Omer ist abgesetzt und sitzt ein

Bürgermeister von Pojejena durch Justiz aus dem Verkehr gezogen

Samstag, 16. Februar 2013

Omer Radovankovic, einer der schillerndsten, populärsten, reichsten und undurchsichtigsten Bürgermeister der Serbengemeinden in der Donauklamm, ist Dienstag in Reschitza per Order des Präfekten Silviu Hurduzeu abgesetzt worden. Die Absetzung erfolgte, nachdem der Oberste Justiz- und Kassationshof in Bukarest den Einspruch von Radovankovic und seiner Advokaten zurückwies, die ein Urteil des Berufungsgerichts Kronstadt/Braşov angefochten hatten, demzufolge er zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Diese muss er nun absitzen. Die Anklage der Staatsanwälte der Antikorruptionsbehörde und der Behörde zur Bekämpfung des Bandenverbrechens DIICOT, die gegen Radovankovic und weitere vier Personen erhoben worden war, lautete auf Bildung einer Verbrecherbande und Zigarettenschmuggel. Radovankovic und seine vier Mitverurteilten sind inzwischen beim Sitz der Temescher Kreispolizei IPJ vorstellig geworden und seit Dienstag im Gefängnis in Verwahrung.

Die Order des Präfekten Hurduzeu vom Dienstag betreffs Absetzung des Bürgermeisters Omer Radovankovic kann binnen zehn Tagen angefochten werden – was angesichts des Haftantritts durch Radovankovic unwahrscheinlich geworden ist. Binnen der nächsten 90 Tage müssen in der Serbengemeinde Pojejena Bürgermeisterwahlen stattfinden. Zwischenzeitlich versieht der dortige amtierende Bürgermeisterstellvertreter Bogdan Bogdanovic die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters.
Radovankovic war zuerst – das heißt, etwa beginnend mit 2004 – immer stärker als markantes Mitglied der PDL aufgetreten und sein Motel bei Neumoldowa – ein Motel, das zu einem ehemaligen Rotweingut der kommunistischen RKP gehört und das er gekauft und renoviert hatte – war zum beliebten und begehrten (vor allem Wochenend-)Treffpunkt der führenden PDL-Mitglieder aus dem ganzen Banat geworden, wo Radovankovic den Zeremonienmeister spielte.

Außerdem unterhielt er mehrere Fischerboote samt Besatzungen auf dem Donaustausee Eisernes Tor I, denen von den anderen Fischern nachgesagt wurde, dass sie mit im grenzüberschreitenden Naturschutzareal Eisernes Tor/Djerdapp verbotenen Echoloten auf Fangzüge gehen, die Fischschwärme orten und wegfischen – aber auch, dass diese Fischerboote als Umschlagplätze für Schmuggelzigaretten dienten. Außerdem kontrollierte er die Duty-free-Shops im Donauhafen Neumoldowa (von wo dann der Skandal und die Ermittlungen wegen der geschmuggelten Zigaretten ihren Ausgang nahmen), versuchte beharrlich und ohne jede Zimperlichkeit, die Führung der etwa 140 aktiven Berufs-Donaufischer in der Donauenge beim Eisernen Tor an sich zu reißen, die er unter seiner Führung in eine Fang- und Absatzgenossenschaft zwingen wollte, kaufte Fischteiche (wodurch er den per Gesetz für naturgeschützte Areale eingeschränkten Fangertrag seiner weitgehend illegal fischenden Boote verschleierte, weil er den Fang aus der Donau und aus den Fischteichen von Vărădia konsequent und insgeheim vermischte) und kam in den Generalverdacht, keiner Illegalität in der Donauklamm, die Geld bringt, fremd zu sein.

Gleichzeitig war er seinen Gemeindemitgliedern gegenüber immer sehr großzügig in der Veranstaltung und Finanzierung von Festen, verstand es vortrefflich, Brot und Spiele zu organisieren und war ungemein populär, da es ihm bis zum heutigen Tag auch immer wieder gelang, mittels EU-Finanzierungen (seit einigen Jahren mittels der grenzüberschreitenden Cross-Border-Finanzierungen der EU für gemeinsame Projekte mit dem jüngsten EU-Beitrittskandidaten Serbien) das Gesicht der Ortschaften, die ihn gewählt hatten, sichtbar und entscheidend umzukrempeln.

Das Genick gebrochen hat ihm schließlich seine Implikation in den Zigarettenschmuggel großen Stils mit Serbien (immer noch beträgt der Preisunterschied zwischen serbischen und rumänischen Zigarettenpäckchen rund 1 zu 3), weil er sich nicht auf den alltäglichen Schmuggel mittels kleinen Fischerbooten auf der Donau beschränkt hatte, sondern auch die Linienschiffe, die regelmäßig die Verbindung zum serbischen Donauufer sicherten, und die zollfreie Hafenzone als Transportmittel und Umschlagplatz für Schmuggelzigaretten benutzte. Auch sagt man ihm Schmuggel mit diversen Kunstdüngersorten und Unkrautbekämpfungsmitteln sowie mit Lebendvieh – Schafe, Mastrinder – nach. In den 90er Jahren soll er in Schlepperaktivitäten und Menschenschmuggel in Richtung südlichen Balkan und Italien impliziert gewesen sein.
Die Grundlage seines Vermögens allerdings hatte – wie bei vielen anderen Banatern, die in den 90er Jahren in rasantem Tempo zu Neureichen wurden – der Treibstoffschmuggel ins infolge der Sezessionskriege auseinanderbrechende Jugoslawien gebildet.

Kommentare zu diesem Artikel

Norbert, 17.02 2013, 21:25
Herr Sraffa da haben sie ja mal was richtiges gesagt.Alle Achtung!
sraffa, 17.02 2013, 17:57
Vielen Dank, Herr Klemm, für den so umfangreich recherchierten und wunderbar geschriebenen Artikel. Ist Ihnen bewusst daß Sie hiermit eine Steilvorlage für eine Geschichte/Reportage/ Roman/Film über alle möglichen Facetten und Widersprüche der Entwicklung Rumäniens seit über 20 Jahren geliefert haben ?

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