Nur im Banat hergestellt

Neues Gütesiegel soll rumänischen und serbischen Mittelstand fördern

Mittwoch, 03. September 2014

Pflanzliche Öle und Elixiere made in Banat: Organic Joy ist eines von über 30 Produkten, die auf der Facebook-Seite des Projektes vorgestellt wird. Foto: Privat

Ab 2015 werden Lebensmittel, die im Banat hergestellt wurden und deren Rohstoffe zu 51 Prozent ebenfalls aus der Region stammen, mit dem Gütesiegel „Made in Banat“ verkauft. Foto: Zoltán Pázmány

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind der wirtschaftliche Standbein der Europäischen Union. Der Mittelstand ist in Industrieländern wie Deutschland der Rückgrat der Ökonomie. Laut einer Analyse der Europäischen Kommission spielt er eine Schlüsselrolle in den Bereichen Innovation, Forschung und Entwicklung. Er ist der treibende Motor, der zu mehr Wohlstand und wirtschaftlichem Wachstum führt. Immerhin sind 99 Prozent aller europäischen Unternehmen KMU.

Für Rumänien und das Nachbarland Serien stellt diese Tatsache sowohl eine gute als eine schlechte Nachricht dar. Denn in beiden Ländern wurde der Mittelstand aufgrund der sozialistischen Diktaturen zerstört. Seit der Wende bemühen sie sich ihn wieder aufzubauen. Darum wurde auch im vergangenen November das Projekt „Made in Banat“ gestartet.

Es geht den Initiatoren darum, kleine und mittlere Unternehmen aus der historischen Region zu fördern, gemäß dem Motto „Zusammen sind wir stärker“. In 18 Monaten soll eine grenzüberschreitende Kooperation aufgebaut, dafür eine Datenbank und eine Online-Platform eingerichtet, zehn Werkstätten und mehrere Messen in den teilnehmenden Partnerstädten organisiert werden.

Das wichtigste Ziel ist die Einführung des Gütesiegels „Made in Banat“. Dieses wird auf Lebensmitteln aber auch anderen Produkten, die ausschließlich im rumänischen und serbischen Banat produziert werden, draufgeklebt. Das kann Obst und Gemüse sein, alkoholische Getränke wie Weine oder Biere oder Alltagsprodukte wie sanitäre Anlagen, Wandfarben bzw. Rollputz-Mittel. Die Voraussetzungen für den Siegel legten die Projektpartner im Juni in einer Arbeitssitzung fest. Es reicht nicht für ein Produkt im Banat hergestellt worden zu sein. Auch die Rohstoffe müssen zu 51 Prozent aus der Region stammen. Zudem müssen die nationalen sowie europäischen Normen erfüllt werden und sie müssen einer Qualitätskontroller unterzogen werden. Die Unternehmen müssen schwarze Zahlen schreiben und die erforderlichen Genehmigungen haben. Nur wenn eine Firma lupenrein ist und die Produkte die Standards erfüllen, dürfen sie das Gütesiegel „Made in Banat“ tragen.

In 14 Kategorien werden Produkte und Dienstleistungen klassifiziert. Sämtliche Informationen dazu, sollen auf der gemeinsamen Online-Platform öffentlich gemacht werden.

Im Netz stellt sich das Projekt bereits mit einer Facebook-Seite vor. Worauf auch schon rund 34 Produkte und Unternehmen vorgestellt werden.

Es sind vorwiegend Firmen aus dem rumänischen Banat – aus den Kreisen Timis/Temesch, Caras-Severin und Arad.

Das Familienunternehmen Guban stellt in Temeswar/Timisoara Schuhe her. Die Firma fing mit nur einem Angestellten 1935 an. Der Firmengründer Guban Blaziu spendete Anfang der 1950er Jahre seine Fabrik dem rumänischen Staat. Durch die Verstaatlichung entwickelte sich auch das Geschäft weiter.

Ein weiteres Unternehmen, das auf der Facebook-Seite vorgestellt wird, ist die Hühnerfarm „Avia – Agrobanat“ – eine Tocherfirma der Agrobanat Holding. Ebenfalls ein Familienunternehmen, hat sich Agrobanat auf Agrarprodukte spezialisiert.

„Avia“ möchte sich mit Flüssigei von der Konkurrenz abheben: Bei dem Verfahren werden die Eiweiße und die Eigelbe getrennt, pasteurisiert und dann in 1-Liter-Tetrapaks oder Kanister gefüllt. Flüssigei wird in großen Mengen an Konditoreien, Nudelherstellern sowie anderen Firmen, die für ihre Lebensmittelprodukte große Eimengen benötigen.

In der serbischen Stadt Zrenjanin/Großbetschkerek fand Ende August das alljährliche Bierfest statt. Im Rahmen des Festes veranstaltete die Handels- und Industriekammer der Stadt in Zusammenarbeit mit den Kammern benachbarter Städte sowie Temeswars eine Messe. 200 Aussteller aus Serbien und Rumänien beteiligten sich an der Expo. Davon waren 85 Prozent Hersteller, der Rest stammte aus der Tourismus- und Dienstleistungsbranche. Auch der neue Gütesiegel „Made in Banat“ wurde ausführlich in der von Temeswar 130 Kilometer entfernten serbischen Stadt vorgestellt. Bis im Dezember können Banater Firmen ihre Bewerbungen für den neuen Siegel einreichen. Im Dezember werden die ersten fünf Produkte oder Dienstleistungen ausgewählt. Sie erhalten das Siegel kosten. Die nächsten Unternehmen werden dann von den Projektpartnern, den jeweiligen Handels- und Industriekammern, unterstützt, müssen aber dafür eine bestimmte Geldsumme zahlen.

Das heißt, im nächsten Frühjahr könnten schon in den Supermärkten aus Temeswar, Zrenjanin, Pancevo sowie den umliegenden Kleinstädten und Gemeinden Produkte mit dem „Made in Banat“-Siegel stehen. Viele sind schon jetzt erhältlich. Wirtschaftsexperten sind sich allerdings einig, dass durch den Siegel, die Marken mehr in das Bewusstsein der Verbraucher rücken werden. Darum geht es schließlich bei dem EU-Projekt „Made in Banat“: Um die Stärkung der KMU im Banat.

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