Obwohl Geld vorhanden: Straßensanierung dauert endlos lange

Lippa empfängt Wallfahrer mit Baustelle im Stadtzentrum

Mittwoch, 06. Mai 2015

Mehrere Kleinhändler sind derzeit im Türkischen Basar (Foto) untergebracht und jeder Mieter hat angeblich nach Gutdünken bauliche Veränderungen vorgenommen und die Original-Architektur vernichtet, heißt es in der Stadtverwaltung.

Konform des Projektes werden die unterirdischen Rohrleitungen auf den 14 ins Projekt einbezogenen Straßen erneuert, die Kanalisation und die oberirdische Infrastruktur saniert. Die Straßen sollen auf 12.000 Quadratmetern mit Andesit-Pflastersteinen versehen werden. (Blick auf eine der Hauptstraßen von Lippa).

Wallfahrten und Kurbäder machten einst die Kleinstadt Lippa/ Lipova im Verwaltungskreis Arad zu einer Tourismusattraktion; Wallfahrten locken jährlich Zehntausende Besucher nach Maria Radna – von diesem Touristenstrom profitieren sowohl die Stadt Lippa, als auch das eingemeinde Radna. Die nach der Wende komplett verwahrlosten Kurbäder versucht nun ein Privatunternehmen schrittweise erneut aufzupäppeln. Die Stadt litt nach der Wende unter der Schließung der Staatsbetriebe und der Militäreinheiten – das Kurunternehmen war gleich nach der Wende dem Verfall preisgegeben. Mitgenommene Häuserfassaden und seit drei Jahren dauernde Straßensanierungen prägen das Stadtbild. Zwei Baudenkmäler von Lippa haben derzeit einen grundverschiedenen Werdegang: Während Kloster und Klosterkirche saniert werden, steht der Türkische Basar auch wegen privater Interessen nicht gerade einladend da.


Die Kleinstadt Lippa/ Lipova zieht jährlich 80.000 Touristen in den anrainenden Wallfahrtsort Maria Radna, schreibt Mediafax. Die Stadt selbst ist seit nahezu drei Jahren eine Baustelle. Das Stadtzentrum wird saniert und die Arbeiten werden ständig verzögert, da die Ausschreibungen eine lange Kette an Zwistigkeiten, Engpässen und Pannen zur Folge hatten. Die Stadt (mit den eingemeindeten Dörfern Radna und [oimo{) hat etwas mehr als 10.000 Einwohner und liegt am Marosch-Ufer, etwa 35 Kilometer von Arad entfernt. Im Mittelalter war Lippa als wichtigstes Wirtschaft- und Handelszentrum des Arader Komitats bekannt und wurde 1718 von den Habsburgern zum Komitatssitz ernannt. 1552-1595 und 1613-1718 befand sich die Ortschaft, der 1389 die Stadtrechterklärung verliehen wurde, unter Türkischer Herrschaft.

Einer der Knackpunkte in der Stadtarchitektur ist der 1638 gebaute und heute als historisches Denkmal dastehende Türkische Basar. Das Gebäude ist im Katalog der Denkmäler des Halbmondes festgehalten. Fällige Renovierungen können daran von der Stadtverwaltung nicht vorgenommen werden, da es an Erben der ehemals enteigneten Inhaber rückerstattet wurde und derzeit mehrere Inhaber hat, die selbst in das Gebäude wenig investieren. Der Bürgermeister Iosif Mircea Jichici sagt, dass es Versuche gegeben hat, die Immobilie zu kaufen. „Die Inhaber haben sich jedoch Rechenschaft gegeben, dass das Gebäude einen höheren Wert haben wird, wenn ersteinmal das Stadtzentrum saniert ist und deshalb fordern sie enorme Summen“. Jeder der sechs Inhaber beanspruchte einige Zehntausend Euro, obwohl das Gebäude allein vom historischen Standpunkt her wertvoll ist und als Immobilie wenig attraktiv ist, sagt Bürgermeister Jichici. „Wir versuchen weiter über den Preis zu verhandeln, weil diese Immobilie eine der wichtigsten lokalen historischen Denkmäler der Stadt ist, und geschützt werden muss“, so Jichici.

Der Türkische Basar, aber auch fast alle anderen Immobilien aus dem Stadtzentrum haben Sanierungen notwendig, doch die Inhaber weigern sich solche anzugehen, weil es ihnen an Geld zu solchen Investitionen fehlt. „Das Stadtzentrum sieht wie eine Gegend aus, in der archäologische Ausgrabungen vorgenommen werden. Vom Baustil her sind die Häuser in der Stadt sehr schön, doch sie sind nicht instand gehalten. Ich habe wenige renovierte Häuser in der Stadt gesehen“, wird eine Touristin aus Sathmar von Mediafax zitiert. Das Stadtzentrum von Lippa ist seit drei Jahren eine Baustelle, denn meist stehen die Baumaschinen still.

2011 konnte die Stadt eine EU-Finanzierung in Höhe von 31 Millionen Lei zur Modernisierung der Infrastruktur heranziehen. Die Sanierung von 14 Straßen war geplant und hat 2012 begonnen. Kurze Zeit darauf - nachdem die Straßen großflächig aufgerissen waren - war jedoch Baustopp angesagt. Der Bürgermeister sagt, dass seit damals zwei Ausschreibungen annulliert wurden. Bei der ersten Vergabe der Straßenbauarbeiten, gab es große Probleme. Die Gewinnerfirma hatte das Angebot unterbreitet, die Arbeiten zu 12,8 Millionen Lei durchzuführen – also weit unter den zur Verfügung stehenden 31 Millionen Lei - sodass diese Firma auch die Ausschreibungen gewonnen hat. Nachdem 20 Prozent der Arbeiten ausgeführt worden waren, forderte das Unternehmen eine Vertragsänderung, die die veranschlagte Summe um acht Millionen Lei aufstocken sollte. „Sie haben sich Rechenschaft gegeben, dass sie mit der erst ausgehandelten Summe ihr Versprechen nicht einhalten können“, sagt Jichici. Als Alternative schlug das Straßenbauunternehmen vor, die Qualität der Arbeiten zurückzufahren. So sollten billigere Pflastersteine gelegt werden. Die Stadtverwaltung akzeptierte jedoch keine dieser Varianten, kündigte den Vertrag und zahlte der Baufirma zwei Millionen Lei für die ausgeführten Arbeiten.

Im Jahr 2013, als laut Erstplanung die Arbeiten abgeschlossen werden sollten, musste eine neue Ausschreibung organisiert werden. Daran nahmen sieben Firmen teil. Gewinner war auch diesmal ein Unternehmen, das die Arbeiten unter dem geschätzten Wert ausführen wollte. „Die Pechsträhne hielt auch weiterhin an. Nach Beanstandungen blieb alles in der Schwebe, bis Ende des vergangenen Jahres, als wir eine dritte Ausschreibung organisiert und einen neuen Vertrag unterzeichnet haben“, so Bürgermeister Jichici. Diesmal belief sich die Vertragshöhe auf 25 Millionen Lei. Nun haben die Arbeiten, nach drei Jahren des Stillstandes erneut begonnen. Vorgesehener Abschlusstermin ist der 31. August 2015. Ausgehend vom Stadium der Arbeiten, ist der Bürgermeister keineswegs überzeugt, dass der Termin auch eingehalten werden kann. Also am 2. August, wenn die Wallfahrtsstätte Maria Radna mit hohen Gästen eingeweiht wird, ist das Stadtzentrum noch immer eine Baustelle.

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