„Nur die Lebendigen schaffen die Welt“

Stefan Zweig-Tagung in Straßburg

Sonntag, 21. Oktober 2018

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Tagung in Straßburg nahmen auch an einer Führung durch das Gebäude des Europarats mit Blick auf Zweigs Visionen als Europäer teil.
Foto: ISZG

Im September fand in Straßburg eine Jahrestagung der Internationalen Stefan Zweig Gesellschaft (ISZG) in Zusammenarbeit mit den Librairie Kleber und Les Bibliothčques idéales statt. Die ISZG fördert durch Vorträge, Lesungen, Ausstellungen, Kongresse, Symposien und Publikationen im In- und Ausland die kritische Auseinandersetzung mit Leben und Werk des weltweit bekannten und mehrfach übersetzten österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig. Auch in diesem Jahr nahmen an der Tagung zahlreiche an Stefan Zweig interessierte Lehrer, Germanisten und Wissenschaftler aus Europa teil. Den Auftakt bildete eine Führung durch den Europarat mit Blick auf Zweigs Visionen als Europäer. Einen Schwerpunkt der Tagung stellte die Freundschaft zwischen Stefan Zweig und Albert Schweitzer dar. Aus diesem Anlass wurde das Pfarrhaus in Günsbach, dem Geburtsort Schweitzers, besucht und das Albert- Schweitzer-Haus sowie seine afrikanische Sammlung besichtigt. Anschließend bot Gregor Unterkofler in der Kirche Saint-Himčre ein eindrucksvolles Konzert an der von Schweitzer entworfenen Kern-Orgel.

Der dritte Tagungstag startete mit einer Präsentation der Geschichte und der Aufgaben im Lieu d’Europe. Diese Stätte ist einem Projekt zu verdanken, das von der Zivilgesellschaft seit den 1980er Jahren getragen wird, um das europäische Ideal zu fördern. Straßburg spielt eine besondere Rolle in der institutionellen Landschaft Europas. Es folgte ein spannender Vortrag zum Briefwechsel zwischen Stefan Zweig und Frans Masereel, den die Wissenschaftlerin Julia Rebecca Glunk (Universität Freiburg) hielt.
Die Präsentation der Graphic Novel „Le joueur d‘échecs“ stellte die Aktualität der „Schachnovelle“ Zweigs unter Beweis, nicht zuletzt wegen den inspirierten Illustrationen von David Sala.

Eine Lesung mit Musik zum Thema Frieden, das Stefan Zweig und Albert Schweitzer zeit ihres Lebens beschäftigte und freundschaftlich verband, sorgte für heftigen Applaus.
Matskat & Patrick Hecklen Obernesser boten zum Abschluss der Tagung eine Lesung zu Gedichten in Französisch und Deutsch anhand von Zweigs Übersetzungen von Verhaeren, Baudelaire und Rimbaud in Chansons umgeschrieben. Einführende Erklärungen zu Zweigs Beziehung zu den französischen Dichtern und zur musikalischen Komposition ergänzten die Lesung.

Die Besichtigung des Isenheimer Altars in Colmar und eine kleine Stadtführung durch Straßburg vervollständigten das sorgfältig zusammengestellte Rahmenprogramm der Tagung, die vor allem dank des Einsatzes von Hildemar Holl, dem ehemaligen und neu gewählten Vorsitzenden der ISZG, sowie der Gastfreundlichkeit des Ehepaars Patrick und Anna-Maria Hecklen Obernesser als ein äußerst gelungenes kulturelles Ereignis betrachtet werden kann. Stefan Zweigs Aussage „Nur die Lebendigen schaffen die Welt“ erwies sich erneut als wahr. Es sind die Worte eines großen Humanisten, überzeugten Pazifisten und hervorragenden Sprachkünstlers, dessen Bemühungen um Verständnis und Verständigung nicht genug gepriesen werden können.

 

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