Optimistisch aber auch realistisch

Gespräch mit Pfarrer Dr. Ştefan Cosoroabă, Leiter des Projektes „Entdecke die Seele Siebenbürgens“

Donnerstag, 17. September 2015

Die Kirchenburg von Neustadt ist immer ein Anziehungspunkt für in- und ausländische Touristen.

Dr. Ştefan Cosoroabă (links) und der Zeidner Pfarrer Andreas Hartig bei der Begegnung mit Tourismusbetreibern in Kronstadt.

Die Honigberger Kirchenburg ist in das Projekt „Entdecke die Seele Siebenbürgens“ eingeschlossen. Die Transilvania-Card zur Besichtigung der 42 Kirchenburgen kann auch da erworben werden.
Fotos: Dieter Drotleff

Der Kirchenburgenpass/Transilvania Card gestattet den freien Besuch der im Programm aufgenommenen Kirchenburgen und bietet Ermäßigungen bei touristischen Dienstleistungen.

Das Projekt „Entdecke die Seele Siebenbürgens“ wurde unter der Schirmherrschaft des Bischofs der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien Reinhart Guib gegründet und hat zum Ziel, den Kulturtourismus um die siebenbürgischen Kirchenburgen zu fördern, diese einmalige Kulturlandschaft  zu erhalten. Projektleiter ist Pfarrer Dr. Ştefan Cosoroabă. Geboren 1960 hat [tefan Cosoroab² das Theologiestudium in Hermannstadt abgeschlossen. Anschließend war er Vikar in Neppendorf, von 1986 bis 1996 Pfarrer in Broos. 1996 wurde er an den Lehrstuhl für Praktische Theologie und Religionspädagogik in Hermannstadt berufen. Seine Promotion erfolgte 1999. Von 1996 bis 2008 war er Stadtpfarrer von Heltau. Er vertritt die Landeskirche in den Beziehungen zu den im Ausland lebenden Siebenbürger Sachsen und deren Verbänden.

Kürzlich stellte er das Projekt „Entdecke die Seele Siebenbürgens“ und den Kirchenburgenpass/Transilvania Card im Kronstädter Kronwell-Hotel Reiseunternehmern vor. Wir nahmen die Begegnung, die von dem Verein zur Förderung und Entwicklung des Tourismus (APDT) organisiert worden war, zum Anlass, um einige Fragen, bezogen auf das Projekt, an Dr. Ştefan Cosoroabă zu stellen.


Herr Dr. Cosoroabă, Sie sind seitens der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien zuständig für die Implementierung des Projektes „Entdecke die Seele Siebenbürgens“. Ihrer Einschätzung nach wie verläuft dieses?

Es gibt eine optimistische und eine realistische Antwort. Ich fange mit der optimistischen an, und sage, sehr gut. Denn gut Ding hat Weile. Das heißt, man darf  am Anfang nicht zu viel erwarten, denn es kommt auf die Dauer an. Und tatsächlich haben wir relativ wichtige Fortschritte gemacht, auch wenn jetzt nicht alles eine blühende Landschaft geworden ist. Realistisch gesagt, es läuft schwer, weil die Leute Erfolge von heute auf morgen erwarten. Aber die Zahlen sprechen ja für sich, auch wenn es wie gesagt nicht spektakuläre Zahlen sind. Wir hatten in der gesamten Kirchenburgenlandschaft im Jahre 2014, 350.000 Besucher. In diesem Jahre werden wir die 400.000 überschreiten. Wir hatten im Vorjahr 25 Kirchenburgen, die wir mit eingebunden haben in unser Projekt. In diesem Jahr sind es über 40 Kirchenburgen die bei der Transilvania-Card mitmachen. Dazu noch über 60 touristische Betreiber, die Discounts für unsere Gäste anbieten.

Das Projekt ist im Jahre 2013 angelaufen?

