Offiziell Anklage gegen Alexandru Vişinescu erhoben

Erster mutmaßlicher kommunistischer Folterer vor Gericht

Freitag, 20. Juni 2014

Bukarest (dpa/ADZ) - Erstmals kommt in Rumänien ein mutmaßlicher kommunistischer Folterer vor Gericht. Die oberste Staatsanwaltschaft des Landes erhob am Mittwoch offiziell Anklage gegen den heute 88-jährigen Alexandru Vişinescu.

Als Gefängnisdirektor in Râmnicu Sărat von 1956 bis 1963 soll er systematisch Gefangene durch sehr harte Haftbedingungen misshandelt haben: Unterernährung, mangelnde Hygiene und Heizung, brutale Prügelstrafen. Damit habe Vi{inescu keine expliziten damals geltenden Gesetze befolgt, sondern inoffizielle, mündliche Anweisungen aus der regierenden Kommunistischen Partei Rumäniens, schrieben die Ankläger.

Zur Anklage kam es nach einer Anzeige des Bukarester Instituts für Recherchen zu den Verbrechen des Kommunismus (IICCMER), das mehr als 30 weitere mutmaßliche kommunistische Schergen vor Gericht bringen will. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen außerdem gegen den 85-jährigen Ion Ficior. Eine Anklage gegen den Ex-Kommandanten des Arbeitslagers Periprava (1958-1963) wurde aber noch nicht erhoben.

Vişinescu und Ficior waren vor allem für politische Häftlinge verantwortlich. Das Institut IICCMER meint, dass Vi{inescu die Schuld am Tod von mindestens zwölf Gefangenen nachgewiesen werden könne.

Kommentare zu diesem Artikel

Sraffa, 28.06 2014, 18:31
@Manfred : Sie werden dieses Verhalten in allen System finden, nehmen Sie z.B. Deutschland als typisches Beispiel : Hochrangige NS-Verbrecher wurden jahrzehntelang noch durch die neuen Regime aus Bonn/Pullach oder selbst auch Ostberlin gedeckt und manche kleinen Lichter werden erst jetzt kurz vor Ihrem Tod "identifiziert".
Manfred, 22.06 2014, 15:03
Bei der Geschwindigkeit der rum. Justiz kann man sich diesen Prozess mittlerweile ersparen.Vor 20 Jahren hätte es noch einen Sinn gehabt,jetzt ist es Verschwendung von Geld und Arbeitskraft!

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