A), beide Honterusschülerinnen, deutsch und rumänisch vorgelesenen Ansprachen oder im Grußwort von Wolfgang Wittstock, Vorsitzender des Kreisforums Kronstadt, das zusammen mit der evangelischen Honterusgemeinde und mit dem Honteruslyzeum diese Feier gestaltete.

„Not und Leid vergangener Zeiten dürfen nicht vergessen werden, damit sich Derartiges nicht wiederholen kann. So gesehen ist das Studentendenkmal, vor dem wir heute stehen, ein Mahnmal – nicht das einzige hier in Marienburg“, hieß es in der Rede der beiden Schülerinnen. Gedacht wurde auch der Kriegsgefangenen und der Zivilisten, die im Zweiten Weltkrieg in Marienburg und in Arini bei Nussbach interniert wurden und von denen rund 300 auch ihr Leben lassen mussten. Es handelt sich um sowjetische Kriegsgefangene und um Ungarn und Deutsche. An sie erinnert ein Gedenkkreuz bei der Ausfahrt aus Marienburg nach Rothbach sowie eine Tafel, die am Wochenende in Arini enthüllt werden soll.

Zu den Opfern von Krieg gehören auch jene, die in dieser Gegend den Ersten Weltkrieg als Soldaten erleben mussten. Auch sie wurden nicht vergessen: „Das Besondere an unserer diesjährigen Michael-Weiß-Gedenkfeier ist, dass sich dieser Tage genau 100 Jahre seit der Schlacht um Kronstadt erfüllen, in der sich, im Rahmen der Kriegshandlungen des Ersten Weltkrieges, rumänische Truppen und Truppen der Mittelmächte gegenüberstanden. Auf beiden Seiten gab es damals viele Tote, von denen die Soldatenfriedhöfe in Kronstadt und Umgebung auch heute noch Zeugnis ablegen. Den damals Gefallenen gilt heute unser besonderes Gedenken.“

In seiner Ansprachen wies der Marienburger Bürgermeister Sorin Taus, der nun schon seit mehreren Jahren der Einladung zur Teilnahme an der Gedenkfeier Folge leistet, auf die Bedeutung dieses Denkmals hin. Darüber hinaus äußerte er erneut die Bereitschaft der Gemeindeverwaltung, in Absprache mit der evangelischen Landeskirche, wichtige Baudenkmäler wie die Marienburger Kirche oder die leider ohne Kirchturm gebliebene Kirchenburg von Rothbach (verwaltungsmäßig zur Gemeinde Marienburg gehörend) instand zu halten und touristisch besser zur Geltung zu bringen. Bekanntlich wird auch die Marienburg mit Unterstützung des Kreisrates renoviert, so dass diese Burzenländer Gemeinde gleich mehrere historische Sehenswürdigkeiten vorweisen kann. Dazu gehört auch das Studentendenkmal, das entsprechend in touristischen Broschüren der Gemeinde in Bild und Text vorgestellt wird.

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