Öffnete für Tausende die Wege in die Freiheit

Vor 50 Jahren begann RA Dr. Heinz G. Hüsch seine streng geheime Mission

Samstag, 24. März 2018

Dr. Heinz Hüsch 1988 im Deutschen Bundestag

Am 18. März 1968, vor 50 Jahren, landete der junge bundesdeutsche Rechtsanwalt Heinz Günther Hüsch aus Neuss in Nordrheinwestfalen, damals 39 Jahre alt, erstmals in streng geheimer Mission in Bukarest auf dem Flughafen Băneasa zusammen mit dem Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Ewald Garlepp. Es war ein dreitägiges Herantasten und Verhandeln über ein sehr heikles Thema, dessen Kern heute kurz zusammengefasst werden kann als Vermittlung für Ausreisen von Deutschen rumänischer Staatsangehörigkeit in die westliche Welt gegen Bezahlung von Devisen. Selbst die Verhandlungspartner sollten nicht wissen, wer sich tatsächlich hinter den Unterhändlern verbarg, die Anwälte standen nicht unter diplomatischem Schutz.

Beauftragt wurde der junge Anwalt und bereits erfahrene CDU-Lokalpolitiker Hüsch für diese Geheimsache von Staatssekretär Gerd Ludwig Lemmer (CDU) aus dem später (1969) aufgelösten Bundesministerium für Flüchtlinge und Vertriebene, weil er dessen Verhandlungsfähigkeiten und politisch unbestechlich konservativ-klerikale Haltung kannte und schätzte. Lemmer sollte recht behalten, denn Hüsch sorgte durch zähe, harte, aber auch rücksichtsvolle Verhandlungen den Partnern gegenüber für erfolgreiche Abschlüsse und für absolute Diskretion, eine strikte Geheimhaltung bis in unsere Tage. Und das unter unterschiedlichen bundesdeutschen Regierungen in der Zeitspanne 1968 – 1989 und unter vier Bundeskanzlern. In den fast 22 Jahren als ehrlicher Makler für die Interessen der Bundesrepublik Deutschland und gleichermaßen für die Belange der gesamten deutschen Minderheit in Rumänien, sowohl jener Menschen, die entschieden ausreisen wollten, als auch derer, die bleiben wollten, hat Dr. Hüsch – davon 20 Jahre als alleiniger Unterhändler auf Drängen der rumänischen Seite – 313 offizielle und noch mehr beharrliche inoffizielle Verhandlungen geführt.

Der Mann mit dem Geldkoffer (so „Die Tageszeitung“ vom 1. September 2013) konnte sich bei der Übergabe bzw. Überweisung von geschätzt (Presseberichte, nicht von Dr. Hüsch) deutlich über einer Milliarde Deutsche Mark auf volles Vertrauen stützen. Das wichtigste Ergebnis seines „Staatsauftrags“ war, dass rund 226.000 Deutsche rumänischer Staatsangehörigkeit das Land verlassen konnten. Kurz vor der Wende, als hätte sie der rumänische Sicherheitsdienst vorausgesehen, wurde die Mission des Unterhändlers von rumänischer Seite her beendet.

Der Anwalt Dr. Hüsch wurde gleichzeitig im politischen Leben der Bundesrepublik als erfolgreicher Vermittler in Ausschüssen bekannt und geschätzt. Über ein halbes Jahrhundert war er gewählter Stadtrat in seiner Heimat Neuss, ein Jahrzehnt für diese Region Abgeordneter im Landtag Nordrhein-Westfalen und zudem 14 Jahre direkt gewählter Abgeordneter im Deutschen Bundestag (1976 – 1990). Im Sinne seiner juristischen und politischen Bildung und katholischen Lebensauffassung war ihm der langjährige Regierungsauftrag, sich für Menschen in der Diktatur und für die Öffnung von Wegen in die Freiheit einzusetzen, weit mehr als ein berufliches Anliegen.

In Politikerkreisen hatte sich Dr. Hüsch einen Namen gemacht als „Mann für die schwierigen Fälle“, das bestätigten auch die durch eine Buchveröffentlichung 2016 bekannt gewordenen Akten. Es handelte sich um die Berufung für eine sehr schwierige, streng geheime Sache eines alleinigen deutschen Verhandlungsführers den Vertretern des rumänischen Geheimdienstes gegenüber. In heute unvorstellbarer Diskretion vollendete er unbemerkt zu aller Zufriedenheit seinen Auftrag in einer immer noch öffentlich umstrittenen Sache – das Bleiben oder Gehen der Rumäniendeutschen.
Wenn es unter engeren Vertrauten in Regierungskreisen darum ging, den Freikauf zu stoppen, widersprach Dr. Hüsch mit dem überzeugenden Argument, das „wäre vor der Geschichte nicht zu verantworten“.

Insgesamt war die Ausreise von rumänischen Staatsbürgern in kommunistischer Zeit allgemein ein unkontrolliertes, undurchschaubares „Geschäft“. Über Verträge ist es Dr. Hüsch zumindest für die Rumäniendeutschen gelungen, den Freikauf in eine systematische, relativ geordnete Form zu bringen. Dass Dr. Hüsch dabei nie aufgegeben hatte, lag auch daran, dass schon seine ersten Verhandlungen vor 50 Jahren in Bukarest erfolgreich waren. Von dem ursprünglich verlangten Vorschuss von 400.000 DM konnte die Summe auf die Hälfte heruntergehandelt werden. Nachzulesen in dem Buch „Wege in die Freiheit. Deutsch-rumänische Dokumente zur Familienzusammenführung und Aussiedlung 1968-1989“, herausgegeben von der Landsmannschaft der Banater Schwaben München (382 Seiten, ISBN 978-3-934794-44-3). Diese Zeitung berichtete über das Buch der Autoren Hüsch-Leber-Baier vor einem Jahr.

Für seine Verdienste wurden Dr. Hüsch u. a. das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, der Verdienstorden des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und der „Hessenpreis“ verliehen, nach Bekanntwerden seines Einsatzes für den Freikauf der ausreisewilligen Rumäniendeutschen erhielt der Politiker beim Bundestreffen 2014 in Ulm die höchste Auszeichnung der Landsmannschaft der Banater Schwaben, die goldene „Prinz-Eugen-Nadel“.

Kommentare zu diesem Artikel

ger, 24.03 2018, 09:57
Ein Super-Artikel.
Hervorragend.

Herzlichen Glückwunsch.

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