Ja, so ist es. Und weil Ihre Leser aus unserem Milieu kommen, muss man bei uns nicht viel erklären, da alle Kirchengemeinden und alle Ortschaften sehr eigenständig sind, und es  schon eine große Sache bedeutet, dass man verschiedene Kirchengemeinden und Betreiber von Kirchenburgen unter den gleichen Hut bringen konnte - ein gemeinsamer Brand den man dann vermarktet. Denn bevor man etwas vermarktet, muss man auch etwas haben. Es reicht nicht einfach zu sagen: „Kommt liebe Leute, wir haben Kirchenburgen!“, sondern es ist ganz wichtig, wenn man auf konkrete Dinge hinweisen kann. Und es gibt inzwischen eine ganze Reihe konkreter Dinge von Aktionen, die wir organisieren. Kürzlich hatten wir diese große Fahrrad-Kirchenburgentour die schon die zweite Auflage hat – Bike & Like in der Mediascher Gegend.

Am 13. September hatten wir einen Salvador Dali- Weg  durch die Kirchenburgen eröffnet, weil wir in einem guten Kontakt mit einem Sammler sind, der uns kostenfrei Grafiken zur Verfügung stellt, die an fünf Stellen ausgestellt wurden. Und dann natürlich die Transilvania-Card, ein Instrument, das beginnt, bekannt zu werden. So sind wir auch in dem neuen Müller-Reiseführer und über diesen bekommen wir immer häufiger Anfragen. Aber es dauert bis man in die Reiseführer kommt und in die Köpfe der Leute.

Welches ist das Echo dieses Projektes unter der Mehrheitsbevölkerung des Landes?

Das Echo ist gut, aber man erwartet noch mehr Koordination. So kommen z.B. Anfragen, warum hat die Kirchenburg in Birthälm bei ihren Öffnungszeiten eine Mittagspause? Könnt ihr das nicht verändern? Und wir können das nicht von heute auf morgen verändern, weil die Birthälmer selbstständig sind, und eben nur mit der Zeit dazu kommen einzusehen, dass es wesentlich ist, sich aufeinander abzustimmen, wenn man für Kulturtourismus offen sein möchte.

Welche Rolle spielen die Kirchenburgen-Botschafter in diesem Projekt?

Da bekommen Sie die realistische Antwort. Leider eine zu geringe Rolle. Wir haben ja im Vorjahr die zweite Persönlichkeit, Leonard Orban, zum Kirchenburgen-Botschafter gekürt, in einer beeindruckenden Feier. Aber leider, oder Gott sei Dank, wie man es nimmt, ist er zum Präsidentenberater geworden und hat dadurch andere Aufgaben und ein anderes Programm, sodass er uns hat mitteilen lassen, er kann sich nicht so in der Öffentlichkeit zeigen, ohne immer wieder vom Präsidenten selber beurlaubt zu werden. Es sind andere Standards in so einem Amt. Aber wir suchen weiter nach Leuten, die bereit sind, sich einzubringen. Der erste Kirchenburgen-Botschafter war Cristian Ţopescu. Den hatten wir bei Bike & Like dabei. Er leistet seinen Beitrag, aber auch in einem begrenzten Umfang.

Hat das Projekt ein positives Echo auch im Ausland?

 Wir sind noch im Segment der Siebenbürger Sachsen. Ich habe betont, dass wir im Müller-Reiseführer aufgenommen sind, das heißt, wir machen den Schritt auch heraus aus diesem Milieu. Dazu dienen natürlich unterschiedliche Veranstaltungen und Auftritte auf Messen usw., sodass man auch zu einem anderen Publikum kommt.

Welchem Zweck dienen die Einnahmen durch den Kirchenburgen-Pass?

Die Einnahmen werden für Erhalt und Entwicklung der Kirchenburgenlandschaft genutzt.

Sie beteiligten sich an einer Zusammenkunft des Kronstädter Vereins zur Förderung und Entwicklung des Tourismus (APDT). Welche Bedeutung schenken Sie derartigen Zusammenkünften?

