Offener Brief an Premier Cioloş

„Agora Cărăşană“ erläutert ihre Sicht zum Desaster von Herkulesbad

Dienstag, 19. April 2016

Reschitza – Donnerstagnachmittags berief die Vereinigung „Agora Cărăşană“ durch zwei ihrer Gründungsmitglieder eine Pressekonferenz ein. Thema war die ökonomische Situation von Reschitza, Herkulesbad und des Verwaltungskreises Karasch-Severin ganz allgemein. Die beiden, Ilie Cristescu und Pavel Aghescu, stammen aus der Gegend des Temesch-Cerna-Durchbruchs (Herkulesbad und Slatina Timiş) und waren vor 1989 in Schlüsselpositionen der kommunistischen Regionalwirtschaft tätig: Cristescu als Generaldirektor des Kurorts Herkulesbad (bis er wegen Veruntreuung eingesperrt wurde, was er heute als politisches Bauernopfer und Racheakt verkauft, weil er sich geweigert habe, die kommunistischen Potentaten gratis zu bedienen), Aghescu als Leiter des Entwurfsinstituts des Verwaltungskreises.

Sie stellten ihren offenen Brief vor, den sie an Premierminister Dacian Cioloş gerichtet haben und in dem sie ihre Sicht zur Wertminderung des historischen Teils des Kurorts Herkulesbad durch die Betrüger- und Verbrechergruppe unter Leitung von Iosif Armaş in diachronischer Sicht, also als „Historie“ darlegen. Außer dem Namen „Armaş“ vermeiden sie es, Namen zu nennen, deuten aber viele Vorgänge an und suggerieren gern. Aghescu begann sein Statement mit dem Satz: „In Karasch-Severin hatten wir das zweifelhafte ‘Glück’, mit Beginn der 1990er Jahre mit Totengräbern des Tourismus und der Wirtschaft ‘gesegnet’ zu werden.“ In Reschitza seien 25.000 Arbeitsplätze gestrichen worden und „wer nicht als Arbeitsmigrant ausgewandert ist, der pendelt dorthin, woher früher Arbeitskräfte täglich nach Reschitza gependelt sind.“ Das sei einer der Aspekte der „Wertminderung“ des südöstlichen Banats. Der andere: Reschitza ist zur Stadt geworden, wo alle Führungsspitzen der Straffälligkeit beschuldigt wurden oder wegen Straffälligkeit Gefängnis- und Freiheitsstrafen abbüßen. „Sind das Zufälle?“, fragte sich Aghescu.

Cristescu hat, allerdings nicht frei von persönlichen Interessen und Ambitionen, ein Jahrzehnt lang vor allerhand Gerichten gegen die Privatisierung des Kurorts Herkulesbad durch den bis heute teilweise geheim gebliebenen Deal zwischen PSD-Tourismusminister Dan Matei Agathon und dem damaligen PSD-Abgeordneten Iosif Armaş angekämpft. Und immer verloren. „Wenn Brâncuşi die ‘Weisheit der Erde’ schuf, dann verkörpert dieser Iosif Armaş die ‘Bosheit der Erde’! – lautete eine der Sentenzen, die Cristescu, der auch Gedichte schreibt, lancierte. Laut Cristescu war der einzige Zweck, mit dem die SC Argirom International SA, die Bukarester Firma von Armaş, gegründet wurde, durch Übernahme des Mehrheitspakets an der SC Hercules SA den Kurort zu berauben, zu entwerten, und zum persönlichen Wohlergehen eines kleinen Kreises von Armaş-Gefolgsleuten („Der hat nicht einmal Vertraute, weil er einfach niemand vertraut!“) auf krummen Wegen zu Geld zu machen.

„Ein Armaş stiehlt nicht für einen Adrian Năstase, einen Premier Văcăroiu, einen General Sandu (ehemals oberster Polizeigeneral – Anm.wk). Ich hab das überall hin geschrieben. Mein Aktenkoffer ist voller solcher Dokumente“, sagte Cristescu. „Argirom ist zum Raub geschaffen worden. Seit 2001, als der Deal mit Agathon zu wirken begann, haben die nur geraubt. Und ich hab das dauernd allen schriftlich gemeldet. Wie die kriminelle Wertminderung des Kurorts ablief. Sie schufen Zeckenfirmen, die gezielt eine bestimmte Immobilie oder Liegenschaft finanziell aussaugen sollten, um direkt danach aufgelöst zu werden. Die Immobilie ging in persönlichen Besitz über und wurde meist sofort weiterverkauft. Raub wurde System.“

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