Ökosystem und Gesellschaft

Astra Film Festival krönte die Preisträger der 12. Ausgabe

Dienstag, 23. Oktober 2012

Zwei der Bürger, die Roşia Montană nicht aufgeben, im Film von Fabian Daub. Foto: AFF

Hermannstadt - Auf Wiedersehen sagten sich die Freunde und Fans des Dokumentarfilms am Sonntagabend in Hermannstadt/Sibiu. Zu Ende gegangen ist nach dem Zeigen der heuer preisgekrönten Streifen die 12. Ausgabe des Internationalen Astra Filmfestes. 2013 jähren sich die 20 Jahre seit dessen erster Veranstaltung und Dumitru Budrala, dessen Initiator und Direktor, sagte eine Jubiläums-Ausgabe an.

Das Sympathische an diesem Filmfest ist die Ungezwungenheit und die vielen zivilgesellschaftlich engagierten jungen Teilnehmer. Das merkt man an ihren Reaktionen beim Zeigen der Filme und den Fragen, die sie den Regisseuren im Anschluss stellen. Zwei Streifen, in denen das zivilgesellschaftliche Engagement eine wichtige Rolle spielt, gehörten zu den in insgesamt sieben Kategorien preisgekrönten Streifen: „Gone Wild“ von Dan Curean, der das Leben im Donaudelta nach der Wende und die Rettung der wilden Pferde aus dem Wald in Letea darstellt, erhielt den Preis in der Sparte EcoCinematogrAFF, der von „Formula AS“ vergebene Sonderpreis ging an „Roşia Montană, Dorf am Abgrund“ von Fabian Daub (Deutschland). Mit dem großen Preis des Festivals wurde „Phnom Penh Lullaby“ des Polen Pawel Kloc ausgezeichnet, der die Story eines Israeli aufzeichnet, der sein Glück in der Ehe mit einer Khmer sucht in einer von Korruption und Prostitution dominierten Gesellschaft.

Als besten Streifen der Sektion Rumänien wählte die Jury „Common Ground“ (Gemeinsame Kosten) von Anne Schiltz und Charlotte Grégoire (Belgien), die das an sich unspektakuläre Leben in einem Wohnblock in Bukarest darstellen. Der Streifen um den 1990 auch im politischen Leben bekanntgewordenen Philosophieprofessor N.S. Dumitru und seine Theorie der „Noosfera“ von Ileana Stănculescu und Artchil Khetagouri erhielt den Preis für die beste Darstellung der rumänischen Wirklichkeit. Als bester internationaler Dokumentarstreifen wurde der Film „He Thinks He's The Best“ (Er glaubt, er sei der Beste) von Maria Kuhlberg (Schweden) über die Traumata der Kindheit und deren Versuch, sie in den Familienbeziehungen zu überwinden, prämiert.

Weil es unter den 16 Streifen der Studierenden so viele gute gegeben hat, teilte die Jury den Preis auf zwei und vergab ihn an Iris Zaki (Großbritannien) für „My Kosher Shifts“ (Meine koschere Wäsche) und Rasmus Sievers und Marina Monsonis (Deutschland/Spanien) für den Streifen über das Viertel Barcelonetta in Barcelona „The Last Street“ (Die letzte Straße). An den Wettbewerben in den verschiedenen Sparten nahmen 54 Filme teil.

Seit heuer wird das Festival jedes Jahr (und nicht wie ursprünglich jedes zweite Jahr) ausgetragen. Sollte es daran liegen, dass die Zuschauerbeteiligung geringer war als in anderen Jahren? Erst am Wochenende kamen mehr Zuschauer in die drei Säle (in katastrophalem Zustand) in das Gewerkschaftskulturhaus. Vollbesetzt war der (über ca. 700 Plätze verfügende) große Saal am Vormittag mit Kindern beim Astra Film Junior und allein bei dem politically korrekten Streifen zum emotionslegadenen Thema Roşia Montană. Bei der Vorführung waren auch im Film interviewte Bürger des Ortes dabei, eine von der Friedrich-Eberth-Stiftung Rumänien geförderte Debatte zum Thema des geplanten Werkes zum Goldabbau folgte im Presseraum.

Insgesamt wurden 83 Streifen in nationaler oder internationaler Premiere gezeigt, die aus 1172 eingesandten ausgewählt wurden. Als Zuschauer fragte man sich bei manchen, wieso dieser Film ins Festival kam, anderen hätte man gern ebenfalls Preise verliehen. Wie zum Beispiel jenem von Stelian Tănase über die Flucht einer 21-köpfigen Familie per in der Landwirtschaft eingesetztem Flugzeug aus dem Banat nach Österreich (Fuga din Rai), oder „Schnee“ von August Pflugfelder über den Raubbau der Tourismusindustrie in den Alpen. Eines der diesjährigen Sonderthemen galt den Roma, und dazu wurde der Film über den Holocaust an dieser Bevölkerung in der Regie von König Florin Cioabă gezeigt. Keine Erstaufführung, aber gefallen hat „Vorbitor“ von Radu Munteanu und Alexandru Baciu über die Heirats-Tricks der Häftlinge.

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