Die Aussprache ist eine Zusammenkunft der lokalen Tourismusbetreiber. Wir nützen jede Gelegenheit, um im Bewusstsein der Tourismusbetreiber präsent zu sein. Je mehr Vernetzung es gibt, desto mehr kann unsere Botschaft über die eigenen Grenzen hinausgehen. Unsere Saison beginnt zu Ostern, geht bis 31. Oktober, und wir satteln dann zum Winterprogramm um. Mehr als 60 Partner bieten Vergünstigungen von Frühling bis Herbst.

Erfreut sich das Projekt der Unterstützung der Kirchenkuratoren und Presbyterien aus den jeweiligen Kirchengemeinden?

Grundsätzlich ja. Aber es gibt immer Einzelfälle.

Herzlichen Dank für Ihre Offenheit zu und in diesem Gespräch.


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Weitere Informationen zu dem Projekt können über ekr@siebenbuerger.de, info@transilvania-card.ro, www.transilvania-card.ro oder www.evang.ro erhalten werden.
Der Kirchenburgenpass/Transilvania Card kann gegen eine Spende von 50 Lei bei den Infoständen in der Schwarzen Kirche von Kronstadt, in der Bergkirche von Schäßburg, bei der Burg von Rosenau, in Hermannstadt in der Schiller-Buchhandlung, im Erasmus-Büchercafe, in der evangelischen Stadtpfarrkirche, in der Kastell-Buchhandlung von Mediasch, in Birthälm, Kerz, Mühlbach u.a erworben werden. Mit diesem kann man 41 Kirchenburgen gratis besuchen, bei 40 Dienstleistungen erhält man einen Rabatt

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 24.09 2015, 09:43
Es scheint wirklich an der Professionalität der Veranstalter und Verantwortlichen zu fehlen.

Anstatt daß eine eigene Marke "Kirchenburgen" entwickelt wird durch passende Aktionen, fehlt die ev. Kirche dadurch, daß sie fremde Marken wie "Dali" präsentiert - dadurch wird der Wert der Kirchenburgen für auswärtige Besucher noch mehr abgeschwächt...
Denn Dali - Originale- kann jeder Interessierte zu Hauf überall auf der Welt sehen...
Die sächsischen Kirchenburgen aber gibt es nur in Siebenbürgen- auch dieses Vermarktungsparameter wird/wurde von Cosoroaba anscheinend bisher vergessen.

Dabei wäre es einfach gewesen, entweder einen motivierten Studenten des Marketings für 1-2 Tage billigst als Berater einzusetzen, oder selbst mal ein paar Stunden via Internet sich über Marketing kundig zu machen.
dan, 24.09 2015, 09:38
Salvador Dali hat nun mit den Sb. Sachsen oder Siebenbürgen gar nichts zu tun.
Da wäre es angebrachter gewesen, zumindest aktuelle Werke rumänischer Künstler mit dem Thema "Sb. Sachsen" oder "Siebenbüren" zu zeigen.
So aber scheint diese Aktion aus der Zufälligkeit, schlecht geplant, entstanden zu sein. Was Fragen bzgl. der Professionalität und der Intentionen der Veranstalter aufwirft.

Was soll denn mit einer Dali-Show für wen bewirkt werden?

Weiterhin sagt Cosoroaba, daß sich 350-400 Tausend Besucher "Auf dem Gebiet der Kirchenburgen" aufgehalten haben.
Diese Zahl sagt aber gar nichts darüber aus, wieviel Besucher die - wenn überhaupt offenen- welche Kirchenburgen konkret hatten.
Somit gibt es keinerlei Beleg dafür, daß die ganze Aktion überhaupt einen Erfolg und Besucher hatte- vom Sinn derselben ganz zu schweigen.

Sehr schade --- so wird das kulturelle Erbe der Sb. Sachsen ins Lächerliche- Mainstreamhafte gezogen.
Denn es wird den Besuchern vermittelt, daß es sich nicht lohnt, diese Kirchenburgenzu besuchen. Und daß sich ein Besuch nur dann lohnt, wenn irgendwelche beliebigen Drucke (ob das alles Originale sind?) eines DALI vorgezeigt werden...

So geht es nur weiter munter abwärts mit dem Kulturerbe der Sb. Sachsen.
Eine Schande!!!

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