„Ökumene bedeutet für mich persönlich sehr viel“

ADZ-Gespräch mit Erwin Josef Țigla, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen

Mittwoch, 01. Februar 2017

Foto: Zoltán Pázmány

„500 Jahre Reformation“: Im Jubiläumsjahr soll eine Reihe von Veranstaltungen in der Banater Heide und im Banater Bergland veranstaltet werden. Erstmalig im Banat findet im Oktober ein „Evangelischer Tag“ in Reschitza statt, verrät Erwin Josef Ţigla, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen (DFBB). Die erste Fotografieausstellung aus einer größeren Veranstaltungsreihe wurde jüngst im Temeswarer Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus eröffnet. Im Foyer des AMG-Hauses können „Fotografische Eindrücke aus der Lutherstadt Eisleben in Sachsen-Anhalt, dem Geburts- und Sterbeort Martin Luthers“, Bilder aus der „Alpha- und Omega-Stadt für Martin Luther“, wie der Vorsitzende des Berglandforums sie nannte, bewundert werden. Erwin Josef Ţigla besuchte im Herbst vergangenen Jahres mehrere Orte in Deutschland, die mit Martin Luther in Verbindung stehen. Über die weiteren Fotoausstellungen und die Bedeutung der Ökumene heutzutage unterhielt sich ADZ-Redakteurin Andreea Oance mit Erwin Josef Ţigla.

Wie kam es zu dieser Fotoausstellung im Temeswarer Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus?

Ich hatte im vergangenen Jahr besonders in der deutschsprachigen Presse über das Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ gelesen. Sowohl in der Banater Heide, als auch im Banater Bergland leben Evangelisch-Lutheraner, sodass dies auch ein Thema für unsere Region ist. Im vergangenen Herbst hatte ich die Gelegenheit, die Regionen Ostdeutschlands zu besuchen, die in enger Verbindung mit Martin Luther stehen. Ich besuchte Eisleben, Martin Luthers Geburts- und Sterbeort; ich besuchte Wittenberg, wo, der Legende nach, Luther seine Thesen an die Schlosskirche angebracht hatte, aber auch andere Städte wie Erfurt, wo er als Augustinermönch gelebt hatte, noch bevor er mit der Reformation der katholischen Kirche anfing. Überall habe ich sehr viele Fotos gemacht. In der evangelischen Kirche in Reschitza haben wir begonnen, dieses Projekt zum Reformationstag weiterzuentwickeln. Vor Kurzem habe ich auch auf der Wartburg Fotos geschossen, die zu einer nächsten Ausstellung führen werden.

Erzählen Sie uns mehr über Ihr Projekt im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“.

Das Projekt hat im November des vergangenen Jahres begonnen. In diesem Jahr werden weiterhin einzelne Projekte entwickelt, die eben zu diesem Jubiläum „500 Jahre Reformation“ beitragen. So haben wir vor, am zweiten Samstag im Oktober zum ersten Mal in der Geschichte des Banats einen „evangelischen Tag“ in Reschitza zu organisieren. Seine Teilnahme am Ereignis hat der evangelisch-lutherische Bischof A.B. aus Hermannstadt, Reinhart Guib, bereits zugesagt und wir haben schon Zusagen von weiteren Pfarrern der evangelischen Kirche aus Rumänien wie auch aus Slowenien, Österreich und Deutschland. In der Zwischenzeit bringen wir nach Reschitza und wahrscheinlich auch nach Temeswar eine Ausstellung aus Berlin-Potsdam. Dabei geht es um eine Dokumentationsausstellung über die evangelische Kirche, die Geschichte der evangelischen Kirche in Deutschland, sowie eine zweite Ausstellung über die Geschichte der evangelischen Kirche in Rumänien - hauptsächlich geht es hier um Siebenbürgen. Nicht zuletzt wollen wir, weil es eben mein Hobby ist, eine Briefmarken- und Numismatikausstellung zur selben Thematik organisieren.

Im Banat und im Banater Bergland leben eigentlich nicht sehr viele Lutheraner. Warum ist denn das Reformationsjubiläum auch hier wichtig?

Weil, genauso wie Frau Professor Edith Guip-Cobilanschi in ihrer Ansprache bei der Vernissage der Ausstellung gesagt hat, Martin Luther seinen größten Beitrag durch die Entwicklung der deutschen Sprache geleistet hat. Deshalb ist das zentrale Thema der Reformation auch die kulturelle und linguistische Entwicklung, mit allem, was mit der deutschen Sprache, der deutschen Kultur und Gesellschaft in Verbindung steht. Wir wollen also dort, wo noch eine deutsche Minderheit vorhanden ist, so wie das hier im Banat der Fall ist, uns weiter bemühen, diese Sprache aufrecht zu erhalten.

Die aktuelle Ausstellung zeigt jetzt ausschließlich Bilder aus Eisleben. Sie haben bereits erwähnt, dass Sie auch Wittenberg als Lutherstadt und auch andere Städte, in denen Martin Luther gelebt und gewirkt hat, besucht haben. Mit welchen Ausstellungen können wir noch in diesem Jahr rechnen?

In der zweiten Februar-Hälfte organisieren wir in Reschitza eine Fotoausstellung zur Wartburg, wo die Übersetzung der Bibel stattgefunden hat. Demnächst sind noch zwei Ausstellungen mit Fotos aus Wittenberg sowie eine Sammelausstellung mit den Wirkungsstätten Matin Luthers geplant. In diesem Jubiläumsjahr werden also ganz bestimmt mindestens noch drei weitere Fotoausstellungen im Banat veranstaltet.

Wie war es denn für Sie persönlich, diese Orte zu besuchen?

Ich hatte bis zum Besuch dieser Städte viel weniger über das Leben und die Wirkung von Martin Luther gewusst. Durch diese Reisen bin ich ihm sehr nahe gekommen und ich komme immer wieder gerne zu dieser Lebensphase von Luther zurück, wo er selbst gesagt hat, er wollte nicht eine neue Religion gründen, er wollte nur die katholische Kirche ändern, reformieren – daher auch der Begriff Reformation. Ich denke, dass auch heutzutage, in den verschiedenen Kirchen, vieles zu reformieren ist, und wir können nur dazulernen, dass, was Positives aus der Reformation hervorgegangen ist, auch auf Weltebene wahrgenommen wird.

Warum ist Ökumene heutzutage so wichtig?

Weltweit feiern wir in der Zeitspanne zwischen dem 18. und dem 25. Januar die Weltgebetsoktav für die Einheit der Christen. Ökumene ist ein Vorzeigeschild für das Banat, für die Menschen, die hier wohnen, und wir hoffen, durch solche Veranstaltungen wie diese über die Reformation dazu beitragen zu können, dass wir weiterhin offen gegenüber unseren Mitmenschen bleiben, egal welcher Konfession sie angehören. Wir sind alle Menschen Gottes. In diesem Sinne bedeutet Ökumene für mich persönlich sehr viel. Ich lebe in einer ökumenischen Familie, ich bin von der Natur aus sehr ökumenisch geprägt und ich werde auch alles dazu beitragen, dass diese Ökumene auch weiterhin im Mittelpunkt meines Wirkens steht.

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