Oncogen-Zentrum in Temeswar ist bezugsfertig

Einzigartiges Forschungsinstitut und Arzneimittelfabrik in Rumänien

Dienstag, 10. März 2015

Das modernste Forschungsinstitut im Bereich der Onkologie in Rumänien und Osteuropa soll bald seine Tätigkeit aufnehmen.
Foto: Zoltán Pázmány

Auf dem Gelände des Temescher Kreiskrankenhauses in Temeswar/Timişoara wurde in den letzten Jahren ein neues Gebäude errichtet. Dieses wird Oncogen, das Institut für Forschungen im Bereich der Onkologie, beherbergen, welches in diesem Frühjahr offiziell seine Arbeit aufnehmen soll. Das rumänien- und osteuropaweit modernste Institut für genetische und Zellentherapie in der Krebsbehandlung wird nach Lösungen forschen und auch Arzneimittel für die Krebsbehandlung entwickeln. Die Einweihung ist für April geplant.

In den Bau des neuen Instituts wurden etwa zwölf Millionen Euro aus EU-Fördermitteln investiert. Die moderne Infrastruktur soll den Übergang zu neuen Methoden der Diagnose und zweckorientierter Genbehandlung schaffen. Darüber hinaus sind die Entdeckung und Weiterentwicklung von Zelltherapien sowie die Ersetzung der traditionellen strahlen-chemikalischen Methoden der Anti-Tumor-Therapien für Krebskranke die Hauptziele des neuen Forschungszentrums in Temeswar. Eigentlich geht es dabei um eine zweite Chance im Leben für Krebskranke, die auf die Standardbehandlung nicht oder kaum reagieren. Durch die Forschung von Fachärzten im Bereich der Onkologie soll die Diagnose rascher und mit höherer Genauigkeit festgelegt werden, sodass der Patient schnell erfahren kann, an welcher Krebskrankheit er leidet – so kann auch mit dessen Behandlung schnellstmöglich begonnen werden.

„In Rumänien gibt es ein ständiges Problem: Die Fachärzte können oftmals nicht gleich die zutreffene Diagnose stellen, und wegen zahlreicher Zweifel bedarf es oft einer Zweit- oder Präzisierungsdiagnose. Zwanzig bis dreißig Prozent der Patienten mit soliden Tumoren reagieren dann unzureichend auf Standardbehandlungen. So wird hier künftig eine sehr fortgeschrittene genetische Diagnostik durchgeführt, um die dutzendfachen Varianten der Krankheit zu identifizieren. Dann werden wir genauer wissen, worauf die festgestellte Krebsart reagiert und welche Behandlung am vielversprechendsten ist“, erklärt Prof. Dr. Virgil Păunescu, Projektmanager von Oncogen. „Wir werden auch die Behandlungen bösartiger Tumore mit chemischen Substanzen, den sogenannten Chemotherapeutika oder Zytostatika für gewisse Arten von Krebs kritisch unter die Lupe nehmen. Damit versuchen wir, die beste Behandlungsmethode zu finden und den Onkologen die besten Wirkstoffe weiterzuempfehlen“, fügt Păunescu hinzu.

Das Institut wurde nach deutschem Modell errichtet, verrät Projektmanager Păunescu: „Wir haben in Deutschland ähnliche Forschungszentren besucht, sodass wir in Temeswar alles nach höchsten Standards und anspruchsvoll einrichten konnten“. So wird sich im Untergeschoss ein Kühlraum zur Lagerung von Zellen und Geweben befinden, während die ersten beiden Stockwerke Labors, Forschungs- und Konferenzräume beherbergen.

Außerdem wird das Institut im dritten Stock über eine kleine Arzneimittelfabrik verfügen. Hier sollen Medikamente, Impfungen und künstliche Stammzellen entwickelt und produziert werden. Diese Fabrik wird die einzige in Osteuropa sein, die innerhalb eines Forschungsinstituts arbeitet. Zahlreiche europaweite Projekte im Bereich der Biotechnologie sollen hier entwickelt, erforscht und getestet werden. Etwa 50 Fachärzte und Forscher werden demnächst im Temeswarer Oncogen-Institut für Onkologie arbeiten. Die Fachleute wurden bereits in etlichen europäischen Ländern auf diesem Gebiet fortgebildet. Die Forschung innerhalb des Instituts wird in Zusammenarbeit mit dem Kreiskrankenhaus und der Universität für Medizin und Pharmazeutik Temeswar durchgeführt. Finanzieren wird sich das Institut durch wichtige europäische Projekte, die hier umgesetzt werden.

Das Forschungsinstitut „Oncogen“ sollte eigentlich bereits im vergangenen Herbst eingeweiht werden, doch die Suche nach dem besten Angebot für die Ausstattung verzögerte die Einweihung „bis März oder April 2015“. Die verbliebenen Finanzmittel stammen aus einem Zuschuss des rumänischen Ministeriums für Regionalentwicklung und Öffentliche Verwaltung. Dieses soll für die Gehälter und den Start der Forschungstätigkeiten genutzt werden.

Das Projekt für den Bau des Oncogen-Instituts startete im Dezember 2012 und wird vom Kreiskrankenhaus mit EU-Fördermitteln umgesetzt. Das Gebäude umfasst vier Stockwerke und eine Fläche von 2900 Quadratmetern.

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