„Nur ein kleiner Teil des unglaublichen Reichtums“

Mărginimea Sibiului in der Hauptstadt in einer Ausstellung vorgestellt

Donnerstag, 29. August 2013

Zur Eröffnung der Ausstellung über die Mărginimea Sibiului im Bukarester Bauernmuseum kam ein zahlreiches interessiertes Publikum.
Foto: die Verfasserin

Mărginimea Sibiului: Die kompakte rumänische Region im südlichen Siebenbürgen, die intensiv vom Ende des 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts studiert wurde, hat ihre authentischen Traditionen bis Mitte des 20. Jahrhunderts bewahrt. Der Landstrich ist im In- oder Ausland nicht sehr bekannt, konnte der  Direktor des Bukarester Bauernmuseums, Virgil Ştefan Niţulescu, bei der Eröffnung der Wanderausstellung in der von ihm geleiteten Einrichtung feststellen. Durch Digitalisierung der gesammelten Materialien präsentiert die Ausstellung ausführlich spezifische Traditionen und Bräuche des Gebiets, die dem breiten Publikum auch im Internet unter marginimeasibiului.com zugänglich sind.

Es geht um ein Kulturprojekt, das von der NGO SwisswebAcademy in Zusammenarbeit mit mehreren heimischen und ausländischen Institutionen erarbeitet wurde. Das Ziel ist es, möglichst viele Materialien über die Mărginimea Sibiului zu sammeln und sie dem Publikum zu präsentieren, erklärte Laurent Chrzanovski, einer der Initiatoren. Der schweizerische Archäologe lebt seit ein paar Jahren in Hermannstadt und verdeutlichte, dass das Projekt noch in Kinderschuhen steckt: „Alles, was man bei der Ausstellung sehen kann, ist nur ein kleiner Teil des unglaublichen Reichtums, den wir in nur vier Monaten gesammelt haben“. Geforscht wurde in vielen Kulturinstitutionen des Gebiets, u. a. im Archiv des Kultur- und Begegnungszentrums „Friedrich Teutsch“ der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien und im Museumskomplex Astra in Hermannstadt/Sibiu.

Die Einzigartigkeit der Gegend ist geschichtsbedingt: Früher gehörten Teile der Mărginimea Sibiului zeitweilig der Walachei an. Der Kontakt zur Walachei und Moldau war ununterbrochen: Transhumanz ist ein Kennzeichen der Region, die Schafe wurden nach Südosten in Richtung Dobrudscha, Krim, Bulgarien oder Griechenland getrieben. „Diese Region hat ein außergewöhnliches Kulturerbe, das nicht aus Kirchenburgen, Schlössern oder Gebäuden, sondern aus Menschen besteht, die da gelebt haben und ihre Bräuche späteren Generationen weitergegeben haben. Es ist der richtige Moment, all diese Materialien zu sammeln, bevor sie verschwinden“, hob der schweizerische Archäologe hervor. Es besteht die Gefahr, dass die Region zum Randgebiet der Stadt Hermannstadt wird und die noch lebenden Traditionen verliert.

Laurent Chrzanovski brachte seine Absicht zum Ausdruck, ein Archiv über das kleine Gebiet entstehen zu lassen. Die Webseite marginimeasibiului.com ist als Portal zu verstehen, das vor allem auch für Touristen hilfreich ist, die mehr über die Region, die Bräuche oder die Küche hier erfahren wollen. Bis jetzt wurden ungefähr 7000 Dokumente gesammelt, auch als Datenbank für Kulturinteressierte und Forscher. „Wir wollen einem internationalen Publikum den wahren Reichtum der Region präsentieren“, schlussfolgerte er. Auf die Schönheit der Region machte auch die Vertreterin des Rathauses in Sălişte, Maria Hanzu, aufmerksam. Anwesend bei der Eröffnung der Ausstellung war u. a. auch Marc Bruchez, Kulturattaché der Schweizerischen Botschaft.

Die Welt der rumänischen Handwerker

Ungefähr 200 Fotografien stellen das Natur- und Kulturerbe in der Mărginimea Sibiului dar. Hier gab es in der Vergangenheit nicht nur Hirten: Viele verschiedene Handwerke werden im Rahmen der Ausstellung präsentiert, die bis 1. September im Bukarester Bauernmuseum besichtigt werden kann. Die Besucher können viel über die hiesigen Schmiede, Hutmacher oder Wagenbauer erfahren; beispielsweise dass jede der 18 Ortschaften aus der Mărginimea Sibiului mehrere Schmiedewerkstätten hatte. Die Wagenbauer arbeiteten meistens zusammen mit den Schmieden, manchmal sogar exportorientiert. Sehr bekannt sind beispielsweise die Gebrüder Lungu aus Răşinari, die bis 160 Wagen pro Jahr anfertigen konnten. Fassbinder gab es vorwiegend in Sadu, Râu Sadului, Orlat und Sălişte. Heutzutage gibt es nur noch ein paar Schmiede, allein in Gura Râului. Es gibt drei Sorten von traditionellen Hüten in der Mărginimea Sibiului, jede davon hat spezifische Eigenschaften. Bis ins 19. Jahrhundert wurden die Hüte in Hermannstadt angefertigt. Die Hutmacher in der Mărginimea Sibiului hatten ursprünglich ringförmige, zugespitzte Mützen hergestellt. Erst später haben sie von Sachsen gelernt, auch andere Modelle anzufertigen.

 

Das Archiv marginimeasibiului.com ist im Werden. Die Webseite wurde in Zusammenarbeit mit dem Brukenthal-Museum, dem Bukarester Bauernmuseum, dem Siebenbürgischen Ethnografiemuseum Klausenburg/Cluj, dem Ethnografiemuseum in Genf (Schweiz), der evangelischen Kirchengemeinde in Michelsberg/Cisnădioara, der Lucian Blaga-Universität  Hermannstadt, dem Rathaus der Stadt Sălişte u. a. zusammengestellt.

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